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Vor Gesprächen der Bischöfe in Rom: Offene Kommunikation wäre schön

Es zeigt sich, wie rund um den Synodalen Ausschuss gerade eine Mauer des Schweigens und der Verunsicherung entsteht. 
Gründungsversammlung des Synodalen Ausschuss
Foto: Synodaler Weg/Ewelina Sowa | Schon die Gründungsversammlung des Synodalen Ausschuss in Essen stand auf rechtlich wackeligen Füßen.

Im Grunde kann es keinen Zweifel geben, dass es unmöglich ist, einen Synodalen Rat in Deutschland einzurichten. In Gesetzen heißt es oft, „auch der Versuch ist strafbar“. So kann man wohl auch den allzu deutlichen Brief aus Rom vor der jüngsten Vollversammlung der deutschen Bischöfe werten. Klare Ansage aus dem Vatikan: Die Satzung und die Geschäftsordnung für den Synodalen Ausschuss, dessen dezidierte Aufgabe die Errichtung eines Synodalen Rates sein soll, sollte bitte nicht beschlossen werden. Zu allem Überfluss stand die gesamte Angelegenheit auch rechtlich auf tönernen Füßen.

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Der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) darf nicht Träger sein. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) kann nicht Träger sein, ihr fehlt die Rechtsfähigkeit im weltlichen Kontext. Der beabsichtigte Trägerverein ist bislang noch nicht gegründet, folglich schwebt der zwar konstituierte Synodale Ausschuss dennoch in einem rechtlichen und wirtschaftlichen Vakuum. Die lockere Zusammenkunft von 23 Bischöfen und 47 weiteren Mitgliedern in Essen war bestenfalls so etwas wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. 

Römisches Veto

Trotz aller Hindernisse, von denen das römische Veto wohl am Schwerwiegendsten sein dürfte, ist nach wie vor geplant, am 14. und 15. Juni in Mainz zu tagen. Da stellt sich die Frage: Wollen sich bis dato beteiligte Bischöfe wirklich auf eine solche Zusammenkunft im rechtlichen Vakuum einlassen oder lieber nicht? Eine Anfrage bei allen 23 Diözesen, deren Bischöfe am Synodalen Ausschuss teilnehmen wollten, ergab eine eindeutig uneindeutige Antwort. Zahlreiche Bistümer antworteten wortgleich, es würden noch in diesem Monat, genauer gesagt am morgigen Freitag, einige Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz erneut zu Gesprächen mit Vertretern der Kurie nach Rom reisen. Dies sei der Auftakt einer Reihe von bereits geplanten Treffen. Man bat um Verständnis, dass man sich erst nach Abschluss der Gespräche äußern werde. Manche Pressestellen ignorierten die Anfrage auch einfach.

Damit ist klar, dass tatsächlich nichts klar ist und die deutschen Bischöfe sich in einer recht unguten Art und Weise haben gleichschalten lassen - oder sich selber gleichgeschaltet haben. Eine offene Kommunikation auf Augenhöhe sieht jedenfalls anders aus. Bischöfliche Verantwortung sollte durchaus die Einheit im Blick haben, da ist ein Gleichklang sogar wünschenswert. Hier geht es jedoch wirklich um einen Drahtseilakt, der zu nahe an einer hauchdünnen Wand hin zum Schisma entlang führt.

Ein Drahtseilakt

Sollte wirklich zeitnah der bischöfliche Trägerverein für den Synodalen Ausschuss gegründet werden, hätte man bei der Vollversammlung in Augsburg auch gleich die Satzung verabschieden können. Das eine wie das andere dürfte nämlich von Rom als schismatischer Akt gewertet werden. 

Da kaum zu erwarten ist, dass Rom seine bisher konsequent durchgezogene Haltung gegen einen Synodalen Rat ändern wird, macht es doch sehr nachdenklich, wenn nicht mal endlich ein paar deutsche Bischöfe nachdenklich werden und das auch zur Ermutigung ihrer Mitbrüder offen aussprechen.

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Peter Winnemöller Bischöfe Deutsche Bischofskonferenz Schisma Synodaler Ausschuss Synodaler Rat

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