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Will der Papst Frieden ohne Gerechtigkeit?

Angesichts der russischen Invasion hatte die Ukraine nur die Wahl zwischen Selbstverteidigung und Kapitulation. Das scheint Franziskus nicht klar zu sein.
Papst Franziskus fordert von der Ukraine den Mut, sich zu ergeben.
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Franziskus fordert von der Ukraine den Mut, sich zu ergeben. Dabei zeigt der Pontifex einen sehr unrealistischen Blick auf den Krieg gegen die Ukraine.

Papst Franziskus sehnt sich nach Frieden – das tut die Ukraine auch. Doch während die Ukraine seit mehr als zwei Jahren mit allen Mitteln um ihr Überleben als Staat und selbstbestimmte Nation ringt, scheint der Papst an einen Frieden um jeden Preis zu denken. Das zumindest suggerieren jene Ausschnitte aus seinem Interview mit dem italienischsprachigen Schweizer Rundfunk RSI, die der Sender vorab veröffentlichte. Da empfiehlt Franziskus den Ukrainern wörtlich den „Mut zur weißen Flagge“. Darunter versteht man üblicherweise die Kapitulation, wenngleich der Papst „zum Verhandeln“ rät, ja zu einem Verhandeln, das „niemals ein Sich-Ergeben“ sei.

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Der päpstliche Blick auf den Kriegsschauplatz im Osten Europas ist auch in anderer Hinsicht nicht ganz stimmig. So meint Franziskus in besagtem Interview: „Zum Krieg gehören immer zwei. Die Unverantwortlichen sind diese beiden, die den Krieg führen.“ Zu einer Invasion braucht es allerdings nur einen, und dieser eine, der 2014 die Krim okkupiert hat, einen Dauerkrieg im Donbas lostrat und am 24. Februar 2022 eine große militärische Invasion gegen das souveräne Nachbarland startete, heißt Wladimir Putin. Die Ukraine wollte keinen Krieg und hat auch kein Nachbarland überfallen. Doch angesichts der russischen Invasion hatte sie nur die Wahl zwischen Kapitulation und Selbstverteidigung.

Warum kein Appell an Putin?

Es mutet schon befremdlich an, wenn der Papst nun „beide“ Seiten für unverantwortlich erklärt und die Kriegsschuld „beiden“ zuweist. Das entspricht weder den Ursachen noch dem Verlauf dieses Krieges. Es entspricht auch nicht den Maßstäben der Gerechtigkeit oder der christlichen Friedensethik, die ein Recht auf Selbstverteidigung kennt. Befremdlich ist an den bisher bekannten Interviewäußerungen des Papstes auch, dass er zwar an die Ukraine appelliert, aber nicht an Putin. Aus Moskau gibt es ja bis zur Stunde keinerlei Signal zu echter Verhandlungsbereitschaft auf Augenhöhe. Im Gegenteil: Putin machte wiederholt deutlich, dass er die Bedingungen für ein Ende der Kampfhandlungen einseitig diktieren möchte. Ihm geht es tatsächlich um eine Selbstaufgabe und Kapitulation der Ukraine.

Angesichts der zahllosen Kriegsverbrechen und Völkerrechtsverletzungen von russischer Seite sollte auch in Rom klar sein, was eine solche Kapitulation der Ukraine bedeuten würde. Schon heute gibt es Anzeichen für einen Genozid, etwa durch die Verschleppung zehntausender ukrainischer Kinder nach Russland. Dieses zum Himmel schreiende Unrecht könnte und sollte der Papst vor aller Welt anprangern statt der Ukraine öffentlich zu raten, sie möge ihre „Niederlage“ eingestehen.

Bedauerlich für die Ukrainer

Es ist nicht das erste Mal, dass Papst Franziskus den Ukrainern suggeriert, er sei zwar am Frieden, nicht aber an der Freiheit oder gar an Gerechtigkeit für dieses leidgeprüfte Volk interessiert. Das ist sehr bedauerlich, ganz besonders für die rund sechs Millionen ukrainischen Katholiken, die ihren Landsleuten die vatikanische Position immer schwerer erklären können.

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