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Der Papst hat Recht: Auch die Medien brauchen Frieden

Papst Leo XIV. solidarisiert sich mit den Journalisten – und redet gleichzeitig allen Medienvertretern ins Gewissen.
Papst Leo XIV. vor Medienvertretern
Foto: IMAGO/IPA/ABACA (www.imago-images.de) | Papst Leo appellierte an die Medien, auf polarisierende Sprache und Bilder zu verzichten und stattdessen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. 

„Der Friede sei mit euch“ – die Worte des auferstandenen Christus waren nicht nur die ersten Worte, die Robert Francis Prevost nach seiner Wahl als neuer Papst Leo XIV. zigtausenden Gläubigen auf dem Petersplatz zurief, sondern sind gewissermaßen der programmatische rote Faden, der sich zumindest durch die ersten Tage seines noch jungen Pontifikats zieht. Klar ist: Die Sehnsucht nach Frieden, egal ob dieser christlich-soteriologisch oder zwischenmenschlich und -staatlich ausgedeutet wird, treibt den US-amerikanischen Pontifex sichtbar an.

Journalismus ist „Dienst an der Wahrheit“

Auch am Montag blieb sich Papst Leo XIV. während seiner ersten öffentlichen Ansprache an Medienvertreter im Vatikan diesbezüglich treu – und betonte vor den über 6.000 Journalistinnen und Journalisten die zentrale Rolle der Pressefreiheit und rief zu verantwortungsvollem Journalismus auf. 

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So forderte der Papst die Freilassung der weltweit über 360 inhaftierten Journalistinnen und Journalisten und lobte deren Mut, insbesondere in Konfliktgebieten, im „Dienst an der Wahrheit“ nicht nachzulassen und ermutigte die Medien, den Fokus auf die Anliegen marginalisierter Gruppen zu legen und so zu Gerechtigkeit und Frieden beizutragen. Gleichzeitig appellierte an die Medien, auf polarisierende Sprache und Bilder zu verzichten und stattdessen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. 

Für eine „Entwaffnung der Worte“

Denn Kommunikation, so Papst Leo XIV. an die Medienleute gerichtet, sei mehr als die Übermittlung von Informationen. Vielmehr gehe es um „die Schaffung einer Kultur und menschlicher und digitaler Umgebungen, die zu Räumen des Dialogs und des Austauschs werden“. Die Menschheit brauche keine „donnernde Kommunikation“, sagt er. „Entwaffnen wir die Worte und helfen wir, die Erde zu entwaffnen.“

Im Jakobusbrief heißt es: „Die Zunge ist ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge. (…) Mit ihr loben wir den Herrn und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. (…) Aus demselben Mund kommt Loben und Fluchen.“ (Jak 3, 5-10) Doch während das Problem, die eigene Zunge nicht genügend im Zaum halten zu können, in diesem Zusammenhang eher als zwischenmenschliches Problem oder dasjenige eines geringen Personenkreises betrachtet werden kann, können im von Künstlicher Intelligenz und der Digitalisierung aller Lebensbereiche getriebenen Zeitalter manche Ausfälle der Zunge – verstärkt durch Bilder, Memes oder Videos -  zu globalen Shitstorms mutieren und den Frieden der gesamten Welt gefährden. Insofern betreffen die Worte von Papst Leo XIV. nicht nur Journalisten, aber gerade auch sie: Wenn deine Worte oder gar deine gesamte Berichterstattung nur darauf ausgerichtet ist, Unfrieden oder Unwahrheit zu stiften, dann spare sie dir. Selbst und vor allem dann, wenn es um die berühmte vermeintlich „gute Sache“ geht.

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