Von den Metropolen Madrid und Barcelona an die Peripherie: Leo XIV. hat die letzte Station seiner Reise erreicht und verbringt die letzten beiden Tage seines Spanien-Besuchs auf den Kanarischen Inseln. Am Donnerstagabend stand die heilige Messe in Gran Canaria auf dem Programm. Zunächst drehte der Papst in seinem weiß-gläsernen Gefährt eine Runde in einer kleineren Sportarena, wo die Teilnehmer sich damit begnügen mussten, die Papstmesse auf einem Videoschirm zu verfolgen. Dann die Einfahrt ins große „Gran Canaria Stadium“, in dem ihn von den Rängen eine begeisterte Menge begrüßte.
Hatte Papst Leo nach seiner Ankunft auf Gran Canaria am Vormittag am Hafen von Arguineguín über die Würde des Menschen gesprochen, die auch jedem Flüchtling und Migranten zu eigen ist, und dann am Mittag vor Bischöfen und Seelsorgern die Bilder des Meeres und der Schifffahrt im Licht des Evangeliums ausgedeutet, so ging er jetzt am Vorabend des Hochfests des Heiligsten Herzens Jesu, dem ganz Spanien geweiht ist, auf die göttliche Liebe ein. Zunächst die Liebe Gottes, des Vaters, der die Israeliten nicht wegen ihrer Verdienste oder Begabungen auserwählt habe, sondern aus reiner, unentgeltlicher Liebe. In ihr habe auch die Berufung des Menschen zur Liebe ihre Wurzeln: „Sie gründet weder auf Berechnung noch auf einem bloßen Gefühl, und sie lässt sich auch nicht auf einfache Philanthropie reduzieren, sondern durchdringt unser ganzes Sein: Sie ist Feuer für die Seele, Licht für den Verstand, unwiderstehlicher Antrieb für die Freiheit, sie ist Friede und zugleich eine Qual für das Herz, das im Einklang mit anderen Herzen schlägt und den ganzen Menschen miteinbezieht.“
Nächstenliebe ist mehr als Wohlfahrt
Papst Franziskus habe in der Enzyklika „Dilexit nos“ über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi geschrieben, dass „die beste Antwort auf die Liebe seines Herzens die Liebe zu unseren Brüdern und Schwestern ist“, meinte Papst Leo weiter und nannte es einen „wunderbaren Tausch“. Liebe mit Liebe zu erwidern, „indem wir das unendliche Maß der Liebe Gottes zum täglichen, großzügigen Dienst an den Brüdern und Schwestern werden lassen, denen er uns auf unserem Weg begegnen lässt, besonders den Bedürftigsten, den Schutzlosen, denen, die nichts zurückgeben können“.
Der heilige Johannes habe geschrieben, so der Papst weiter, dass Jesus gekommen sei, „damit wir das Leben haben und es in Fülle haben“. Wenn der Sohn Gottes dem geheilten Gelähmten befohlen habe: „Steh auf, nimm deine Liege und geh!“, dann erkenne man darin die Einladung Jesu, „die Leidenden mütterlich zu umarmen, sie aber um eines freien und würdevollen Lebens willen zugleich darauf vorzubereiten und dazu zu ermutigen, aufzustehen und sich wieder auf den Weg zu machen“. Nächstenliebe dürfe nicht bloße Wohlfahrt sein, „sondern muss die Menschen einbeziehen, damit sie sich geistig, intellektuell und körperlich voll entfalten und würdig und konstruktiv in die Gesellschaft einbringen können“.
Die Podeste der Arroganz verlassen
Als weiteres Merkmal des Herzens Jesu nannte Papst Leo die Demut. Deshalb hätten die „Gelehrten“ und „Weisen“ den Herzschlag Jesu nicht gespürt, „also jene, die glauben, sich selbst zu genügen, alles zu wissen und weder Gott noch andere zu brauchen“. „Nicht selten macht Wohlstand blind, sodass wir bisweilen sogar meinen, wir könnten nur dann glücklich werden, wenn wir ohne die anderen auskommen“, zitierte der Papst nochmals „Dilexi te“. Doch Jesus lehre das Gegenteil: „Um die wahre Freude im Leben zu erfahren, die in der Liebe besteht, müssen wir von den Podesten der Arroganz, die uns voneinander trennt, herabsteigen, damit wir einander in der Demut begegnen, die uns zu Brüdern und Schwestern macht.“ Wo echte Demut sei, da sei Liebe, und wo Liebe sei, da sei Frieden, „denn nur in der Demut erkennen wir wirklich, wer wir sind, und nur so können wir einander in Wahrheit lieben, begegnen, beschenken und vergeben“.
Papst Leo bat seine Zuhörer, am Fest des Heiligsten Herzens Jesu daran zu denken, dass „wir die lebendige Gegenwart des Herrn in der Welt sind“. Nicht nur an diesem Hochfest, sondern immer solle man mit Achtung und Vertrauen aufeinander blicken und in diesem Bewusstsein die Verpflichtung erneuern, im eigenen Leben zum Wohl der Kirche in Liebe das zu ergänzen, was an den Bedrängnissen Christi noch fehle. „Lasst uns“, schloss der Papst, „entflammt von der Liebe seines Herzens zu Boten seiner Barmherzigkeit und seines Friedens werden, damit die Kriege in der Welt aufhören und um uns herum eine neue, in der Liebe versöhnte Menschheit heranwächst“.
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