Vatikan

Papst Franziskus warnt vor „elitärem“ Synodalen Weg

Der Synodale Weg sei weder „hilfreich noch seriös“, erklärt der Papst in einem Interview. Er äußert sich auch zu Homosexualität, dem verstorbenen Emeritus und seinem Gesundheitszustand.
Papst Franziskus übt deutliche Kritik am Synodalen Weg der Kirche in Deutschland.
Foto: IMAGO/Evandro Inetti (www.imago-images.de) | Wörtlich erklärte der Papst: "Wenn sich Ideologie in kirchliche Prozesse einmischt, geht der Heilige Geist nach Hause, weil die Ideologie den Heiligen Geist überwindet.“

Papst Franziskus übt deutliche Kritik am Synodalen Weg der Kirche in Deutschland. Der Synodale Weg sei weder „hilfreich noch seriös“, erklärte der Papst am Dienstag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP). Außerdem warnte er vor der „Gefahr, dass etwas sehr, sehr Ideologisches einsickert“.

Das am Dienstag veröffentlichte Interview  war das erste des Pontifex seit dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Franziskus äußerte sich darin zu einer Reihe von Problemen in der katholischen Kirche.

Kritik am Synodalen Weg

Als Antwort auf die Frage, wie er zum Synodalen Weg stehe, bemerkte Papst Franziskus, dass, obwohl der Dialog mit den deutschen Bischöfen gut sei, die deutsche Kirche von einer „Elite“ geleitet werde, da der Prozess nicht „das ganze Gottesvolk“ einschließen würde. Laut der AP handele es sich bei den Vorschlägen der Synodalmitglieder um „revolutionäre Reformen für die Kirche“, sofern sie durchgesetzt würden.

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Wörtlich erklärte der Papst: "Wenn sich Ideologie in kirchliche Prozesse einmischt, geht der Heilige Geist nach Hause, weil die Ideologie den Heiligen Geist überwindet.“ Er übte zudem Kritik daran, in welcher Weise sich die Bischöfe mit Repräsentanten des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) einlassen.

Hoffnungsvoll sei er aber dennoch, so Franziskus: „Wir müssen geduldig sein, dialogisieren und dieses Volk auf dem wirklichen Synodalen Weg begleiten und diesem elitäreren Weg helfen, dass er nicht irgendwie böse endet, sondern auch in die Kirche integriert wird.“ Und er empfahl: „Versuche immer, zu vereinen.“

Homosexualität sei „kein Verbrechen“

Auch zum Thema Homosexualität äußerte sich der Papst im Interview mit der "AP". Gesetze, die Homosexualität kriminalisieren, kritisierte Franziskus als „ungerecht“: „Homosexuell zu sein ist kein Verbrechen“. Er erkenne, dass einige Bischöfe solche Gesetze unterstützen, er selbst aber nannte „Sünde“ als das Problem und ergänzte: „Diese Bischöfe müssen einen Bekehrungsprozess durchlaufen.“ Er bat sie um „Zärtlichkeit, wie Gott sie für jeden von uns hat.“

Laut Franziskus solle die katholische Kirche daran arbeiten, solche Gesetze, die Homosexualität kriminalisierten, abzuschaffen. Auch den Katechismus zitierte er und bat darum, homosexuelle Menschen willkommen zu heißen und zu respektieren. Der Papst wörtlich: „Wir sind alle Kinder Gottes, und Gott liebt uns so, wie wir sind, und für die Kraft, dass jeder von uns seine Würde erkämpft.“

Auf eine Nachfrage nach seinem Gesundheitszustand antwortete der Papst: „Ich bin bei guter Gesundheit. Für mein Alter bin ich normal.“ Jedoch gab er zu, dass seine Divertikulose zurückgekommen sei und er eine kleine Knochenfraktur im Knie habe. „Ich könnte morgen sterben, aber es ist unter Kontrolle."

Franziskus lobt Papst Benedikt

Zum Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. erklärte Franziskus, er habe einen „Vater“ verloren und lobte ihn als ein „Gentleman“. Die Konflikte innerhalb der Kirche, besonders mit den konservativen Teilen, würde er nicht auf Benedikt zurückführen. Grund seien vielmehr die Verschleißerscheinungen eines zehnjährigen Papsttums. Nach der Überraschung der Wahl eines Südamerikaners „fingen sie an, meine Fehler zu sehen und mochten sie nicht“, so Papst Franziskus und ergänzte: „Das einzige, worum ich bitte, ist, dass sie es mir ins Gesicht sagen, denn so wachsen wir alle, oder?“  DT/jmo

 

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