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Ein Schrein aus Licht

Die Diözese Regensburg feiert das 750-jährige Jubiläum ihres gotischen Doms.
Dom in Regensburg, Regensburger Dom Dom in Regensburg, Regensburger Dom (License=RF) Copyright: xZoonar.com/PeterxHimmel
Foto: IMAGO | Die Hauptfassade des Regensburger Doms veranschaulicht zentrale Geheimnisse der Heilsgeschichte und gehört zu den bedeutendsten Beispielen der Gotik in Bayern.

An einem gewöhnlichen Tag, während Petrus seiner Arbeit als Fischer nachgeht, geschah seine Berufung. Papst Benedikt XVI. hat sie in einer Generalaudienz im Mai 2006 geschildert: „Jesus befindet sich am See Gennesaret, und um ihn drängt sich die Menge, weil sie ihn hören will. Die Zahl der Zuhörer bereitet einige Schwierigkeiten. Der Meister sieht zwei Boote, die am Ufer liegen; die Fischer sind ausgestiegen und waschen die Netze.

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Da fragt er, ob er in das Boot, das Boot des Simon, einsteigen dürfe, und bittet ihn, vom Land wegzufahren. Er nimmt auf jenem improvisierten Lehrstuhl Platz und beginnt, das Volk vom Boot aus zu lehren (vgl. Lk 5, 1–3). Und auf diese Weise wird das Boot des Petrus zum Lehrstuhl Jesu, zur ‚Kathedra‘.“ Im Anschluss an den reichen Fischfang berichtet der Papst die eigentliche Berufung des Petrus, die in der Einladung Jesu liegt:

„‚Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen (5, 10)‘. Petrus konnte sich nicht vorstellen, dass er eines Tages nach Rom kommen und hier ‚Menschenfischer‘ für den Herrn sein würde. Er nimmt die überraschende Berufung an, sich in dieses Abenteuer hineinziehen zu lassen.“

Darstellungen des „Schiffleins Petri“

Im Dom St. Peter in Regensburg, dessen Baubeginn vor genau 750 Jahren erfolgte, finden sich an markanten Orten Darstellungen des „Schiffleins Petri“ mit dem Apostel und Kirchenpatron auf „jenem improvisierten Lehrstuhl“.

Kunsthistoriker weisen darauf hin, dass diese Steinreliefs das Wappen des Domkapitels bezeichnen und damit den eigentlichen Bauherrn der Kathedrale. Allerdings hat das Domkapitel nicht die Kathedra inne, sondern der Bischof, dessen Lehrstuhl in Regensburg zentral im Hauptchor vor dem Silberaltar steht.

Die Bischöfe sind Nachfolger der Apostel

Zusammen mit den zahlreichen mittelalterlichen Petrus-Skulpturen im Dom, die teils die päpstliche Tiara tragen, ergibt sich damit eine Grundaussage dieser Kathedrale als Ausdruck des Glaubenssatzes „Ich glaube an die apostolische Kirche“: Fundament der Kirche sind die Apostel und ihre persönliche Jesusbeziehung.

Die Bischöfe übernehmen die Zeugenschaft der Apostel. Sie üben ihr Amt in Einheit mit dem Papst, dem Nachfolger des Apostels Petrus auf der Kathedra des Bischofs von Rom, aus. Noch heute ist es Petrus als Papst, der die durch die Westfassade Eintretenden in sein „Schifflein“ einlädt. Im Hauptchor war eine freistehende lebensgroße Skulptur aufgestellt: der lehrende Petrus auf der Kathedra, heute im Stadtmuseum zu sehen.

Mehr als eine Wallfahrtskirche

Die Kathedralkirche von Köln verdankt ihre Größe und Bedeutung der Wallfahrt zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige, deren Reliquiar sie darstellt. Demgegenüber ist der Regensburger Dom vorwiegend „Kirche der Kathedra“: zentraler Ort der Feier der Eucharistie, der Taufe, der Firmung, des Weihesakramentes in seinen Stufen Diakon, Priester, Bischof durch den Ortsbischof sowie seiner Verkündigung.

Dem Dom eingeschrieben ist die Grundform des Kreuzes. Der gesamte Bau steht auf einer dreieinhalb Meter hohen Plattform. Von Westen her betritt man den Dom durch das Hauptportal, über dem sich die Zweiturmfassade erhebt. Wie bei einer frühchristlichen Basilika ist der Blick sofort ganz auf den Chor im Osten ausgerichtet. Das Langhaus hat ein hohes Mittelschiff und zwei niedrigere Seitenschiffe. Im Schnittpunkt von Langhaus und Querhaus ist die sogenannte Vierung, in die heute der Zelebrationsaltar hereinragt. Im ursprünglichen Bauplan war über der Vierung ein Turm geplant, der die Mitte des Domes betonen sollte. Er wurde nie ausgeführt.

Eine Kathedrale nach französischem Vorbild

Im 12. Jahrhundert begann der Siegeszug der gotischen Baukunst in Frankreich. Durch die Erfindung der äußeren Strebepfeiler war es möglich, in die Höhe zu bauen. Bei einem Stadtbrand war in Regensburg 1273 auch die romanische Basilika zerstört worden. Sie stammte aus dem 10. Jahrhundert, war ebenfalls dreischiffig und folgte auf eine erste Peterskirche aus dem 8. Jahrhundert. Nach dem Brand begannen die Planungen für einen Neubau im damals modernen gotischen Stil.

Auch wenn der Regensburger Dom neben dem Kölner Dom in Deutschland dem Ideal einer französischen Kathedrale der Hochgotik am nächsten kommt, so hat die Forschung doch „Einsparungen“ am klassischen Vorbild erkannt: Es gibt keine Kapellen um den Chor, keinen Chorumgang und die Länge des Querhauses geht nicht über die Breite des Langhauses hinaus. Kontinuierlich wurde der Bau vorangetrieben, bis 1520, zur Zeit der Reformation, die Arbeiten gänzlich eingestellt wurden. Langhaus, Querhaus und Chor waren fertig. An der Westfassade allerdings waren die Türme nur bis auf fünfzig Meter Höhe gekommen.

Zwischen Barock und Säkularisation

In der Barockzeit wurde der Innenraum stark verändert. Man trennte den Chorraum durch ein schmiedeeisernes Gitter ab. Eine Tribüne für Musikanten und Sänger wurde an die Vierung gebaut, die ihrerseits eine Kuppel mit Fresken und Stuckaturen erhielt.

Auch wenn Regensburg freie Reichsstadt war, gehörte der Dom zum Hochstift, dem weltlichen Fürstentum des Bischofs. Während der Kölner Dom nach der Säkularisation von der französischen Besatzungsarmee als Lagerhaus genutzt wurde, hatte Regensburg ein günstigeres Schicksal.

Die Kathedrale wurde Sitz des neuen Primas Germaniae, Carl Theodor von Dahlberg, dem Regensburg als geistliches Fürstentum zugesprochen wurde. Dahlbergs weltliche Herrschaft endete bereits 1810, als Regensburg an das Königreich Bayern fiel. Dahlberg starb 1817.

Der Dom, ein Glücksfall

Für den Dom war die Herrschaft der Wittelsbacher ein Glücksfall. König Ludwig I. von Bayern war von romantischer Begeisterung für das Mittelalter erfüllt und hatte nun eine hochgotische Kathedrale in seinem Herrschaftsgebiet. Drei Jahre nach seiner Thronbesteigung stiftete der König 1828 neue Glasfenster für die Westseite mit den Namenspatronen seiner Kinder.

Zudem ließ der König 1835 alle barocken Einbauten entfernen, um die gotische Urgestalt zurückzugewinnen. Auch die Vierungskuppel wurde zerstört und durch ein Kreuzrippengewölbe ersetzt. Da der Architekt Ludwig von Gärtner die Fundamente nicht für tragfähig hielt, verzichtete der König schweren Herzens auf die Vollendung der Domtürme.

Erst die Initiative von Domkapitel und Bischof Ignatius von Senestrey setzte auf der Basis eines neuen positiven Gutachtens mit der Gründung des Dombauvereins 1858 den Weiterbau in Gang. Am Hochfest Peter und Paul 1869 wurden die beiden fünf Meter hohen Kreuzblumen auf die nun 105 Meter hohen Turmhelme gesetzt. König Ludwig I., der 1848 abgedankt hatte, war im Jahr zuvor in Nizza verstorben.

Sechs Jahrhunderte Baugeschichte

Vor der Südfassade des Doms erinnert heute ein repräsentatives Reiterstandbild (1902) an den bedeutendsten Mäzen der Kathedrale. Mit der Fertigstellung des Giebels der Südfassade endete 1872 die sechshundertjährige Bauzeit des Domes. Auf der Südseite sieht man eine, heute kontextualisierte, antijüdische Spottskulptur („Judensau“), die in die Richtung des ehemaligen Judenviertels ausgerichtet sein soll.

Aus der Nähe uneinsehbar ist die Nordseite des Doms, da der stehengebliebene Turm („Eselsturm“) der romanischen Basilika die Sicht verstellt. Verheerende Folgen für den Dom hatte bald die Luftverschmutzung: 1915 mussten alle Krabben an den Turmhelmen abgeschlagen werden. Seit 1923 arbeitet die staatliche Dombauhütte erfolgreich gegen den Verfall der einmaligen Skulpturen und des Mauerwerks. Im südlichen Nebenchor, heute Sakramentskapelle, stiftete König Ludwig I. ein Grabmal für seinen Lehrer Bischof Johann Michael Sailer (1751–1832). Erst 2009 erhielt der Dom eine große Kathedralorgel, frei aufgehängt an Stahlseilen im nördlichen Querhaus.

Glanzlichter sind die mittelalterlichen Fenster

Für die Dommusik wird bis heute der vor 1050 Jahren gegründete Domchor, die „Regensburger Domspatzen“, unterhalten. Beim Bau einer unterirdischen Grablege der Bischöfe 1984 wurden bedeutende Zeugnisse der romanischen Vorgängerbauten freigelegt. Eines der größten Schätze der Innenausstattung sind die lebensgroßen, farbig gefassten Kalksteinskulpturen der Verkündigungsgruppe, heute an den Vierungspfeilern.

Sie stammen von Meister Ludwig, der nach 1285 die Bauleitung übernahm und durch eine Planänderung die hochgotische Kathedrale nach französischem Muster ins Werk setzte. Von herausragender Bedeutung sind die farbigen Glasmalereien. Bischof Rudolf Voderholzer sagte über die bis in das Jahr 1300 datierten Fenster:

„Dem nach Gott sich ausstreckenden Menschen kommt Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, entgegen im Licht, das durch die Fenster hereinflutet, die bunten und mit Szenen aus der Heilsgeschichte und mit Heiligengestalten bemalten Fenster, in die sich – in Abhebung vom vorausgehenden romanischen Baustil der Romanik – die Wände immer mehr auflösen und einen gotischen Kirchenraum geradezu zu einem Schrein aus Licht werden lässt.“

Das Bistum Regensburg feiert das Domjubiläum mit einer Festwoche vom 29. Juni bis 5. Juli. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist die Pontifikalmesse mit Bischof Rudolf Voderholzer am 5. Juli um 10 Uhr mit anschließender Begegnung auf dem Domplatz.


Der Autor ist katholischer Religionslehrer.

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