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Synodaler Weg: Woelki sieht Einheit der Christen gefährdet

In einem Vortrag kritisiert der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki die starken Polarisierungen in der katholischen Kirche in Deutschland.
Kardinal Woelki habe „keine falschen Versprechungen machen“ wollen
Foto: picture alliance / EPA | Christopher Neundorf | Er habe „keine falschen Versprechungen machen“ wollen, „wo unter Umständen nur schmerzhafte Enttäuschung, vielleicht sogar frustrierte Wut folgen konnte, wenn sie sich nicht erfüllen lassen“, sagte Kardinal Woelki in ...

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sieht durch den Synodalen Weg die Einheit der Christen bedroht. Besonders kritisierte er die starken Polarisierungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland. „Spannungen gab es auch vorher schon, das wissen wir alle. Aber nun treten diese so stark hervor, dass ich mir zunehmend Sorgen mache“, sagte der Erzbischof in einem Vortrag, den er bereits Mitte November in der Vollversammlung des Diözesanrats gehalten hat. Am Montag veröffentlichte das Erzbistum Köln das Redemanuskript.

Woelki erinnerte an die Enzyklika „Ut unum sint“ von Johannes Paul II., in der „Prinzipien der Ökumene zur Überwindung der Spaltung der Christen formuliert“ seien. Es gelte auch heute, dass die „Einheit, die der Herr seiner Kirche geschenkt hat und in der er alle umfangen wollte“, nichts Nebensächliches sei, sondern im Zentrum seines Wirkens stehe. Deswegen hoffe er, er dass „wir…der Versuchung einer Polarisierung widerstehen und zu einem besonnenen Austausch finden, der um Versöhnung und um die Einheit der Gemeinschaft der Kirche bemüht ist“.

Beratungen auf Synodalem Weg „nicht immer sehr synodal"

Woelki nahm den Vortrag zum Anlass, seine Kritik am Synodalen Weg zu benennen, aber auch die positiven Impulse aufzugreifen, die sich umsetzen ließen. Leider seien die Beratungen auf dem Synodalen Weg „nicht immer sehr synodal“ gewesen, sagte er und erinnerte an die roten Karten, die hochgehalten worden seien, noch bevor ein Kritiker ein Wort überhaupt gesprochen hatte. Die Zeit während der Synodalversammlungen in Frankfurt habe für wirkliches Verstehen, Zuhören und Auseinandersetzen mit den Argumenten nicht ausgereicht. Wenn er auf dem Synodalen Weg mit „Nein“ gestimmt habe, dann, weil er „keine falschen Versprechungen machen“ wollte, „wo unter Umständen nur schmerzhafte Enttäuschung, vielleicht sogar frustrierte Wut folgen konnte, wenn sie sich nicht erfüllen lassen“. 

Es gebe zudem Dinge, „deren Entscheidung beziehungsweise Beurteilung" dem Papst vorbehalten seien. Dazu gehörten die Aufhebung der Ehelosigkeit von Priestern, die Priesterweihe von Frauen und die Neubewertung der Homosexualität. Er wolle in diesen Punkten um der Einheit der Kirche willen keine Alleingänge vollziehen.

Prüft alles und behaltet das Gute

Gleichwohl habe er nach dem Prinzip des Apostels Paulus gehandelt, die Ergebnisse zu prüfen und das Gute zu behalten und umzusetzen. Manches sei im Erzbistum Köln umgesetzt worden, bevor entsprechende Beschlüsse auf den Synodalen Weg gefasst worden seien. Dazu gehöre die „Annahme der Präventionsordnung“ in Bezug auf sexuellen Missbrauch „auf Grundlage der Rahmenordnung der DBK“ und die verbindliche Umsetzung sowie Kontrolle der Schutzkonzepte. 

Köln habe als erste Diözese in Deutschland eine psychologische Standort- und Potenzialanalyse von jedem Kandidaten flächendeckend eingeführt sowie eine Frau als Studienpräfektin in die Priesterausbildung berufen. Überhaupt seien im Generalvikariat fast keine Kleriker mehr beschäftigt. 21 Bereiche innerhalb von drei neuen Leitungsressorts würden Frauen verantworten, zählte Woelki auf. 

Mitwirkung von Laien in der Erzdiözese

Was die auf dem Synodalen Weg immer wieder thematisierte Rolle der Getauften und Gefirmten betreffe, so habe er den Diözesanpastoralrat bewusst "als mein zentrales Beratungsgremium eingerichtet", in dem „das Volk Gottes in seiner Vielgestaltigkeit abgebildet ist und die Getauften und Gefirmten darin mehr als früher ihre Stimme zur Geltung bringen können“, erklärte Woelki. Die neuen Pastoralen Einheiten würden zwar weiterhin von einem Priester als Pfarrer geleitet, aber in den einzelnen Gemeinden könnten Getaufte und Gefirmte „an der dem Pfarrer übertragenen Gesamtleitung mitwirken“.

Er habe nichts grundsätzlich gegen Beratungsgremien, könne aber den Synodalen Ausschuss besonders nach den Interventionen und Weisungen aus Rom nicht mittragen. Wörtlich sagte Woelki: „Ich kann mich nicht gegen die Weisungen des Papstes beziehungsweise die seiner engsten Mitarbeiter stellen.“ Sollten „mit den Verantwortlichen in Rom diesbezüglich Lösungen gefunden werden", die "belastbar sind“, werde er seine Position revidieren. Bisher könne er nicht erkennen, „dass den Einwänden des Papstes sowie seiner Präfekten diesbezüglich Rechnung getragen würde“.  DT/dsc

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