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Und dann krähte der Hahn

In der heutigen Zeit sind Bekenner gefragt. Aber es gibt peinliche Situationen, in denen man versagt. Das kann einem auch selbst passieren. Wovon selbst der heilige Petrus ein Lied singen kann.
Die Verleugnung des Petrus
Foto: gemeinfrei | Auch der erste Papst war nicht zu jeder Zeit Bekenner: Die "Verleugnung des Petrus" in einer Bibelillustration aus dem 19. Jahrhundert

Haben Sie schon einmal Ihren Glauben verleugnet? Oder, anders gefragt: Wie oft haben Sie Ihren Glauben bereits verleugnet? Vor zwei Wochen habe ich über den heiligen Petrus geschrieben und wie sehr es mich fasziniert, dass dieser Mann die Wunder Jesu Christi mit eigenen Augen gesehen hatte und doch immer wieder in entscheidenden Momenten versucht war, den Schwanz einzuziehen. Eine einfache Magd hat diesen eigentlich so loyalen Hitzkopf aus dem Konzept gebracht und dafür gesorgt, dass der künftige Stellvertreter Christi auf Erden behauptete, er kenne „diesen Mann“ nicht.

Auch in der heutigen Zeit sind wieder Bekenner gefragt. Die Zeiten, in denen man sich rechtfertigen musste, wenn man mal nicht zur Kirche ging, sind vorbei. Das ist ganz gut so, hat ein gesellschaftlich verordneter Gruppenzwang doch wahnsinnig wenig mit der echten Gottesliebe zu tun, die ausschließlich auf Freiheit aufbaut. Nicht nur damals, auch heute ist Christ jeder dazu aufgerufen, Bekenner zu sein. Jeder auf seine Art, jeder an seinem Platz.

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Es ist schon Jahre her, aber ich kann mich zum Beispiel noch gut daran erinnern, wie ich einmal in einen neuen Fußballverein kam. Immer, wenn ich neue Leute kennenlerne, landen wir früher oder später bei meinem Glauben. „Was machst du so? Journalist? Katholisch? Du glaubst an Gott? Aber wie machst du das, bei dieser Kirche?“ Manchmal ergeben sich daraus tolle Gespräche, doch oft artet der Smalltalk in wahre Rechtfertigungsorgien aus.

Heuchelei und Kleingeist

Doch damals, beim ersten Mannschaftsabend, war ich nicht allein. Ein Bekannter von mir spielte in derselben Mannschaft. Ich wusste, dass auch er „praktizierender“ Katholik war. Er gehörte sogar einer geistlichen Gemeinschaft an, die weltweit vernetzt und sogar über katholische Kreise hinaus berühmt und berüchtigt ist. Während ich gerade das Vorurteil zurückwies, dass „alle Priester“ pädophil seien, hörte ich mit dem anderen Ohr, dass mein Bekannter von den anderen gefragt wurde, was er beruflich mache. „Ich arbeite in einer sozialen Einrichtung“, antwortete er. „Wo denn genau“, wurde er weiter ausgequetscht. Mein Bekannter stammelte herum. Ich wusste, dass die Einrichtung, bei der er arbeitete und wo er eine wichtige Position innehatte, von seiner geistlichen Gemeinschaft geleitet wurde. Ja, ich hatte auch schon selbst strenge, geistliche Vorträge von ihm gehört.

Wenige Wochen später hatte ich einen Freund zu Besuch. Wir saßen auf dem Balkon, ich hatte den Grill angeschmissen und mein Freund beschwerte sich darüber, wie viel Heuchelei und Kleingeist in der Kirche herrsche. Ich musste ihm beipflichten. Um zu unterstreichen, wie sehr ich mich selbst darüber ärgere, erzählte ich ihm die Anekdote aus dem Fußballverein und meinem feigen Bekannten. „Das sind die gleichen Typen, die dann bei jungen Leuten Vorträge halten, wie wichtig gelebtes Christsein ist“, ereiferte ich mich. Und weil ich gerade so schön in Rage war, holte ich noch ein Bibelzitat hervor, das ich mir mal rausgeschrieben hatte: „Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach ihren Taten; denn sie reden nur, tun es aber nicht.“ (Mt 23,2-3)

Während ich so mit meinem Fleischspieß herumfuchtelte und die Selbstgerechtigkeit meiner Glaubensgeschwister verurteilte, fiel mir ein, dass ich diesmal kein Tischgebet gesprochen hatte. Ich hatte es einfach ausgelassen, weil es mir vor meinem glaubensfernen Freund peinlich war. Beschämt blickte ich die Hähnchenteile auf meinem Grill an. Mir war, als hörte ich in diesem Moment irgendwo einen Hahn krähen.

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