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Kommunion für Ausgetretene?

Kölns Weihbischof Ansgar Puff warb in seiner Predigt am Sonntag für eine stärkere Begleitung von Ausgetretenen und fragte sich, ob ihnen nicht auch der Kommunionempfang ermöglicht werden müsse.
Kölner Weihbischof Ansgar Puff
Foto: Raimond Spekking | Weihbischof Puff plädoert dafür, als Kirche mehr "mit denen unterwegs zu sein, die enttäuscht gegangen sind“.

In einer Predigt zum 3. Sonntag der Osterzeit im Kölner Dom hat sich Weihbischof Ansgar Puff für eine stärkere Begleitung von ausgetretenen Kirchenmitgliedern ausgesprochen und sich gefragt, ob nicht auch der Kommunionempfang für Ausgetretene richtig sein könne. „Wenn die Eucharistie, wie Papst Franziskus einmal gesagt hat, die Medizin für die Müden und Schwachen ist, würde Jesus dann sagen: Ja, du aber nicht. Du bist ja gegangen!?“

„Lieben wir wirklich?“

Puff ging in seinen Ausführungen von Jesu Umgang mit den Emmausjüngern aus. Der habe die enttäuschten Jünger, die sich  nach Jesu Tod abgewendet hätten, nicht einfach gehen lassen, sondern sei zu und mit ihnen gegangen und habe ihnen vor allem zugehört, „weil Jesus sie liebt!" so der Weihbischof.

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Auch heute hätten viele Menschen der Kirche aufgrund von Missbrauch durch Kleriker oder Vertuschung durch Bischöfe enttäuscht den Rücken gekehrt, stellte er fest. Und er stelle sich die Frage, ob wir „als Kirche nicht den Auftrag haben, mit denen unterwegs zu sein, "die enttäuscht gegangen sind“ und man diese geistlich Obdachlosen "nicht stärker begleiten“ müsse. Alle Katholiken, allen voran er als Bischof, müssten sich fragen, ob sie die Menschen, die aus der Kirche austreten, wirklich liebten. "Liebe ich sie wirklich? Oder ist das eigentlich egal?" fragte der Weihbischof.

Zuhören, ernstnehmen, über Christus sprechen

Wie Christus es mit den Emmausjüngern getan hat, müssten auch Katholiken den Ausgetretene mit offenem Ohr und mit Liebe begegnen. Puff sprach von drei Schritten: „Zuhören, die Entscheidung zum Austritt ernstnehmen“ und, sofern gewünscht, „über Christus zu sprechen“. Wobei er sich auch die Frage stelle, ob es richtig sei, „sie auch nicht mehr zu uns an unseren Tisch einzuladen?“ Die meisten hätten ja nicht den Glauben verloren.

Dass Enttäuschte wieder mit Hoffnung erfüllt werden, könne nur Jesus ermöglichen. Von ihm und allen Christen erwarte er aber, „dass wir ihm dabei helfen“, zeigte sich der Weihbischof überzeugt. Denn Ostern sei, „wenn Enttäuschte ihre Hoffnung wiederfinden, Ausgebrannte wieder für den Glauben brennen und die, die weggegangen sind, wiederkommen.“  DT/dsc

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