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Kasper unterstützt Voderholzers Alternativtext zum Synodalen Weg

Viel Richtiges, aber auch viel Hypothetisches enthalte der offizielle Text zum Synodalforum "Macht und Gewaltenteilung", meint Kardinal Kasper. Am Ende bleibe die Frage, "ob das alles noch ganz katholisch ist“.
Kurienkardinal Walter Kasper
| Kardinal Kasper hofft, „dass beide Seiten die Größe haben, aufeinander zuzugehen“.  Für einen wirklichen Aufbruch brauche es „nach synodaler Tradition am Ende eine einmütige Antwort, die nicht spaltet, sondern ...

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper teilt die kritische Sichtweise des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer auf den innerkirchlichen Reformdialog des Synodalen Wegs. In einem bereits am vergangenen Freitag in Augsburg gehaltenen Vortrag über die Krise der Kirche und die notwendigen Reformen stellte sich Kasper ausdrücklich hinter den auf der von Voderholzer initiierten Website synodale-beitraege.de veröffentlichten Alternativtext „Vollmacht und Verantwortung“ zum Synodal-Forum I, das sich mit dem Thema „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“ befasst. 

Alternativtext schlägt wirkungsvolle und realisierbare Reformschritte vor

In dem Vortrag, zu dem die Pressestelle des Bistums Regensburg am Mittwoch das Manuskript publizierte, erklärte Kardinal Kasper, dass der Alternativtext die bestehenden Probleme klar analysiere, im Sinne des II. Vatikanischen Konzils argumentiere und wirkungsvolle und realisierbare Reformschritte vorschlage. Der Text verstehe die Tradition als Einladung, sich von neuen Einsichten überraschen zu lassen. Er sei Ergebnis einer vermittelnden Theologie. Dabei könne er zeigen: „Man muss gar nicht alles auf den Kopf stellen. Auf dem Boden des Konzils kann man im Geist des Konzils über das Konzil hinausgehen ohne mit der Kirchenlehre in Konflikt zu geraten.“

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Aus Regensburg heißt es, Kasper weise damit Versuche mancher Kritiker des Alternativtextes zurück, den Vorschlag in eine reaktionäre Ecke abzuschieben. 

Den offiziellen Textvorschlag, der im Synodal-Forum I als ausschließliche Option zugelassen werden soll, sieht der langjährige Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen hingegen als Versuch, „die Kirche mit Hilfe eines gelehrten theologischen Theoriegebäudes gewissermaßen neu zu erfinden“. Im offiziellen Textvorschlag, so Kasper, „steht viel Richtiges, aber auch viel Hypothetisches“. Am Ende aber würden sich viele fragen, „ob das alles noch ganz katholisch ist“.

Aufbruch geht nicht mit Spaltung

Kardinal Kasper brachte zudem die Hoffnung zum Ausdruck, „dass beide Seiten die Größe haben, aufeinander zuzugehen“.  Für einen wirklichen Aufbruch brauche es „nach synodaler Tradition am Ende eine einmütige Antwort, die nicht spaltet, sondern zusammenführt“.

Verfasst wurde der Alternativtext von vier Mitgliedern des Synodalforums, darunter der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken. Wie die Regensburger Bistumspressestelle mitteilte, sieht Picken in den Aussagen Kardinal Kaspers die Auffassung bestätigt, „dass der offizielle Forumstext zu Teilen auf unhaltbaren theologischen Hypothesen beruhe und deshalb weltkirchlich scheitern dürfte“. Empörung und Frustration seien damit vorprogrammiert. Das zu provozieren sei unverantwortlich und gefährde die notwendigen Reformen.

Weiter zitiert das Bistum Regensburg Picken: „Kardinal Kasper hebt hervor, wie wichtig auf dem synodalen Weg das Ringen um Lösungen ist, die alle mittragen können. Er unterstützt damit unsere Forderung nach einer offenen und kontroversen Debatte.“ Der Bonner Stadtdechant beklagt zudem, dass die Verantwortlichen auf dem Synodalen Weg gerade diese Forderung ablehnten.

Alternativtext soll nicht diskutiert werden

Picken weiter: „Zu unserem Entsetzen wiesen die Vorsitzenden des Synodalforums die Bitte eines Mitglieds zurück, im Forum über den Alternativtext zu sprechen. Sie blockieren damit den offenen Dialog und schließen ganze Gruppen aus.“ Er sehe darin „ein Armutszeugnis gerade in einem Forum, das sich Macht, Gewaltenteilung und Mitsprache zum Thema setzt“. Picken beklagt: „Wir müssen wiederholt erfahren, das vorsortiert, ausgegrenzt und totgeschwiegen wird.“ Dies widerspreche offen und direkt dem Sinn von Synodalität und allem, was Papst Franziskus der kommenden Weltsynode voranstelle. 

Den Alternativtext zum Synodalforum I hatte Bischof Voderholzer Anfang September veröffentlicht und auch ausdrücklich als Alternativvorschlag zum offiziellen Grundlagentext des Forums gekennzeichnet. Einen Antrag, den Text im Synodalforum zu besprechen, lehnten die Vorsitzenden, Claudia Lücking-Michel und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck, ab.  DT/mlu

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