Trier

Trierer Missbrauchsbetroffene: Ackermann war überfordert

Von „inhaltlichen und verbalen Entgleisungen“ des DBK-Missbrauchsbeauftragten Ackermann sprechen die Trierer Betroffenen. Ackermann wird das Amt im Herbst abgeben.
Der Missbrauchsbeauftragte der Bischöfe, Bischof Ackermann
Foto: Harald Tittel (dpa) | Ackermann begründete seinen Rückzug damit, dass es darum gehen müsse, in der Verantwortungsstruktur für den Bereich des sexuellen Missbrauchs „zügig eine Neukonzeption auf den Weg zu bringen“.

Der Zusammenschluss der Missbrauchsopfer im Bistum Trier, „MissBiT“, begrüßt den Rücktritt des Trierer Bischofs Stephan Ackermann vom Amt des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). „Spät aber doch“ sei die Erkenntnis gekommen, dass Ackermann mit der Aufgabe „überfordert“ gewesen sei, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme. Obwohl er über zehn Jahren im Amt des Missbrauchsbeauftragten sei, gehöre Ackermanns Bistum bei der Aufarbeitung noch immer „zu den Schlusslichtern aller Bistümer“, kritisiert MissBiT“.

Unabhängiges Gutachten konsequent vermieden

Die Missbrauchsopfer des Bistums Trier sprechen auch von „inhaltlichen und verbalen Entgleisungen“ Ackermanns, die zuletzt in der absichtlichen Klarnamennennung einer Betroffenen gegipfelt seien. Zudem habe er die Chance nicht genutzt, das Thema Missbrauch im Bistum Trier „breit zu diskutieren und auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung anzuregen“. Ein unabhängiges Gutachten wie in anderen Bistümern habe er konsequent vermieden.

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Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte zuvor angekündigt, sich vom Amt des Missbrauchsbeauftragten der DBK zurückzuziehen. In einem Brief an den DBK-Vorsitzenden, den Limburger Bischof Georg Bätzing, sowie alle Mitglieder der Bischofskonferenz erklärte Ackermann am Donnerstag, das Amt zur Herbst-Vollversammlung der DBK im September abgeben zu wollen. Er begründete den Schritt damit, dass es darum gehen müsse, in der Verantwortungsstruktur für den Bereich des sexuellen Missbrauchs „zügig eine Neukonzeption auf den Weg zu bringen“. 

Ackermann zufolge brauche es möglichst bald eine neue und breiter aufgestellte Verantwortungsstruktur, damit die katholische Kirche in Deutschland der Vielschichtigkeit der Thematik und der Dimension des Aufgabenfeldes künftig noch mehr gerecht werden könne. „Die Thematik lässt uns nicht los, im Gegenteil: Mit steigender Achtsamkeit nicht nur auf Formen sexualisierter Gewalt weiten sich die Fragestellungen aus und erfordern entsprechende Antworten“, so der Trierer Bischof.

Bätzing nimmt Entscheidung "mit Respekt" zur Kenntnis

Der DBK-Vorsitzende Bätzing habe die Entscheidung Ackermanns „mit Respekt“ zur Kenntnis genommen, hieß es aus dem Bistum Trier. Ackermann habe mehr als zwölf Jahre lang „eine weitreichende und mit unermüdlichem Engagement ausgefüllte Aufgabe kompetent übernommen“. Die Interventions- und Präventionsordnung der DBK und viele weitere Dokumente seien ohne Ackermanns Wirken so nicht denkbar. Besonders hob Bätzing die 2018 veröffentlichte MHG-Studie hervor, zu deren Umsetzung Ackermann wesentlich beigetragen habe.

Der Betroffenenbeirat der DBK erklärte indes am Freitag, in Ackermanns Rückzug neue Chancen für die Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche zu sehen. „Dieser neue Abschnitt muss auch in der notwendigen fachlichen Qualifikation und Expertise der zukünftig handelnden Akteure deutlich werden“, so das Gremium. In Themenfeldern wie einer gut ausgestatteten und begleiteten Betroffenenarbeit, einer adäquaten Anerkennung des Leids und der transparenten Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs seien bislang nur Ansätze zu erkennen. „Echte Lösungen oder gar grundlegende und von Bischöfen wie Betroffenen gemeinsam getragene Perspektiven fehlen weiterhin und müssen zwingend gefunden werden.“  DT/mlu

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