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Bischöfe in Deutschland entmachtet

Römische Bedenken gegen den deutschen Weg haben sich bereits mit dem Synodalen Ausschuss in vollem Umfang bestätigt.
Entmachtete Bischöfe
Foto: Synodaler Weg/Ewelina Sowa | Deutsche Bischöfe stimmen ihrer Entmachtung zu. Im Bild: Wolfgang Ipolt, Herwig Gössl und Georg Bätzing.

Niemand hat das Recht, weder auf nationaler, noch auf diözesaner oder pfarrlicher Ebene, einen Synodalen Rat zu errichten. Das war die klare und unmissverständliche Ansage aus Rom. Die Begründung war einsichtig und logisch, denn es stand eine unzulässige Einschränkung der Bischöfe Autorität zu befürchten. Damit hätten die deutschen Pläne zur Gründung des Synodalen Ausschuss dem Grunde nach schon erledigt sein müssen. Aber die deutsche Kirche wäre nicht die deutsche Kirche, fände sie nicht ein selbstgebautes Schlupfloch. 

Parken auf dem Mond verboten

Dieses Schlupfloch wurde so umschrieben, dass ja gar nicht geplant sei zu errichten, was Rom verboten habe. Rom habe Parken auf dem Mond verboten, so lässt sich die Reaktion aus Deutschland umschreiben. Die schallende Ohrfeige, Mitarbeiter der römischen Kurie als geistig beschränkt dazustellen, war dabei nur die Spitze der Frechheit deutscher Kirchenfunktionäre.

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Am Freitag und Samstag der vergangenen Woche ging es also weiter und es wurde der Synodale Ausschuss ohne Rücksicht auf Rom errichtet. Es ist sprechend, dass man zuerst die erste Runde der Weltsynode in Rom abgewartet hat. Man konnte so immer noch die Einheit herbeireden. Nun ist der Ausschuss gegründet und alle römischen Befürchtungen haben sich bestätigt. Der deutsche Episkopat hat nichts mehr zu melden.

Synodaler Grüßaugust

Der entscheidende Satz in der Pressemeldung lautet, dass Beschlüsse des Synodalen Ausschusses satzungsgemäß mit Zwei/Drittel-Mehrheit aller anwesenden Mitglieder des Synodalen Ausschusses gefasst werden. Ein wenig Grundschulrechnen reicht aus, um erkennen zu können, dass bei maximal 20 teilnehmenden Bischöfe diese ohne Probleme auch dann überstimmt werden können, wenn alle Bischöfe einem Beschluss nicht zustimmen.

Faktisch ist der deutsche Episkopat damit zu einem synodalen Grüßaugust degradiert. Es ist den vier nicht teilnehmenden Bischöfe zu verdanken, dass dies Faktum nun so ungeschönt und für alle sichtbar in der Welt ist. Dem Vatikan bleibt eigentlich nur ein erneuter Versuch, jedem Katholiken in Deutschland die Mitwirkung in diesem unsinnigen Gremium schlicht und ergreifend zu untersagen.

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe einen Bericht über den Synodalen Ausschuss.

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Peter Winnemöller Bischof Katholikinnen und Katholiken Kurie Synodaler Ausschuss Synodaler Rat

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