ABC des Glaubens

Gnadengeschenke Gottes, die Sinn geben

Das katholische Kirchenjahr ist in zwei große Festkreise eingeteilt, die die sich auf die höchsten Feiertage der Christenheit beziehen.
Karfreitagsprozession
Foto: (KNA) | Unsere Zeit erhält durch große Feste ihre Struktur.

Wir schreiben das Jahr 2022 nach Christus – und zwar auf der ganzen Welt. Die kirchliche Zeitrechnung, in der die Geburt Christi den Wendepunkt markiert, hat sich rund um den Erdkreis durchgesetzt. Die kalendarische Einteilung eines Jahres in 365 (+0,25) Tage hat zwar nichts spezifisch Christliches an sich, ist uns aber sehr wohl durch den Schöpfer gegebenen, der die Gestirne so angeordnet hat, dass es genau diese Anzahl von Tagen und Nächten braucht, bis die Erde ihre Bahn einmal um die Sonne gezogen hat.

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Stabile Ordnung

Es liegt im Wesen Gottes, seiner Schöpfung eine stabile Ordnung mitzugeben, und die Kirche, die ja die Vorhut des Gottesreiches sein soll, hat gut daran getan, diese Ordnung in ihrem Kalender widerzuspiegeln. Wie Gott seine sechstägige Schöpfung mit dem Sabbat als dem Tag der Ruhe krönt, so strukturiert die Kirche ihr Jahr um den Sonntag herum, denn der Sonntag „erfüllt im Pascha Christi den geistlichen Sinn des jüdischen Sabbats und kündigt die ewige Ruhe des Menschen in Gott an […] Die Sonntagsfeier erfüllt das im Alten Testament geltende Gebot, dessen Rhythmus und Sinn sie übernimmt, indem sie jede Woche den Schöpfer und Erlöser seines Volkes feiert.“ (KKK 2175-2176)

Die Feier des Sonntags ist Dreh- und Angelpunkt des gesamten Kirchenjahres. Darüber hinaus ist das Kirchenjahr in zwei große Festkreise eingeteilt, die auf den beiden höchsten Festen der Christenheit basieren: den Weihnachtsfestkreis, beginnend mit dem Ersten Advent und endend mit dem Fest der Taufe des Herrn (Sonntag nach Epiphanias), und den Osterfestkreis, der sich vom Aschermittwoch bis Pfingsten erstreckt.

Die Zeit außerhalb dieser Festkreise wird als „Zeit im Jahreskreis“ bezeichnet, sie ist sozusagen die „normale“ Zeit des Kirchenjahres.
In den beiden Hauptfesten zeigt sich wiederum die enge Verbundenheit zwischen dem Leben und Wirken Christi einerseits und der natürlichen Ordnung andererseits. Denn nicht ohne Grund fällt Christi Geburt in die tiefste Dunkelheit des Winters, die durch das Licht der Welt erhellt wird, während seine Auferstehung zur Zeit des Frühlings gefeiert wird, wenn das Leben in die Natur zurückkehrt.

Durch Feste gegliedert

Bei aller Liebe zu Ordnung und Struktur darf aber nicht übersehen werden, dass unser Kirchenjahr durch Feste gegliedert ist. Es sind die Gnadengeschenke Gottes, die unserem Jahr, unserem Leben Sinn und Feierlaune geben. An Weihnachten erleben wir die Ankunft unseres Erlösers und besingen den „holden Knaben im lockigen Haar“, den dann die Weisen aus dem Morgenland verehren.

Zu Ostern gedenken wir des Lammes Gottes, das unsere Sünden auf den Berg Golgota trägt und auslöscht, um am dritten Tage in aller Herrlichkeit wieder aufzuerstehen, um so auch unsere Hoffnung auf das ewige Leben zu nähren.

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Normale Zeit

Jedoch ist es auch in der „normalen“ Zeit alles andere als langweilig. Die Zeit im Jahreskreis ist gefüllt mit Tagen des Gedenkens an die großen Vorbilder im Glauben. Die selige Jungfrau Maria fungiert hier, wie so oft, als Mittlerin der Gnaden, denn ihre Feste liegen sowohl in den Festkreisen (Hochfest der unbefleckten Empfängnis und andere) als auch außerhalb dieser (Mariä Himmelfahrt und andere).

Aber wir feiern in dieser Zeit auch – um nur einen der großen Heiligen zu wählen – mit Freude und Brauchtum das Fest des heiligen Martin, der uns an das Wort Jesu erinnert: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Man sieht also: Das Kirchenjahr biete eine Mischung aus gesunder Routine und sensationellem Staunen.

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