Tromsø

Nordische Bischöfe äußern Skepsis am Synodalen Weg

Offener Brief an deutsche Amtsbrüder: Die nordischen Bischöfe warnen davor, sich im Zuge der Reformbestrebungen zu sehr am Zeitgeist zu orientieren.
Der dänische Bischof Czeslaw Kozon
Foto: Olafur Steinar Gestsson via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | In einer Zeit, in der sich Europa „durch tiefe Fissuren“ zu spalten drohe, heben die nordischen Bischöfe hervor: „Wir haben ein höheres Kriterium der Einheit nötig. Christus allein ist unsere Hoffnung!“

Die nordischen Bischöfe haben Zweifel am Reformkurs des Synodalen Wegs geäußert. In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), den Limburger Bischof Georg Bätzing, heißt es, man mache sich Sorgen „um die Richtung, die Methodik und den Inhalt des synodalen Weges der Kirche in Deutschland“.

Katholische Lehre verteidigen, erklären und glaubwürdig praktizieren

Weltweit würden sich viele Gläubige Gedanken zur Lebensform der Priester und deren Ausbildung, zur Stellung der Frau in der Kirche und zur Breite der Auffassungen von Sexualität machen, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben, das von den katholischen Bischöfen der fünf nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden unterzeichnet ist. In der legitimen Suche nach Antworten müsse man jedoch „vor jenen Themen halt machen, die unveränderliche Teile der Lehre der Kirche beinhalten“.

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Die nordischen Bischöfe, die zurzeit ebenfalls zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zusammentreffen, warnen davor, sich im Zuge der Reformbestrebungen allzu sehr am Zeitgeist zu orientieren. „Wahre Reformen“ der Kirche hätten seit je darin bestanden, die katholische Lehre „zu verteidigen, zu erklären und in glaubwürdige Praxis umzusetzen“ - nicht darin, dem Zeitgeist nachzugehen. „Wie flüchtig der Zeitgeist ist, bestätigt sich täglich“, schreiben die Bischöfe.

Die Kirche nicht zum Projekt machen

Die Bischöfe verweisen auch auf den von Papst Franziskus begonnenen weltweiten Synodalen Prozess. Dieser habe große Erwartungen erzeugt. Gleichzeitig bestehe das Risiko, „dass wir durch Prozessdenken und strukturellen Umbau die Kirche zu einem Projekt machen, zum Objekt unseres Handelns“. Der synodale Weltprozess fordere stattdessen „eine radikale Bekehrung“, schreiben sie. „Zuerst müssen wir die Verheißungen Jesu neu entdecken und vermitteln als Quelle der Freude, der Freiheit und des Gedeihens.“

Download: Offener Brief der Nordischen Bischofskonferenz an den DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing

Der synodale Prozess setze das Bild der Kirche als pilgerndes Volk Gottes voraus, heißt es weiter in dem offenen Brief, der auch vom Vorsitzenden der Nordischen Bischofskonferenz, dem Kopenhagener Bischof Czeslaw Kozon, unterzeichnet ist. Dies sei jedoch nur eines der Bilder, mit denen die Tradition das Wesen der Kirche beschreibe. „Soll unser synodales Unterscheiden Frucht tragen, muss es von diesen anderen Dimensionen bereichert und orientiert werden.“ Es sei „unentbehrlich“, auch „das sakramentale Mysterium der Kirche“ ins Zentrum zu rücken.

Verarmung des Glaubensinhalts führt nicht zu neuer kirchlicher Vitalität

Den nordischen Bischöfen zufolge seien sich „die Katholiken, die das Leben unserer Pfarreien und Gemeinschaften gestalten und tragen, dieses sakramentalen Mysteriums intuitiv bewusst“. Jedoch würden sie nicht immer dazu neigen, Fragebögen auszufüllen oder an Debattenrunden teilzunehmen. Daher der Appell: „Vergessen wir nicht, im Rahmen des synodalen Prozesses, auch auf deren Zeugnis aufmerksam zu hören.“

In einer Zeit, in der sich Europa „durch tiefe Fissuren“ zu spalten drohe, heben die nordischen Bischöfe hervor: „Wir haben ein höheres Kriterium der Einheit nötig. Christus allein ist unsere Hoffnung!“ Eine „Verarmung des Glaubensinhaltes“ werde dabei kaum zu „einer neuen Fülle kirchlicher Vitalität“ führen.  DT/mlu

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