Frankfurt

Initiative Neuer Anfang warnt vor Kirchenspaltung

Der Synodale Weg wolle ein neues Denkschema radikaler Selbstbestimmung etablieren, so die konservativen Reformer in einem Brandbrief. Die Bischöfe weltweit müssten einschreiten.
Internationale Bischöfe sollen Spaltung verhindern
Foto: Maximilian von Lachner/Synodaler Weg | Kritik üben die Autoren des Papiers insbesondere an der Sexualmoral sowie am Freiheitsverständnis des Synodalen Wegs. Dieser wolle auf Basis einer „alternativen Anthropologie“ eine alternative Sexualmoral entwerfen.

Während am Donnerstag in Frankfurt die Dritte Vollversammlung des „Synodalen Wegs“ begann, warnt die Reform-Initiative „Neuer Anfang“ in einen Brandbrief an 2.000 katholische Bischöfe weltweit vor einer drohenden Kirchenspaltung. Das am Donnerstagnachmittag veröffentlichte Schreiben trägt den Titel „Sieben Fragen an die Katholische Kirche in Deutschland“. Darin äußert sich die Initiative kritisch zu einem „neuen Denkschema radikaler Selbstbestimmung“, das die deutsche Kirche in ein Schisma zu führen drohe.

Internationale Bischöfe sollen Spaltung verhindern

Wörtlich heißt es: „Nicht mehr der Herr - sein Wort und Wille - steht im Fokus, sondern der Mensch – sein Wille, seine Interessen, seine Identität, sein Begehren, seine Freiheit sollen bestimmen, was Sache ist in der Kirche, was vor dem Tribunal der Moderne noch plausibel erscheint, was gelehrt und gelebt werden darf und was nicht.“

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Die internationalen Bischöfe werden aufgefordert, ihren Einfluss geltend zu machen, um eine drohende Spaltung zu verhindern. 500 Jahre nach der Reformation sei die katholische Kirche erneut im Begriff, eine theologische Debatte „in einem nicht allzu fernen Land herunterzuspielen, zu ignorieren und für ein deutsches Problem zu halten“. Die nächste Spaltung der Christenheit stehe „vor der Tür“, warnen die Verfasser. „Und sie wird wieder aus Deutschland kommen.“

Die Initiative betrachtet sich selbst als Vereinigung von Theologen, Philosophen und Anthropologen, „die für radikale Reformen der Katholischen Kirche eintreten“, im Synodalen Weg“ jedoch keine Lösung, sondern einen „Geist der Rebellion und des Verrats am Evangelium“ am Werk sehen.  

Ablehnung der Sexualmoral der Kirche

Im Zuge des Synodalen Wegs, heißt es weiter, habe sich eine Denkform etabliert, die einen „epochalen Paradigmenwechsel“ im Grundverständnis des Menschen und seiner Freiheit einläute. Zu den Konsequenzen dieser Position gehöre die Ablehnung der Sexualmoral der Kirche wie auch der „Polarität und Komplementarität der zwei Geschlechter als wesentlicher Bestandteil des biblischen Zeugnisses vom Menschen“. Mittlerweile sei das reale kirchliche Geschehen von jener Denkweise bestimmt, die „zunehmend auch von deutschen Bischöfen“ vertreten werde.

Kritik üben die Autoren des Papiers insbesondere an der Sexualmoral sowie am Freiheitsverständnis des Synodalen Wegs. Dieser wolle auf Basis einer „alternativen Anthropologie“ eine alternative Sexualmoral entwerfen, schreiben sie. Auch werde dem Menschen „Freiheit“ in so radikaler Weise zugesprochen, dass sie „absolutes Vermögen zur Selbstbestimmung“ und „losgelöst vom Schöpfer“ sei.

Fundamentaler Widerspruch zu christlicher Lehre

Wörtlich heißt es: „Dass ,Freiheit‘ durch Gott erst ermöglicht und getragen wird, und dass sie dazu da ist, in Bindung an Gott und in Ausrichtung auf ihn hin die Fülle des Guten zu erlangen, wird nicht mehr gesehen.“ Ferner werde „Autonomie“ zum „einzig möglichen Ausgangspunkt ethischer Reflexion“.

Im Sinne des Synodalen Wegs müsse auch der gläubige Mensch unter den Bedingungen der Moderne in die Freiheit entlassen werden, „selbst zu wissen und zu bestimmen, was für ihn gut ist“. Eine allgemeinverbindliche kirchliche Lehre könne es in der Folge nicht mehr geben.

Die Reform-Initiative zeigt sich von jenen Entwicklungen zutiefst „verwirrt und beunruhigt“. Man stelle sich die Frage, „ob diese Denkform nicht zu grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens in fundamentalem Widerspruch“ stehe. Man könne nicht „gemeinsam Kirche sein“ in einem Zustand „diametraler Widersprüche“.  DT/mlu

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