Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Orthodoxie

Einst mächtiger Metropolit Hilarion abgesetzt

Die frühere Nummer Zwei der russischen Orthodoxie stolpert über einen Sexskandal. Moskau entzieht Hilarion die orthodoxe Diözese Ungarn und verbannt ihn nach Karlsbad.
Metropolit Hilarion auf einem Empfang des russischen Außenminsiters Sergej Lawrow im Mai 2020
Foto: Artyom Geodakyan via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Tief gefallen: Hilarion auf einem Empfang des russischen Außenminsiters Sergej Lawrow im Mai 2020.

Nach einer Reihe von Skandalen wird der frühere Außenamtschef der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion Alfejew (58), zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Hilarion galt über viele Jahre nicht nur als zweitmächtigster Mann (nach Patriarch Kyrill) des Moskauer Patriarchats, sondern auch als erfolgreicher Außenminister und Ökumeniker seiner Kirche. Im Vatikan ging der selbst- und karrierebewusste russische Metropolit ein und aus. Weder seine Neigung zu demonstrativem Luxus noch seine verbalen Attacken auf den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, immerhin das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, schadeten dem Einfluss von Hilarion. Nun hat ihn ein Sexskandal zu Fall gebracht.

Lesen Sie auch:

Der sogenannte „Heilige Synod“ der russisch-orthodoxen Kirche stellte in seiner Sitzung am Freitag in Moskau eine „Diskrepanz zwischen der Art seiner Beziehungen zu seiner unmittelbaren Umgebung und dem Bild eines Lebens als Mönch und Geistlicher“ fest. Vorangegangen war eine für Moskau peinliche Enthüllung: Ein junger Mann aus russisch-japanischer Familie, Georgy Suzuki, der mit 18 Jahren in Hilarions Dienste getreten war, warf dem mittlerweile in Budapest residierenden Metropoliten sexuellen Missbrauch vor. Mit Videos, Fotos und Audiomitschnitten belegte er Luxusreisen, ein millionenschweres Anwesen, das sich Hilarion bei Budapest gekauft haben soll, und den ungarischen Reisepass des russischen Würdenträgers.

Versteckte Kamera filmt Bettszene

Schließlich kursierte auch noch ein Video, das eine Bettszene Hilarions mit Suzuki belegen soll und das mit einer heimlich installierten Kamera aufgenommen wurde. Zu dem Vorwurf, über Monate das Bett mit seinem Schutzbefohlenen geteilt zu haben, schwieg Hilarion. Stattdessen warf er seinem einstigen Assistenten Diebstahl und Erpressung vor. Das Moskauer Patriarchat setzte eine Kommission ein, um die Vorwürfe kirchenintern zu untersuchen.

Offenbar mit erschütterndem Ergebnis, denn die russisch-orthodoxe Synode beschloss nun am Freitag, Metropolit Hilarion von der Verwaltung ihrer ungarischen Diözese zu entbinden und ihn in den Ruhestand zu versetzen. Hilarion wird angewiesen, künftig in Karlsbad, in der Tschechischen Republik, zu wirken, wo sich viele reiche Exil-Russen niedergelassen haben. (DT/sba)

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Diözesen Orthodoxe Kirchen Russisch-Orthodoxe Kirche Synoden

Weitere Artikel

Wenn der Römer essen geht, muss er bisweilen Luft ablassen. Besonders, wenn es um die Pirouetten geht, mit denen die Kirche manchmal um sich selber kreist.
09.11.2025, 07 Uhr
Mario Monte
Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. ist ein Brandstifter, der sich als Feuerwehrmann präsentiert.
03.06.2025, 11 Uhr
Stephan Baier
Russlands Orthodoxie diene neoimperialen Zielen und sei in die aggressive Politik des Kremls integriert, meinen die ukrainischen Kirchen und Religionsgemeinschaften.
29.08.2025, 07 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Für Haltung, Demokratie, und Erneuerung in der Kirche: Irme Stetter-Karp wird das ZdK weiterhin als Präsidentin anführen. Bei der Vollversammlung in Berlin erhält sie gut 80 Prozent.
28.11.2025, 18 Uhr
Meldung
Das Christus-Bekenntnis verbindet die Kirchen: Vertreter vieler Konfessionen beten gemeinsam mit dem Papst und dem Ökumenischen Patriarchen am Ort des Konzils.
28.11.2025, 16 Uhr
Stephan Baier
Unerwarteter Gast: Der Attentäter von Johannes Paul II., Mehmet Ali Ağca, taucht in Iznik auf, verteidigt Papst Leo gegen Verschwörungstheorien und hofft auf eine Begegnung mit ihm.
28.11.2025, 14 Uhr
Meldung
Von Christus hängt das Heil ab: Eine Tagung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie beleuchtet die Geschichte des Konzils von Nizäa.
28.11.2025, 13 Uhr
Regina Einig