Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Papst vor Journalisten

Leo XIV.: „Nein“ zum Krieg der Worte und Bilder

Plädoyer für eine „Entwaffnung“ der Worte: Bei seiner ersten Audienz ruft der neue Papst Medienvertreter zu einer Mäßigung in der Kommunikation auf und fordert die Freilassung inhaftierter Journalisten.
Papst Leo XIV. bei Audienz vor Journalisten
Foto: IMAGO/Ansa/Us Vatican Media (www.imago-images.de) | Leos Rede in der beinahe vollbesetzten Audienzhalle des Vatikans wurde immer wieder von Beifall unterbrochen. Bei den anwesenden Medienvertretern bedankte sich der 69-Jährige für die Berichterstattung aus Rom über ...

Papst Leo XIV. hat Medienschaffende zu einer am Frieden orientierten Berichterstattung aufgerufen. Bei seiner ersten Audienz vor Journalisten erklärte der neu gewählte Pontifex am Montag, Medienvertreter seien zu einer Kommunikation gerufen, „die nicht um jeden Preis nach Konsens sucht, keine aggressiven Worte verwendet, nicht der Kultur des Wettbewerbs folgt und die Suche nach der Wahrheit niemals von jener Liebe trennt, mit der wir diese Wahrheit demütig suchen müssen“.

Lesen Sie auch:

Frieden beginne „bei jedem von uns“, so Leo weiter: „in der Art, wie wir die anderen sehen, wie wir ihnen zuhören und über sie sprechen“. Die Art und Weise, wie man kommuniziere, sei daher von grundlegender Bedeutung: „Wir müssen ,Nein‘ sagen zum Krieg der Worte und Bilder, wir müssen das Paradigma des Krieges ablehnen!“

Dank für Berichterstattung aus Rom

Zudem bekräftigte der erste US-Amerikaner auf dem Papstthron die Solidarität der Kirche mit  Journalisten, „die wegen ihrer Suche nach der Wahrheit und ihrer Berichterstattung im Gefängnis“ sitzen und forderte deren Freilassung. Wer unter Einsatz des eigenen Lebens über Kriege berichte, zeige den Mut, „die Würde, Gerechtigkeit und das Recht der Menschen auf Information verteidigen, denn nur informierte Menschen können freie Entscheidungen treffen“, so Papst Leo XIV. Das Leiden inhaftierter Journalisten sei „eine Herausforderung für das Gewissen der Nationen und der internationalen Gemeinschaft und fordert uns alle auf, das kostbare Gut der Meinungs- und Pressefreiheit zu schützen“.

Leos Rede in der beinahe vollbesetzten Audienzhalle des Vatikans wurde immer wieder von Beifall unterbrochen. Bei den anwesenden Medienvertretern bedankte sich der 69-Jährige für die Berichterstattung aus Rom über die Liturgien der Karwoche, den Tod von Papst Franziskus und das Konklave in der vergangenen Woche und sprach in diesem Zusammenhang von einem „Dienst an der Wahrheit“. Es sei den Journalisten gelungen, „von der Schönheit der Liebe Christi zu erzählen, die uns vereint und zu einem Volk macht, das vom Guten Hirten geführt wird“.

Gleichzeitig mahnte der Papst, dass sich die Kirche den Herausforderungen der Zeit stellen müsse. „Kommunikation und Journalismus existieren nicht außerhalb von Zeit und Geschichte. Daran erinnert uns der heilige Augustinus, wenn er sagt: ,Lasst uns menschenwürdig leben, dann ist auch unsere Zeit gut. Wie wir sind, so ist die Zeit‘.“ Man lebe in schwer zu bewältigenden Zeiten, „die uns alle vor Herausforderungen stellen, vor denen wir uns jedoch nicht drücken dürfen“. Die Zeiten verlangten von jedem, „dass wir in unseren unterschiedlichen Rollen und Diensten niemals der Mittelmäßigkeit verfallen“.

Kommunikation ohne Ressentiments und Fanatismus

Bei den anwesenden Journalisten bedankte er sich „für das, was Sie getan haben, um Stereotypen und Klischees zu überwinden, durch die wir das christliche Leben und das Leben der Kirche selbst oft interpretieren. Danke, dass Sie das Wesentliche dessen, was wir sind, erfasst und über alle möglichen Medienkanäle der ganzen Welt vermittelt haben“.

Eine wesentliche Herausforderung der heutigen Zeit, so Leo XIV., bestehe darin, eine Kommunikation zu fördern, „die uns aus dem ,Turm zu Babel‘ herausführt, in dem wir uns manchmal befinden, aus der Verwirrung liebloser Sprachen, die oft ideologisch oder parteiisch sind“. Daher sei der Dienst der Medienschaffenden „mit den Worten, die Sie verwenden, und dem Stil, den Sie wählen, von entscheidender Bedeutung“. Kommunikation bedeute nicht nur die Übermittlung von Informationen, sondern auch die Schaffung einer Kultur, menschlicher und digitaler Umfelder, die zu Räumen des Dialogs und der Diskussion werden. Angesichts der technologischen Entwicklung werde diese Aufgabe immer wichtiger. Er denke dabei besonders an die künstliche Intelligenz mit ihrem immensen Potenzial, das jedoch Verantwortung und Unterscheidungsvermögen erfordere, so Leo, damit sie zum Wohl aller eingesetzt werden könne und der gesamten Menschheit zugutekomme.

Zum Abschluss erinnerte der Papst an die Einladung, die sein Amtsvorgänger Franziskus in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel ausgesprochen hatte: „Befreien wir die Kommunikation von allen Vorurteilen und Ressentiments, von Fanatismus und von Hass; befreien wir sie von Aggression. Wir brauchen keine laute, gewaltsame Kommunikation – wir brauchen eine Kommunikation, die zuhören kann und die Stimmen der Schwachen, die keine Stimme haben, hörbar macht. Entwaffnen wir die Worte, und wir werden dazu beitragen, die Welt zu entwaffnen. Eine entwaffnete und entwaffnende Kommunikation ermöglicht es uns, eine andere Sicht auf die Welt zu teilen und in einer Weise zu handeln, die unserer Menschenwürde entspricht.“  DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Der neue Papst: Leo XIV. Jesus Christus Karwoche Leo XIV. Papst Franziskus

Weitere Artikel

Das Heilige Jahr hielt den Papst in Rom, doch jetzt bricht er auf: Afrika und Spanien sind die ersten Ziele.
04.03.2026, 14 Uhr
Guido Horst
Ein Jahr Papst Leo: Die Spiritualität des Robert Prevost und der Beitrag der amerikanischen Kardinäle.
08.05.2026, 05 Uhr
Guido Horst
Zu Ostern noch als Pilger, ab Mitte des Heiligen Jahres dann als Dauergast in Rom. Persönliche Eindrücke aus den Monaten des großen Jubiläums, das Millionen in die Ewige Stadt zog.
24.12.2025, 18 Uhr
Yannick Schmitz

Kirche

Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
27.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Neuer Teilnehmerrekord, Durchschnittsalter bei 21 und die Abschlussmesse mit Kardinal Burke: Chartres versammelte wieder Zehntausende. Was sagt das über die junge Generation?
27.05.2026, 10 Uhr
Elisabeth Hüffer