Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Papstreise nach Südostasien

Blumen für Singapur, Orchideen für Franziskus

Der Papst lobt den Stadtstaat für seine Wirtschaft, Politik und Inklusivität. Im „Wald der modernsten Wolkenkratzer“ präsentiert man Franziskus eine neue Orchideensorte.
Der Papst bei einer Ansprache bei seiner Südostasienreise
Foto: IMAGO/VATICAN MEDIA (www.imago-images.de) | In Singapur verliert der Papst nur wenige Worte der Kritik. Dafür geht er mit einer nach ihm benannten Orchideenzucht nach Hause.

Papst Franziskus hat mit Singapur die letzte Etappe seiner Reise durch Südostasien erreicht. Feierlich wird der Pontifex am Donnerstag von Präsident Tharman Shanmugaratnam im Parlamentsgebäude empfangen. Singapurs Menschenrechtsaktivisten erwarteten den Papst mit großen Hoffnungen und wünschten sich ein klares Wort vom Papst zur Todesstrafe, die in Singapur noch durchgeführt wird und mächtige Unterstützer hat. David Martin Datchinamurthy, der wegen Drogenvergehen zum Tode verurteilt ist, wandte sich im Vorfeld in einem Brief an den Papst. „Ich bitte um Ihre Gebete und jede Hilfe, die Sie mir anbieten können, um mein Lebenn zu retten“, so Datchinamurthy, der während seiner Haft zu Gott gefunden haben soll. Franziskus selbst hat sich bereits früher entschieden gegen die Todesstrafe geäußert.

Gefährlicher Pragmatismus

In seiner ersten Rede in Singapur lobte Franziskus aber zunächst den Stadtstaat als „Zeugnis für den menschlichen Erfindungsreichtum, die Dynamik der Gesellschaft Singapurs und den Scharfsinn des Unternehmergeistes“; sowie als „Mosaik von Ethnien, Kulturen und Religionen, die in Harmonie zusammenleben. Der „Wald modernster Wolkenkratzer“ habe es nicht nur zu wirtschaftlicher Blüte gebracht, sondern bemühe sich auch um den Aufbau einer Gesellschaft, in der soziale Gerechtigkeit und das Gemeinwohl einen hohen Stellenwert besäßen. Auch im Hinblick auf die Weltpolitik und die Bewältigung der Klimakrise leiste Singapur einen wichtigen Beitrag.

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Franziskus warnte davor, dass durch eine Überbewertung von Leistung, durch einen „gewissen Pragmatismus“ die Ausgrenzung von Menschen legitimiert werden könnte, die hinter dem Fortschritt zurückbleiben. Arme und ältere Menschen müsse man besondere Aufmerksamkeit widmen – und faire Bedingungen für die 1,5 Millionen Arbeitsmigranten schaffen, die den 5,6 Millionen-Einwohner-Staat bewohnen. Inmitten des technischen Fortschritts dürfe man auch nicht vergessen, reale und konkrete menschliche Beziehungen zu pflegen, um sich nicht in einer „fiktiven und ungreifbaren Wirklichkeit“ zu isolieren.

„Ohne Liebe sind wir nichts“

Der Papst mahnte außerdem, weiter die „Grundpfeiler, auf denen die Familie steht“ zu verteidigen, denn: „Es ist notwendig, dass die Familien in die Lage versetzt werden, jene Werte zu vermitteln, die dem Leben Sinn und Form geben, und den jungen Menschen beizubringen, solide und gesunde Beziehungen einzugehen.“ Im Zuge seines Besuches präsentierte man Franziskus mit einer neuen Orchideenzüchtung, die nun den Namen des Papstes trägt.

In seiner Predigt bei der anschließenden Stadionmesse legte Franziskus seinen Akzent auf die Liebe. Angesichts der beeindruckenden Bauwerke Singapurs erinnerte er daran, dass die Liebe jedem schöpferischen Akt zugrunde liegt. Manchmal ließen uns die Größe von Projekten vergessen, dass wir nicht allein Urheber unserer selbst, unseres Reichtums oder unseres Glücks sein könnten. „Ohne Liebe sind wir nichts“, so Franziskus. Umso mehr zeige dies auch der katholische Glaube, in dem Gott die Liebe ist, die sich uns selbst schenkt. Das schönste Gebäude, die lohnendste Investition in den Augen Gottes seien wir als geliebte Kinder desselben Vaters. Als Vorbilder und Fürsprecher verweist Franziskus besonders auf die Mutter Gottes und den heiligen Franz Xaver, der in Singapur besonders verehrt wird. Franziskus bleibt noch bis zum 13. September in Singapur. DT/sdu

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