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Ein Gremium mit Glaubwürdigkeitsproblemen

Den Laien vor Ort sollen Synodalgremien vorgesetzt werden, die mitreden und Rechenschaft fordern dürfen – auch in Finanzfragen. Das wird sich jeder kluge Bischof gut überlegen.
Bischof Georg Bätzing
Foto: DT / IMAGO / epd | Am Ende des Synodalen Wegs steht ein Gremium, das in Konkurrenz zu anderen Gremien steht.

Die künftige Synodalkonferenz hat schon vor ihrer Gründung ein Glaubwürdigkeitsproblem: Nicht nur die bischöfliche Minderheit, sondern auch die Oberhirten, die an der Ausschusssitzung in Fulda teilnahmen, äußerten begründete Bedenken bezüglich der Repräsentativität des Gremiums für den deutschen Katholizismus.

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Mehrere Bischöfe, darunter auch einer der Väter des Synodalen Wegs, Kardinal Reinhard Marx, zogen andere Termine einer Reise nach Fulda vor. In den Reihen der Synodalen fehlen die Nichtakademiker und sozial Benachteiligten, aber auch eine angemessene Gruppe muttersprachlicher Katholiken. Schon jetzt gibt es so viel Widerstand gegen die geplante Rechenschaftspflicht der Ortskirchen gegenüber der Synodalkonferenz, dass man das Projekt als gescheitert ansehen kann. Die Ausschusssitzung in Fulda zeigte deutlich, worum es im Kern geht: um die künftige Verteilungshoheit über die Kirchenfinanzen. Den Laien vor Ort sollen Synodalgremien vorgesetzt werden, die mitreden und Rechenschaft fordern dürfen. Das wird sich jeder kluge Bischof gut überlegen, denn kompetente Laien in Kirchensteuer- und Wirtschaftsräten wirken bereits an Entscheidungen mit. Kein deutscher Bischof regiert in seiner Diözese wie ein Gutsherr, sondern berät sich mit haupt- und ehrenamtlichen Fachleuten.

Warum sollten diözesane Kirchensteuerräte Kompetenzen an Personen abgeben, die mit der Lage vor Ort weniger vertraut sind als sie selbst? Das Beispiel der Katholischen Frauengemeinschaft in Deutschland zeigt, wie schlecht an grünen Tischen getroffene Finanzentscheidungen an der Basis ankommen: Als die Damen in der Düsseldorfer kfd-Zentrale das Geld der Kirchensteuerzahlerinnen anders verteilen wollten als die engagierten Katholikinnen in den Pfarreien, seilten sich Letztere im Bewusstsein ihrer Mündigkeit vom Zentralverband ab. Die Synodalkonferenz wird sich auf geharnischte Absagen auf ihre Monitoringanfragen und auf rote Karten kompetenter Laien an der Basis gefasst machen müssen. Unausgesprochen steht die Frage im Raum, wozu es überhaupt eine Synodalkonferenz braucht, wenn doch die Gemeinsame Konferenz seit 50 Jahren eben jene Schnittstelle zwischen Deutscher Bischofskonferenz und Zentralkomitee der deutschen Katholiken bildet, die man nun herstellen will.

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