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Kardinal Koch: "Gott ist in sich gegenseitige Liebe"

Der dreieine Gott als überbordend lebendige Liebesbeziehung und als ein Beziehungsspiel vollendeter Liebe.
Der Dreifaltige Gott ist in sich vollkommene Liebe.
Foto: Pixabay | Der Dreifaltige Gott ist in sich vollkommene Liebe.

Der im Evangelium überlieferte Taufbefehl des Auferstandenen, die neu gewonnenen Jünger auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, bildet den Notenschlüssel des Dreifaltigkeitssonntags. Er wird am Sonntag nach Pfingsten gefeiert und zeigt damit an, dass das Geheimnis des Dreieinen Gottes die Vollendung des christlichen Heilsgeschehens überhaupt ist.

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Diese Glaubensüberzeugung bringen wir zum Ausdruck, wenn wir über unser Gesicht das Kreuz zeichnen. Mit dem Kreuzzeichen rufen wir sichtbar den Dreieinen Gott an. Es ist gleichsam das elementarste Glaubensbekenntnis und deshalb das Identitätszeichen von uns Christen.

Bekenntnis zu einem Gott

Wir bekennen uns damit zu einem Gott, der in sich selbst ein Wesen der Beziehung, der Gemeinschaft und der Kommunion ist. Der Dreieine Gott ist ganz und gar Mitteilung und sich verströmendes Leben. Er ist in sich gegenseitige Liebe zwischen den drei göttlichen Personen, die sich als Lieben (Vater), als Geliebt-Werden (Sohn) und als Mit-Lieben (Heiliger Geist) ereignet. Die drei Personen stehen dabei miteinander im Einklang in der Einheit des göttlichen Wesens, die nur in der gegenseitigen Liebe möglich ist.

Das Dreieine Leben Gottes zeigt sich uns als Vollzug einer überbordend lebendigen Liebesbeziehung und damit als ein Beziehungsspiel vollendeter Liebe. In diesem Liebesspiel feiert Gott sich selbst in der gegenseitigen Freude der drei Personen aneinander. Das Glaubensbekenntnis zum Dreieinen Gott ist so die konsequente Auslegung des Satzes, der einen Höhepunkt des Neuen Testaments bildet: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4, 16).

Vollendetes Leben und Lieben

Im Leben des Dreieinen Gottes ist vollends erfüllt, was wir Menschen auch in unserem Leben zutiefst ersehnen, dass wir nicht einsam sein müssen, sondern in liebender Gemeinschaft leben dürfen. Wir sind dann Ebenbilder des Dreieinen Gottes, wenn wir uns nicht als Individualisten verstehen und verhalten, sondern in liebender Gemeinschaft miteinander und füreinander leben, wie der altkirchliche Theologe Tertullian zu sagen pflegte: „Ein Christ ist kein Christ“. Christ ist man vielmehr nur in der Glaubensgemeinschaft der Kirche. Sie ist das von der Einheit der drei Personen her geeinte Volk Gottes.

Die Gemeinschaft der Kirche ist berufen, ein glaubwürdiges Abbild des Dreieinen Gottes zu sein und es immer mehr zu werden. Wenn Gott in sich selbst beziehungsreiche Gemeinschaft der drei Personen ist, erscheint die Kirche nur dann als Ikone der Dreieinigkeit, wenn sich die Glaubenden gegenseitig annehmen und wertschätzen. Nur in dieser Weise wird der Dreifaltigkeitssonntag im christlichen Leben wirksam und glaubwürdig.

Text unter der Lupe

Dtn 4, 32-34. 39-40
Röm 8, 14-17
Mt 28, 16-20
Zu den Lesungen des Dreifaltigkeitssonntags 2024 (Lesejahr B).

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