Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach fünfter Synodalversammlung

Bischof Hanke: Mangelnde theologische Reflexion

Der Eichstätter Bischof kritisiert, dass auf der letzten Synodalversammlung theologische Fragen offen und römische Einwände unberücksichtigt geblieben sind.
Hanke warnt vor Spaltung der Kirche
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Bischof Gregor Maria Hanke: „Meines Erachtens sind die römisch-weltkirchlichen Einwände nicht hinreichend berücksichtigt, geschweige denn geklärt.“

Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt hat kritisch auf die letzte Synodalversammlung zurückgeblickt. „Ich nehme viele Fragen aus Frankfurt mit, die mich nachdenklich und auch ratlos sein lassen.“, schreibt er auf seiner Bistumsseite. Der Text zur geschlechtlichen Vielfalt verwässere „das Frausein und Mannsein des Schöpfungsberichtes“. Der Fokus auf das Diakonat der Frau suggeriere, als könne „die Synodalversammlung diese Änderungen in der Kirche einzuführen“. Auch fehle die Rezeption „der römisch-weltkirchlichen Einwände“. Und nicht zuletzt seien Menschen mit abweichenden Meinungen wieder einmal verbal geohrfeigt worden. 

Identität ist mehr als sexuelle Orientierung

Zum Papier über geschlechtliche Vielfalt sagt Hanke, dass binären Personen Achtung und Respekt gebühre. „Wir Christen haben uns dafür einzusetzen, dass sie nicht diskriminiert werden“ und „ich in der Kirche willkommen fühlen.“ Aber zugleich dürfe nicht vergessen werden, „dass Identität für Getaufte und solche, die in der Kirche Heimat finden sollen, doch weit mehr bedeutet als Geschlecht, sexuelle Orientierung“. Christus gebe jedem „eine neue Identität, die Neuschöpfung, wer immer und wie immer ich bin“.

Ein weiterer, kritisch zu beleuchtender Aspekt ist laut Hanke das Diakonat der Frau. Theologische Fragen würden ausgeklammert. „Die übergroße Euphorie“, die im Saal aufkam, als das Papier zum Diakonat der Frau auf den Weg gebracht wurde, wirke so, „als ob die Synodalversammlung diese Änderungen in der Kirche einzuführen könne“ — wobei das Diakonat nur ein erster „Schritt zur Öffnung aller Ämter sein könne“, bemerkte der Bischöfe. 

Römisch-weltkirchliche Einwände nicht hinreichend berücksichtigt

Besonders die Vorbereitung des Synodalen Ausschusses durch die Wahl der Mitglieder habe gezeigt, dass Rom für die Synodalen offenbar keine Rolle spiele. „Meines Erachtens sind die römisch-weltkirchlichen Einwände nicht hinreichend berücksichtigt, geschweige denn geklärt“, sagte der Bischöfe. Nach wie vor sei zudem nicht bekannt, „welche Kompetenzen“ mit diesem Gremium „verbunden sein sollen“. 

Nicht zuletzt seien abweichende Meinungen auf der Versammlung wieder einmal mit verbalen Ohrfeigen bedacht worden. Manche würden offenbar glauben, ihn besser interpretieren zu können als er sich selbst als er sich selbst, stellt Hanke fest und fragt: „Warum geben sie sonst Statements ab, wonach ich und einige andere offensichtlich keinen Wandel und keine Erneuerung der Kirche wollen?“ Dies sei „ein seltsames Verständnis von Synodalität“, denn keine dieser Stimmen habe je mit ihm gesprochen „und erfahren wollen, wo ich stehe und wofür ich stehe“.

Zwar sei Hanke auch über Gräben gesprungen und habe geschwisterliche und erfrischende Begegnungen mit Menschen gehabt habe, die theologisch ganz anders denken als er. Dies hat aber nichts daran ändern können, dass der Bischöfe nach Abschluss der Veranstaltung „frustriert aus der Sitzungsaula“ gegangen ist. Hanke: „Ich bin gespannt, wie alles in den weltsynodalen Weg eingebracht werden wird."  DT/dsc

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost umfassende Berichte, Hintergründe und Meinungen zur fünften Vollversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt.

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