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Der Aufstieg des Neokatechumenats

Spaniens Seminare füllen sich. Das liegt auch am Missionsgeist der Laien.
Franziskus, Spanische Seminaristen
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Franziskus empfängt spanische Seminaristen aus Burgos, 2024. Die Zahl der Priesteramtskandidaten in Spanien steigt.

Stoff zum Nachdenken gibt die Spanische Bischofskonferenz zu Weihnachten allen Katholiken guten Willens. Nach sechs Jahren Berufungsflaute sind in diesem Winterhalbjahr wieder mehr junge Männer in die spanischen Priesterseminare eingetreten, so dass die magische Grenze von insgesamt 1000 Kandidaten überschritten wurde. 1036 junge Männer bereiten sich derzeit in Spanien auf die Priesterweihe vor, wobei die Zahl der Neueintritte zuletzt deutlich gestiegen ist: Während im Jahr 2022 nur 177 junge Männer ein Theologiestudium mit dem Berufsziel katholischer Priester aufnahmen, waren es in diesem Jahr 239, das entspricht einem Zuwachs von über 35 Prozent.

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Gott berufe, wie und wann er wolle, lautete die nüchterne Reaktion des Vorsitzenden der Unterkommission für Priesterseminare, Bischof Jesús Vidal. Gleichwohl fällt auf, dass die Katholiken in Spanien die Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle nicht mit einem kirchenpolitischen Strukturreformprogramm verbunden haben. Priester müssen in Spanien mit denselben Stressfaktoren zurechtkommen wie ihre Mitbrüder nördlich der Alpen: öffentlicher Imageverlust aufgrund hoher medialer Aufmerksamkeit für sexuelle Missbrauchsfälle in der Kirche, starke Säkularisierungstendenzen in der Gesellschaft, weniger Messbesucher. Dass Bischöfe und Laien auf diese Belastung nicht mit vordergründigen Strukturreformen reagieren und sich und anderen vormachen, erst müsse der Katholizismus gesellschaftlich anschlussfähig werden, ehe man den Menschen wieder das Evangelium zumuten könne, hat sich indes gelohnt.

Wie der Weg ins Seminar leichter fällt

Denn die positive Entwicklung der Seminaristenzahlen ist nicht zuletzt engagierten Weltchristen zu verdanken, die den biblischen Missionsbefehl ernst nehmen und in ihren Familien und Pfarreien umsetzen. Etwa 20 Prozent der 211 Kandidaten werden in den Seminaren des Neokatechumenalen Wegs ausgebildet. Unter den Erstsemestern liegt die Zahl noch höher: 59 der 239 „Neuen“ gehören der Bewegung an. Auch wenn nicht jeder Eintritt ins Seminar zur Priesterweihe führt, ist der Aufstieg einer ausgesprochenen Laienbewegung zum veritablen geistlichen Berufungsfaktor etwas Nachdenken wert. Das Neokatechumenat ist zwar nicht die einzige geistliche Familie in der Kirche, aus derzeit viele Priesterberufungen hervorgehen – auch die Gemeinschaft St. Martin und die Petrusbruderschaft haben volle Seminare – aber sie wurde im Unterschied zu den beiden oben genannten Adressen von Laien ins Leben gerufen.

Wenn junge Menschen wissen, dass sie von einer starken Betergemeinschaft getragen werden und auf den Rückhalt ihrer Familie zählen können, fällt der Weg ins Seminar offensichtlich leichter. Die Glaubensweitergabe in der Familie und der Wille, mehr für den Glauben zu tun als seine Sonntagspflicht zu erfüllen, sind Grundpfeiler geistlicher Berufungen. Das anzuerkennen, ist in Zeiten synodaler Wunschkonzerte notwendig.
Die Neokatechumenalen sind zudem starke Förderer der internationalen Weltjugendtage. Die hohe Beteiligung spanischer Jugendlicher am Weltjugendtag in Lissabon 2023 ist nach Auffassung vieler Beobachter nicht folgenlos verpufft: Vielmehr stellte das Jugendtreffen eine Initialzündung für geistliche Berufungen in Gruppen dar, die Gebet und Verkündigung in den Fokus rückten.

Deutsche Anhänger des Synodalen Wegs, die bei kirchlichen Veranstaltungen als Regenbogenfahnenträger auftreten, mögen schlucken: Der Nullpunkt der Katechese bei Gremientreffen und Stuhlkreisveranstaltungen ist keine Quelle, aus der sich die Seele nähren kann. Die Jungen von heute, die morgen in der Kirche Leitungsaufgaben wahrnehmen, ticken anders als sie.

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