Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Deutlichere Positionierung gefordert

Bätzing kritisiert Papst-Diplomatie in Israel und Ukraine

Franziskus spreche „nicht eindeutig genug darüber, wer der Angreifer war“ und wo die Ursachen des Leids liegen, so der DBK-Vorsitzende.
Der Limburger Bischof und DBK-Vorsitzende Georg Bätzing
Foto: IMAGO/RAINER UNKEL (www.imago-images.de) | Er wisse, dass „die vatikanische Diplomatie in ihrer Vermittlerrolle möglichst alle Gesprächskanäle offenhalten will“, so Bätzing. Es brauche jedoch „klare Aussagen“, um den Opfern beizustehen.

Laut dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Limburger Bischof Georg Bätzing, ist die Rolle von Papst Franziskus in den diplomatischen Auseinandersetzungen um die Kriege in Nahost und der Ukraine kritikwürdig. Das formulierte er in einem am Freitag online veröffentlichten Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Der Papst müsse sich deutlicher positionieren und diplomatische Zurückhaltung vermeiden – mit besonderer Rücksicht auf die Opfer.

„Klare Aussagen“ helfen den Opfern

Für ihn gebe es Situationen, so Bischof Bätzing, in denen diplomatische Zurückhaltung angebracht sei. Doch beim Blick auf den anhaltenden Krieg in der Ukraine, sowie dem israelischen Krieg gegen die Terrororganisation Hamas, halte er Kritik am Papst für solches Vorgehen für berechtigt: „Er spricht nicht eindeutig genug darüber, wer der Angreifer war und wo die Ursachen dieses entsetzlichen Leids liegen“, erklärte Bätzing. Er wisse, dass „die vatikanische Diplomatie in ihrer Vermittlerrolle möglichst alle Gesprächskanäle offenhalten will.“ Es brauche jedoch „klare Aussagen“, um den Opfern beizustehen und ihnen zu versichern, dass „sie den Kampf nicht aufgeben gegen das Unrecht, das ihnen widerfährt“, so der DBK-Vorsitzende.

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Religionen könnten im Allgemeinen sowohl Beiträge zum Frieden leisten oder alternativ auch Konflikte befeuern, räumte Bätzing ein: „Beides kann sein. Diese Ambivalenz ist da.“ Beispielsweise sei der Patriarch von Moskau, Kyrill I., ein „Kriegstreiber“. Denn wie dieser „den Angriffskrieg gegen die Ukraine mit einer theologisch aufgeladenen Ideologie unterlegt“, habe dies „gotteslästerliche Züge.“

Gegenteilig könnten Hürden überwunden werden, wenn Judentum, Christentum und Islam gemeinsam ihre besten Kräfte einsetzten. Gemeinsam seien die Gläubigen, „das bekennen all diese Religionen, Geschöpfe des einen Gottes“, so der Limburger Bischof. Er persönlich sei Papst Franziskus deshalb „immer dankbar, dass er sich in seinen Schreiben an alle Menschen guten Willens wendet, also bewusst die Menschen aller Glaubensrichtungen anspricht.“

Offener Antisemitismus ist zutage getreten

In demselben Interview rief Bätzing auch zu einem entschiedeneren Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus auf: „Ich glaube, wir müssen uns ehrlich eingestehen: Es reicht nicht, nur, wie in den vergangenen Jahren, Antisemitismus zu verurteilen. Wir müssen auch etwas dagegen tun.“

Dafür brauche es gute Bildungsinitiativen, um über dieses Thema aufzuklären. Dabei müsse auch ein Fokus auf die Entstehungsgeschichte Israels sowie auf die Situation des „Miteinanders der Völker“ geworfen werden.

Erschreckend sei für Bätzing besonders auch die hohe Anzahl von antisemitischen Übergriffen gewesen, die sich seit dem Überfall der Hamas auf Israel ereignet haben: „Es gab keine Massenbewegung an Solidarität mit Israel, stattdessen ist offener Antisemitismus zutage getreten. Nicht nur in Teilen der muslimischen Gemeinschaft, auch in anderen Teilen der deutschen Gesellschaft“, äußerte der DBK-Vorsitzende. Allerdings bereite ihm auch eine wachsende Muslimfeindlichkeit Sorge. DT/jmo

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