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Franziskus trifft Missbrauchsopfer in Lissabon

Für den Papst endet der erste Tag seiner Portugal-Reise mit einem Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs. Außerdem forderte er Europa erneut zu einem Friedenskurs auf.
Papst Franziskus in Portugal
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA / ipa-agency.net (www.imago-images.de) | Papst Franziskus bei seiner Ansprache vor Vertretern der portugiesischen Regierung, der Zivilgesellschaft und dem diplomatischen Korps.

Zum Abschluss des ersten Tages seiner Reise nach Portugal hat sich Papst Franziskus mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche getroffen. Wie der vatikanische Pressesaal am Mittwochabend mitteilte, empfing der Papst in der Nuntiatur in Lissabon zum Abschluss der institutionellen und kirchlichen Treffen eine Gruppe von 13 Personen, die Opfer von Missbrauch durch Mitglieder des Klerus wurden. Dabei sei er von Vertretern der portugiesischen kirchlichen Institutionen begleitet worden, die für den Schutz von Minderjährigen zuständig sind.

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Dem Vatikan zufolge habe das Treffen in einer „Atmosphäre des intensiven Zuhörens“ stattgefunden und mehr als eine Stunde gedauert. Zuvor hatte sich Franziskus in einer Ansprache im historischen Hieronymiten-Kloster im Lissaboner Stadtteil Belém indirekt zum Thema Missbrauch geäußert. Der Papst diagnostizierte eine „zunehmende Entfremdung“ von der Kirche, die oft noch verstärkt werde „durch die Enttäuschung oder den Zorn, den manche gegenüber der Kirche empfinden, manchmal wegen unseres schlechten Zeugnisses und der Skandale, die ihr Antlitz entstellt haben und die zu einer demütigen und beständigen Läuterung aufrufen, ausgehend vom Schmerzensschrei der Opfer, die immer aufgenommen und gehört werden müssen“.

Kreative Wege, um den Krieg in der Ukraine zu beenden

Papst Franziskus war am Mittwoch zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Portugal anlässlich des Weltjugendtags in der Hauptstadt Lissabon aufgebrochen. In seiner ersten Rede auf portugiesischem Boden im Kulturzentrum von Belém ging er auch auf viele aktuelle Krisen und Konflikte in Europa und der Welt ein. Abermals beklagte der Papst in Europa „das Fehlen eines mutigen Friedenskurses“ im Hinblick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine. „Wenn man Europa beherzt betrachtet, müsste man es im Geist des Dialogs, der es kennzeichnet, fragen: Wohin steuerst du, wenn du der Welt keinen Friedenskurs vorschlägst, kreative Wege, um dem Krieg in der Ukraine und den vielen Konflikten, die die Welt mit Blut beflecken, ein Ende zu machen?“, so Franziskus vor Vertretern der portugiesischen Regierung, der Zivilgesellschaft und dem diplomatischen Korps.

Die fortschrittliche Technologie des Westens, die die Welt globalisiert habe, reiche allein nicht aus. Auch die fortschrittlichsten Waffen, so der Papst, würden keine Investition in die Zukunft darstellen, sondern „eine Verarmung des wahren Kapitals der Menschen, nämlich jenes der Bildung, der Gesundheitsversorgung und des Sozialstaats“. Dem setzte Papst Franziskus eine Vision von „einem Europa als dem Herzen des Westens“ entgegen, das seinen Einfallsreichtum dafür einsetze, „um Kriegsherde zu löschen und Lichter der Hoffnung zu entzünden“.

Grundsätzliche Kritik am Kurs des Westens

Seine Kritik am Kurs des Westens beschränkte Franziskus aber nicht auf die Haltung im Krieg. Wörtlich fragte er: „Wohin steuert ihr, Europa und Westen, mit der Ausgrenzung älterer Menschen, den Mauern mit Stacheldraht, den Massakern auf See und den leeren Wiegen? Wohin steuert ihr, wenn ihr angesichts des Leidens im Leben oberflächliche und falsche Heilmittel anbietet, wie den einfachen Zugang zum Tod, eine Bequemlichkeitslösung, die lieblich erscheint, aber in Wirklichkeit bitterer ist als das Meereswasser?“

Am Donnerstag stehen für Papst Franziskus Begegnungen mit Unversitätsstudenten an der Katholischen Universität Portugal und mit Jugendlichen der vom Vatikan initiierten Bildungsinitiative „Scholas Occurrentes“ an deren Sitz in Cascais auf dem Programm. Am frühen Abend wird es zudem eine Willkommenszeremonie im Lissaboner Park „Eduardo VII.“ geben.  DT/mlu

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