Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Reise nach Kasachstan

Der Papst auf Glatteis

In Kasachstan wird Franziskus im September auch den Moskauer Patriarchen Kyrill treffen. Muss das jetzt sein? Ein Kommentar.
Papst Franziskus in Kanada
Foto: IMAGO/Nathan Denette (www.imago-images.de) | Schon in Kanada wurde der Papstbesuch von denen missbraucht, die eine Generalabrechnung mit der Kirche fordern. In Kasachstan ist das Parkett nochmals rutschiger.

Nach Kanada nun Kasachstan. Der Vatikan hat jetzt bestätigt, dass Franziskus vom 13. bis 15. September am VII. Kongress der Welt- und traditionellen Religionen teilnehmen wird, der seit 2003 alle drei Jahre in Nur-Sultan – früher Astana – stattfindet.

Nach den Indianern und ihren Häuptlingen in Kanada bekommt der Papst da einen ganzen „chief“ zu sehen: den orthodoxen Patriarchen Kyrill aus Moskau, der, wenn er nicht noch absagt, unweigerlich mit Franziskus am Konferenzort zusammentreffen wird.

Das Treffen produziert Missverständnisse

Auch der sechstägige Kanada-Besuch, der monothematisch ganz im Zeichen der Bitte um Vergebung für das indigenen Kindern in kirchlichen Schulen zugefügte Leid stand, hat Fragen aufgeworfen: Müsste der Papst nicht die Schuld der Kirche insgesamt anerkennen, die – so der Vorwurf – mit päpstlichen Dekreten des 15. Jahrhundert den Kolonialmächten den Vorwand lieferte, die Indigenen zu entrechten? Wann öffnet der Vatikan die Archive? Wann fließen Entschädigungsgelder?

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Diese nicht immer ganz stimmigen Fragen, die zumindest eine weitere historische Vertiefung nötig machen würden, werden im Fall des Religionstreffens in Kasachstan noch von ganz anderen Bedenken überboten werden: Wieso trifft der Papst mit einem Religionsführer zusammen, der einen Eroberungs- und Angriffskrieg rechtfertigt, ohne vorher die Opfer der brutalen Aggression, zu denen ja auch die mit Rom unierten Ukrainer gehören, aufgesucht zu haben?

Zwar ist es einfacher, mit dem Flugzeug nach Nur-Sultan zu fliegen, als die letzte Wegstrecke nach Kiew mit dem Zug oder im Auto-Konvoi zurückzulegen. Papstreisen dienten früher dazu, die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken. Wozu dient aber ein Treffen von Religionsführern in Kasachstan, wenn damit wieder Missverständnisse provoziert werden? Die Ukrainer werden es nicht fassen können, wenn sie Bilder sehen, wie Franziskus in Nur-Sultan auf Kyrill trifft. 

Schon in Kanada wurde der Papstbesuch von denen missbraucht, die eine Generalabrechnung mit der Kirche fordern. In Kasachstan ist das Parkett nochmals rutschiger. Die Frage lautet: Muss das jetzt sein? 

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Guido Horst Papstreisen

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