Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Würzburg

Genderkritik - „falsche“ Körper und „wahre“ Identitäten

Die Religionsphilosophin Beckmann-Zöller wendet sich gegen eine falsche Interpretation der Genderforschung, die als Grundlage der Beratungen des Synodalen Wegs verwendet wird.
Ausstellung "Cranach. Meister - Marke - Moderne"
Foto: Federico Gambarini (dpa) | Bilder von Adam und Eva - um 1508/10 - Lucas Cranach d. Ä.

In ihrem Beitrag „Verherrlicht Gott in eurem Leib“ weist die Religionsphilosophin Beate Beckmann-Zöller daraufhin, dass die Gender-Perspektive zum Teil sinnvoll eingesetzt werden könne. Sie ermögliche, vor essenzialistischen Kurzschlüssen zu bewahren. Dabei sei aber darauf zu achten, dass sie die natürliche Anlage des Leibes nicht überschreibe.

„Dem Leib als Frau ist eingeschrieben, dass es eine andere Form des Menschseins gibt: den Mann (und umgekehrt). Darüber hinaus erfolgt die Zuordnung zum anderen Geschlecht auf psychologischem Weg.“

Lesen Sie auch:

Der Leib wird zur beliebigen Chiffre

Dabei gehe die „Mutter“ der Gendertheorie, Judith Butler, aber soweit, nicht nur das ‚soziale Geschlecht‘, also die kulturell geprägte Lebensweise von Frauen und Männern zu hinterfragen. Vielmehr gebe es für Butler den Körper als biologisches, natürliches Geschlecht („sex“) gar nicht. Vielmehr ist nach diesen Theorien das Ich durch kulturelle Kodierung ,gegendert‘. Butler konstruiert den Leib als „besprechbaren“ Körper. Damit ist er nicht biologisch bestimmt. Vielmehr lege die Gesellschaft dem Leib ein kulturelles Programm gewaltsam auf, damit er der Fortpflanzung diene und Vater/Mutter wird.

Unkritische Übernahme

Etliche Pastoralpapiere übernähmen unkritisch die Erkenntnisse verallgemeinerter „Natur– und Humanwissenschaften“, also auch die der „Gender-Studies“. So wird etwa unhinterfragt die Position, „dem Empfinden von Lesben und Schwulen liege eine unveränderliche ,homosexuelle Anlage' zugrunde, parallel zur Anziehung zwischen Mann und Frau“ übernommen. Daher solle eine Sexualethik überwunden werden, die auf Ehe und Familie angelegt ist. Einer reinen Beziehungsethik werde damit das Wort geredet.

DT/ska

Von „falschen“Körpern und „wahren“ Identitäten: Lesen Sie Beate Beckmann-Zöllers Beitrag zum Einfluss der Gender-Ideologie auf die Beratungen des Synodalen Weges in der Sonderbeilage „welt & kirche“ in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Religionsphilosophen

Weitere Artikel

Schüler und Weggefährten würdigen die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz anlässlich ihres 80. Geburtstags.
26.03.2026, 21 Uhr
Michael Karger

Kirche

Das vatikanische Appellationsgericht ordnet die Wiederholung des Verfahrens gegen Kardinal Angelo Becciu an. Ein Grund: wie Papst Franziskus in die Verhandlungen eingegriffen hat.
01.04.2026, 08 Uhr
Giulio Nova
Wohl auch eine ganz konkrete Anspielung: Papst Leo predigt am Palmsonntag über Gott, der den Krieg ablehnt. Eine Änderung der katholischen Lehre ist damit nicht verbunden.
31.03.2026, 15 Uhr
Maximilian Welticke
Die dazugewonnene Zeit bietet mehr für Freizeit, Familie, Freunde und Engagement – aber vor allem auch für Gott. Ein Erfahrungsbericht.
01.04.2026, 07 Uhr
Jonathan Prorok