Vatikanstadt

Franziskus dankt Benedikt XVI. für Worte zu bevorstehendem Tod

Es sei schön, dem Papst zu danken, „der mit 95 Jahren noch so hellsichtig ist“, so Franziskus in Bezug auf Benedikts persönlichen Brief. Zudem mahnte er, auch über den eigenen Tod nachzudenken.
Papst Franziskus - Generalaudienz
Foto: Gregorio Borgia (AP) | „Es ist schön, dem Papst zu danken, der mit 95 Jahren noch so hellsichtig ist“, so Franziskus. Es sei ein wunderbarer Rat, den Benedikt gegeben habe.

In seiner Generalaudienz hat Papst Franziskus seinem Vorgänger Benedikt XVI. am Mittwoch für dessen Worte zum bevorstehenden Tod gedankt. Der emeritierte Papst habe vor kurzem davon gesprochen, „vor dem dunklen Tor des Todes“ zu stehen. „Es ist schön, dem Papst zu danken, der mit 95 Jahren noch so hellsichtig ist“, so Franziskus. Dies sei ein wunderbarer Rat, den Benedikt gegeben habe. 

Benedikt: Werde zuversichtlich durch das dunkle Tor des Todes gehen

Franziskus bezieht sich auf den am gestrigen Dienstag veröffentlichten Brief Benedikts XVI. zum Missbrauchsgutachten der Erzdiözese München. Darin bat er die Opfer sexuellen Missbrauchs erneut um Verzeihung und verlieh seiner „tiefen Scham“ und seinem großen Schmerz „über die Vergehen und Fehler, die in meinen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind“, Ausdruck. 

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Erneut betonte er, dass bei der Erarbeitung der ersten Stellungnahme zum Münchner Missbrauchsgutachten ein bedauerliches Versehen passiert sei, als seine Teilnahme an der Ordinariatssitzung vom 15. Januar 1980 verneint worden sei. Dies sei nicht beabsichtigt gewesen und sei, so hoffe er, entschuldbar. Er stehe nun bald vor dem endgültigen Richter seines Lebens. „Auch wenn ich beim Rückblick auf mein langes Leben viel Grund zum Erschrecken und zur Angst habe, so bin ich doch frohen Mutes, weil ich fest darauf vertraue, das der Herr nicht nur der gerechte Richter ist, sondern zugleich der Freund und Bruder, der mein Ungenügen schon selbst durchlitten hat und so als Richter zugleich auch mein Anwalt (Paraklet) ist“, so der Papa Emeritus. So werde er „zuversichtlich durch das dunkle Tor des Todes hindurchgehen“.

Franziskus plädiert für eine gute Sterbestunde

Papst Franziskus äußerte sich im Rahmen einer Katechese über den heiligen Josef als Schutzpatron für eine gute Sterbestunde. Die „Wohlfühlkultur“ versuche heute, die Realität des Todes zu verdrängen, die durch die Corona-Pandemie auf dramatische Weise wieder ins Bewusstsein gerückt worden sei. „Trotzdem versuchen wir mit allen Mitteln, den Gedanken an unsere eigene Endlichkeit zu verscheuchen, und machen uns vor, dass wir die Angst vertreiben, dem Tod seine Macht nehmen können.“

Der christliche Glaube verscheuche zwar nicht die Angst vor dem Tod, so Franziskus, aber „nur durch den Glauben an die Auferstehung können wir uns dem Abgrund des Todes stellen, ohne von Angst überwältigt zu werden“. Mit Bezug auf den Ersten Korintherbrief erklärte der Heilige Vater, dass der Dreh- und Angelpunkt des christlichen Glaubens dieser Glaube an die Auferstehung ist: „Es gibt eine Gewissheit: Christus ist auferweckt, Christus ist auferstanden! Christus ist lebendig unter uns. Und das ist das Licht, das uns hinter diesem dunklen Tor des Todes erwartet.“ Alle Menschen seien auf dem Weg zu diesem dunklen Tor. Das Nachdenken über den Tod helfe daher dabei, auch das Diesseits mit anderen Augen zu sehen. DT/fha 

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