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„Es ist schwer, die Angst in den Augen der Menschen auszuhalten“

Christen im Libanon leiden unter den Folgen der Luftkämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Helfer vor Ort warnen vor hohem humanitären Druck und berichten von Menschen unter Schock.
Jetstreifen über Beirut
Foto: IMAGO/Fadel Itani (www.imago-images.de) | Jetstreifen über Beirut: Im Libanon steht die christliche Gemeinschaft unter Schock.

Die aktuellen intensiven Luftkämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz haben die Christen im Libanon einem hohen humanitären Druck ausgesetzt. Davor warnen Partner des katholischen Hilfswerks missio Aachen. „Wir wissen nicht, ob sich der Konflikt zu einem Krieg mit allen Mitteln ausweitet, oder ob es einen Waffenstillstand geben wird. Diese Ungewissheit macht den Menschen in den christlichen Dörfern und Stadtteilen große Angst“, so Michel Constantin, Leiter der christlichen Hilfsorganisation CNEWA in Beirut, gegenüber missio. Mehr als ein Drittel der Menschen im Libanon gehören zu einer christlichen Gemeinschaft. 

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Man hofft auf Verhandlungen

Im Süden des Libanons, der nördlichen Bekaa-Ebene und im Süden von Beirut, die von Luftschlägen besonders betroffen sind, leisten christliche Institutionen bereits umfangreiche Hilfen für Betroffene, so Constantin: „Sie nehmen Geflüchtete auf, verteilen Essen, Getränke und leisten medizinische Erstversorgung, auch wenn sie sich selbst in einer gefährlichen Lage befinden.“ Schüler christlicher Schulen könnten seit längerer Zeit nicht mehr unterrichtet werden. Die Christen setzen derzeit Hoffnung in die Verhandlungen zwischen den Unterhändlern aus Katar, Ägypten, der Türkei und Frankreich. Constantin befürchtet besonders eine Bombardierung der Gebirgskette des Mount Libanon, in der viele Christen lebten.

Laut Schwester Jovanna Abillama sei es besonders schwer, „die Angst in den Augen der Menschen und Kinder zu sehen und auszuhalten“. Es sei eine große Herausforderung, ihnen Hoffnung zu vermitteln, während das Geräusch explodierender Bomben ihren gesamten Tag durchdringe. Die Schwester der Kongregation „Sisters of the Forsaken Jesus“ bittet um das Gebet für den Libanon. Abillama und ihr Orden wirken in der Bekaa-Ebene. Dort liegen christliche Dörfer neben mehrheitlich schiitischen Dörfern, wo die Hisbollah-Miliz präsent ist. DT/sdu

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