Kirchensteuer

Studie: Austritte belasten Kirche effektiv nicht finanziell

Entwicklung der Kirchensteuer differenziert betrachtet. Verrentung der Boomer wird sich voraussichtlich negativ auswirken. 
Kirchenaustritt und Steuern
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Wie hängen Kirchenaustritte und Kirchensteuern zusammen? Eine Untersuchung zu einem komplexen Thema.

Den scheinbaren Widerspruch, dass die Kirchenaustritte zunehmen und dennoch das Kirchensteueraufkommen steigt, hat die in Berlin ansässige "Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland und der Welt" untersucht. Die Annahme, dass die Kirchenaustritte den Kirchen finanziell schadeten, teilt die Forschungsgruppe für Weltanschauungsfragen mit, finde auf den ersten Blick keine Bestätigung. Ganz im Gegenteil sei es so, dass Kirchenaustritte tatsächlich zu Einnahmeverlusten führten. Diese würden jedoch nicht direkt sichtbar, da die Kirchensteuer eine Zuschlagsteuer zur Einkommenssteuer sei. Sie folge deren Regeln.

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Modellrechnungen 

Die Forschungsgruppe,  kurz "fowid" genannt, befasst sich nach eigenen Angaben mit der Erhebung und Auswertung von Daten und Fakten zu relevanten Aspekten von Weltanschauungen in Deutschland und der Welt. "Fowid" wurde im Jahr 2005 von der "Giordano-Bruno-Stiftung" gegründet. In der Studie befassen sich die Verfasser Carsten Frerk und Matthias Krause auch mit Modellrechnungen. Am Beispiel der Musterjahre 2017/2018 zeigen die Verfasser die auf, wie sich die Kirchensteuer entwickelt. In der katholischen Kirche hatte diese um 354 Millionen Euro zugenommen. Im Durchschnitt hätte jedes Kirchenmitglied 274 Euro Kirchensteuer gezahlt. Somit hätten dem Modell zu Folge etwa 1,3 Millionen Kirchenmitglieder mehr austreten müssen, um diese Mehreinnahme zu verhindern.

Baby- Boomer gehen in Rente

Mit Blick auf die Zukunft zeigen die Verfasser die Folgen der begonnenen Verrentung der „Baby-Boomer“. Diese gingen, so die Verfasser seit 2020 in Rente. Damit würden die beiden Kirchen Jahr um Jahr die für das Kirchensteueraufkommen wichtigen, zahlungskräftigen Kirchenmitglieder verlieren. Wenn um 2035 alle Baby-Boomer in Rente gegangen seien, werde sich anschließend das „Taufdefizit“ bemerkbar machen, das heißt die geringere Anzahl von jüngeren Kirchenmitgliedern, stellen die Verfasser der Studie fest. Sie würden dann zwar berufstätig werden, aber für die Bestanderhaltung der Kirchensteuereinnahmen werde dann die dafür notwendige ‚Masse an Kirchenmitgliedern‘ fehlen. Kämen dann noch die Kirchenaustritte als dritte Komponente hinzu, werde es wahrscheinlicher, dass das Kirchensteueraufkommen tatsächlich sinken werde. DT/pwi

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