Grund für Austritte

Die Kirchensteuer schadet der Kirche

Die Kopplung der Mitgliedschaft an die Kirchensteuer richtet für die Kirche in Deutschland Schaden an, denn oft genug treibt die Steuer die Menschen aus der Kirche. Ein Kommentar.
Treibt die Kirchensteuer die Menschen aus der Kirche?
Foto: INGO HOFFMANN (199415510) | Die Kirchensteuer wird, obwohl sie oft genug geringer ist als angenommen, von überproportional vielen aus der Kirche Ausgetretenen als Grund für den Austritt angegeben.

Immer wieder stößt die Kirchensteuer sauer auf. Einerseits hat ein fiskalisches System zwar den großen Vorteil einer soliden Berechenbarkeit der Einnahmen. So sind auch die deutschen Diözesen in der Regel wirtschaftlich recht robust aufgestellt. Selbst ärmere Diözesen, die zwar sparen müssen, brauchen sich dennoch nicht zu sorgen, die üppigen, am öffentlichen Dienst orientierten Gehälter womöglich nicht zahlen zu können.

Andererseits wird die Kirchensteuer besonders in einem Punkt zum Ärgernis. Das Kirchenrecht verpflichtet die Gläubigen zwar, die Kirche finanziell zu unterstützen. Tut ein Katholik dies nicht, so verfehlt er sich moralisch. Das ist keine Frage. Doch kein französischer Bischof käme auf die Idee, einen katholischen Christen zu exkommunizieren, der nicht zahlt. Ja, mehr noch, kein Bischof weltweit käme auf die Idee, einen getauften und gefirmten Katholiken, der nicht zahlt, als Nichtmitglied der Kirche anzusehen.

Zahlen - oder man ist raus

In Deutschland dagegen hat man zu zahlen oder man ist raus.  Die Kirchensteuer wird, obwohl sie oft genug geringer ist als angenommen, von überproportional vielen aus der Kirche Ausgetretenen als Grund für den Austritt angegeben. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieser Grund einen wirklich gezahlten oder nur gefühlten Beitrag abbildet. Mehr noch muss man angesichts der Tatsache, dass das Kirchensteueraufkommen trotz der Austritte steigt, davon ausgehen, dass die, die austreten, keine oder noch keine Kirchensteuer zahlen. Wie viele Arme, die ja gerade Papst Franziskus besonders am Herzen liegen, treibt die deutsche Kirche mit ihrem finanziellen Rigorismus aus der Kirche? Weder dem Papst noch einem Bischof in Deutschland kann das recht sein.

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Der Vatikan schaut natürlich angesichts der recht nützlichen Finanzkraft der deutschen Diözesen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die deutsche Kirchensteuer. Aber am Ende muss auch der Vatikan einsehen, dass die Kirchensteuer auch der Weltkirche schadet. Weder in Deutschland noch weltweit wird sich Scheckbuchpastoral langfristig als förderlich für den Glauben erweisen. In Deutschland sieht man es täglich. Der Glaubensabfall der vielen Katholiken, die kaum noch Berührungspunkte mit der Kirche haben, wird der Kirche – auch finanziell – irgendwann auf die Füße fallen.

Von kranken Strukturen trennen

Dabei geht es gar nicht darum, eine materiell arme Kirche zu idealisieren. Die Kirche ist immer eine Kirche von Menschen und damit niemals perfekt. Doch wo man nachweislich kranke Strukturen feststellt, soll man sich trennen.

Natürlich würden nach Abschaffung der Kirchensteuer die Einnahmen zunächst einbrechen. Daher muss man davon ausgehen, dass sich die Kirche zumindest vorerst und schon gar nicht freiwillig von der geliebten Kirchensteuer trennen wird. Es wäre dennoch von Vorteil, da der Verfall der Kirche unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht zuletzt wegen der Fixierung auf Geld unaufhaltsam voranschreitet.

Zwingt man die Gläubigen auf Dauer weiter, die ungeliebte Steuer zu bezahlen, dann treibt man Jahr für Jahr weitere Hunderttausende aus der Kirche, weil die Ablehnung der Steuer die ohnehin große Entfremdung der Menschen von der Kirche noch verstärkt. Alternative Finanzierungsmodelle dürften – egal wie sie aussehen – die Kirchenmitgliedschaft nicht mehr an eine Geldzahlung koppeln. Abständige Katholiken blieben somit in der Kirche und damit für die Verkündigung zumindest grundsätzlich erreichbar.

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Peter Winnemöller Bischöfe Diözesen Exkommunikation Kirchenrecht Papst Franziskus

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