Trier

Trierer Moraltheologe: Synodaler Weg steht für „kompletten Umbruch“

Er habe Zweifel, ob die Schwerpunkte des Synodalen Weg die Reformimpulse geben können, die es in der gegenwärtigen Krise brauche, so Johannes Brantl, Rektor der Theologischen Fakultät Trier.
3. Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner/Synodaler Weg | Die dominierende Mehrheit trete nicht für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre, sondern „für einen kompletten Umbruch“ ein, beklagt Brantl.

Der Trierer Moraltheologe Johannes Brantl hat ein ernüchtertes Fazit zur dritten Vollversammlung des Synodalen Wegs gezogen. Während sich die Mehrheit der Teilnehmenden zufrieden mit den Ergebnissen der letzten beiden Vollversammlungen zeige, könne er bei sich selbst eine solche Zufriedenheit oder gar Euphorie nicht feststellen, so der Rektor der Theologischen Fakultät Trier, wie einer Mitteilung auf der Website des Bistums zu entnehmen ist.

Reform vor allem als Änderung der Morallehre

Brantl, der im thematischen Forum ‚Leben in gelingenden Beziehungen. Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft‘ beratend mitarbeitet, frage sich immer mehr, ob „die Themen und Schwerpunkte, die der Synodale Weg setzt, wirklich die Reformimpulse geben können, die wir in der gegenwärtigen tiefen Krise unserer Kirche brauchen“. Reform werde hier vor allem als Änderung der kirchlichen Machtstrukturen und der Morallehre angesehen.

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Brantl beklagt jedoch, dass der „spirituelle Aspekt der Erneuerung und Umkehr in unserer Kirche, nämlich dass sich jede und jeder zunächst und vor allem erst einmal selber von Jesus Christus formen lassen muss, damit sich die Dinge zum Guten hin wenden“, auf dem Synodalen Weg viel zu kurz komme.

Der 53-Jährige habe innerhalb seines Forums erlebt, dass viel zu schnell die Offenheit der Beratung und die Möglichkeit, wirklich über grundlegende Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen, abgebrochen worden sei. Einen offenen und ehrlichen Dialog, „in dem aus einer gemeinsamen Verpflichtung gegenüber der Wahrheit des christlichen Glaubens miteinander ein Verstehen für unterschiedliche Auffassungen gesucht und gefördert“ werde, stelle er sich anders vor. Die dominierende Mehrheit trete nicht für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre, sondern „für einen kompletten Umbruch“ ein.  DT/mlu

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