Oklahoma

Gott ist in der Schöpfung präsent

Exerzitien in Oklahoma. Kardinal Müller predigt einem jungen Benediktinerkonvent Exerzitien über die Gegenwart Gottes in der Schöpfung. Die Tage waren eine Gnadenzeit.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Foto: Sebastian Kahnert (dpa-Zentralbild) | Kardinal Müller predigte den Mönchen in der Abtei "Unserer Lieben Frau von der Verkündigung" in Clear Creek Exerzitien und berichtet darüber.

Der Einladung ihres Abtes Philip Anderson OSB folgend war es für mich eine geistliche Freude, den 58 -meist jungen- Mönchen der Benediktiner-Abtei "Unserer Lieben Frau von der Verkündigung" in Clear Creek vom 3. bis zum 9. November 2021 die Jahres-Exerzitien zu predigen. Das Kloster liegt inmitten einer großen Einsamkeit im Bundesstaat Oklahoma und gehört zur Diözese Tulsa.

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Tochter von Fontgombault 

Die Gründung geht zurück auf eine Initiative aus der französischen Abtei Fontgombault und ist geistlich geprägt vom dem berühmtenErneuerer des benediktinischen Mönchtums Prosper-Louis Guéranger (1805- 1875) von Solesmes. Mit seinem Namen sind verbunden die Neubelebung des Gregorianischen Chorals und die Liturgische Erneuerung, die in der Konstitution des II. Vatikanums "Sacrosanctum concilium" ihr Ziel finden sollte. Es entspricht nicht nur der benediktinischen Spiritualität, sondern dem ganzen und vollen Glauben der katholischen Kirche, dass- im Reichtum und der Vielfalt ihrer Riten- "die Liturgie der Höhepunkt ist, dem all das Tun der Kirche zustrebt und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt (SC 10).

Die anbetende Verehrung Gottes und darin die Heiligung als inneres Durchdrungen-Werden von der Gnade und Liebe des dreieinigen Gottes prägt aber in ganz eigentümlicher Konzentration die Spiritualität des monastischen Lebens aller Gründungen des hl. Benedikt, des Patrons Europas und damit aller christlichen Kultur nach der Devise: Ora et labora- Bete und Arbeite!

Gott kommt uns entgegen

Diese geistige und geistliche Prägung bewirkt eine große Ausstrahlung und Attraktion auf die Mitchristen im Laienstand. Eine große Schar von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen versammelt sich zur sonntäglichen Eucharistiefeier in der Klosterkirche. Und viele finden beim seelsorglichen Gespräch und der persönlichen Beichte angesichts der Herausforderungen und Wirrnisse des Lebens in der Welt, den Weg zu Gott und zur Ruhe ihres Herzens in ihm (vgl. Augustinus, Confessiones I,1). Denn wir sind auf ihn hin geschaffen .Er ist Ursprung, Quelle, Inhalt und Ziel jeder geschaffenen Person.

Das Thema meiner 14 Predigten -von der Länge patristischer Sermones- war die Real-Präsenz Gottes in der Schöpfung, in den Werken der Heilsgeschichte, in der Kirche als Leib Christi und im sakramentalen Leib und Blut Christi in der Eucharistie. Nicht wir tasten uns denkend zum fernen Gott vor und bemächtigen uns (pelagianisch) seiner Gunst, sondern er kommt zu uns auf die Erde. ER selbst tritt sanft anklopfend ein in unser Haus, wenn wir ihm die Türe des Herzens öffnen. Jesus ist der Immanuel- der Gott mi uns. Und er bleibt bei uns bis zum Ende der Welt. "Christus ist immerdar seiner Kirche gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen" (SC 7) im Wort der Predigt und  in den sieben von ihm selbst eingesetzten und im Heiligen Geist wirksamen Sakramenten. Er ist gegenwärtig in der Person des Priesters, der zusammen mit den Gläubigen das Opfer der Messe feiert, in dem Christus sein Erlösungshandeln am Kreuz gegenwärtig macht, damit wir unser Sein und Leben in seine Opfer-Hingabe an den Vater einfügen.

Treue zum Glauben 

Die neuern Diskussionen haben immer wieder zurecht das II. Vatikanum zum Kriterium der Liturgie gemacht: Daran entscheidet sich die Treue zum katholischen Glauben in Heiliger Schrift und Apostolischer Tradition zusammen mit der Orientierung am Lehramt des Papstes und der Bischöfe. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Wächter der Apostolischen Tradition -traditionis custodes- selbst von der Lehre des Konzils leiten lassen, das im Kontext der Wesensbestimmung der Kirche als "priesterliche Gemeinschaft in den Sakramenten und im tugendhaften Leben" die Göttliche Liturgie so beschreibt: "In der Teilnahme am eucharistischen Opfer, der Quelle und dem Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens, bringen sie das göttliche Opferlamm Gott dar und sich selbst mit ihm; so übernehmen alle bei der liturgischen Handlung ihren je eigenen Teil, sowohl in der Darbringung wie in der heiligen Kommunion, nicht unterschiedslos, sondern jeder auf seine Art. Durch den Leib Christi in der heiligen Eucharistiefeier gestärkt, stellen sie sodann die Einheit des Volkes Gottes, die durch dieses hocherhabene Sakrament sinnvoll bezeichnet und wunderbar bewirkt wird, auf anschauliche Weise dar." (Lumen gentium 11).

Geistliche Exerzitien sind von Erfolg gekrönt, wenn sie für Hörer und Prediger zur Zeit der Gnade werden, wenn "die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Röm 5, 5).

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