Synodaler Weg

Die deutsche Reformation 2.0

Die Synodalversammlung stellt die Weichen für einen deutschen Sonderweg, dessen Reformjoker die Zeichen der Zeit sind. Ein Kommentar.
3. Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner/Synodaler Weg | Zweifellos gibt es eine Pressuregroup innerhalb der Konferenz, die eine andere Kirche will und die Protestantisierung des deutschen Katholizismus mit allen Mitteln betreibt.

Christliche Mehrheiten können irren. Schon die Benediktsregel weist auf die Gefahr hin, dass die Mönche einmütig einen Abt wählen, der mit ihrem sündigen Treiben einverstanden ist. Bei der dritten Frankfurter Synodalversammlung lag die Mehrheit daneben: Sie will den Bruch mit der Lehre und den Kotau vor der Welt. Allen Beteuerungen zum Trotz, man wolle keinen deutschen Sonderweg, sprechen die Pläne, ein Indult in Rom für den Frauendiakonat nördlich der Alpen zu beantragen, für das genaue Gegenteil. Durchgesetzt hat sich eine Akzeptanztheologie, die der säkularen Gesellschaft keine Angriffsfläche mehr bieten will. Mit dem Salz der Erde, das im Evangelium beschrieben wird, hat das nichts mehr zu tun. Luther wäre schockiert gewesen über die Relativierung der Schrift.

Luther wäre schockiert gewesen

Denn die Mehrheit favorisiert einen neuen Offenbarungsbegriff, der mit der Schöpfungsordnung bricht und Platz bietet für die Götzen der Gegenwart: von Gender und Gleichstellungspolitik über die Los-von-Rom-Theologie bis zur LGBTQ-Bewegung. Unklar bleibt, welchen theologischen Ort die Tradition im neuen Heilsplan noch haben soll, dessen Erkennungsmerkmale die Karikatur der Sakramente und die fehlende Hoffnung auf Erlösung sind. In persona Christi zu handeln soll mit der Taufe jedem Menschen offenstehen. Doch sowenig die Taufe Mann und Frau sozialen Geschlechtern gleichstellt, ist die persönliche Befindlichkeit eines Getauften mit dem Charisma einer Berufung zu verwechseln.

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Auch wenn die Beschlüsse nur eine Aussage über den Status quo der Kirche in Deutschland sind und keinerlei Rechtsverbindlichkeit haben, braucht es eine Ursachenanalyse. Was treibt zwei Drittel der deutschen Bischöfe dazu, einem Weg zuzustimmen, der im In- und Ausland die Angst vor einem deutschen Schisma schürt?

Auch der Faktor Lethargie fällt ins Gewicht

Zweifellos gibt es eine Pressuregroup innerhalb der Konferenz, die eine andere Kirche will und die Protestantisierung des deutschen Katholizismus mit allen Mitteln betreibt. Doch neben den progressiven Überzeugungstätern und der Minderheit, die couragiert für die überlieferte Lehre und Tradition der Kirche eintrat, fiel vor allem der Faktor Lethargie ins Gewicht. Unter dem Eindruck der Initiative „Out in Church“ sowie der Schockwelle nach dem Münchner Gutachten tauchten etliche Hirten ab. Von 69 deutschen Bischöfen stimmten 59 in Frankfurt ab, etliche beteiligten sich gar nicht an den Debatten. Bei allen separaten Bischofsvoten gab es zudem Enthaltungen, paradoxerweise sogar in der Abstimmung, die sich auf die künftige Bestellung von Bischöfen bezog. Dass keine bischöfliche Sperrminorität zustande kam, ist nicht mit der Abwesenheit des Kölner Kardinals und seines Weihbischofs Schwaderlapp zu erklären. Zwei Stimmen hätten am Ergebnis nichts geändert. Ein Teil der Bischöfe wirkte abwesend und ließ das gruppendynamische Kräftemessen der Synodalen stumm an sich abperlen.

Ein Beispiel? Bei einem für die Neuevangelisierung erstrangigen Thema wie dem Handlungstext zur Grundordnung des kirchlichen Dienstes – hier ging es immerhin um die Rolle der Religionslehrer an den deutschen Schulen – wartete das Plenum vergeblich auf eine Wortmeldung des Schulbischofs. Die Gegensätze prallten in der Synodalversammlung so unvermittelt aufeinander, dass erkennbare Katholizität ein hohes Leidensrisiko bedeutete. Nur eine Minderheit ging es ein.

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