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Pfarrei gegen Bistum: Erneute Segnungsfeier für homosexuelle Paare

Dem leitenden Pfarrer war die Segnung ausdrücklich verboten worden. Nun gab es in der Pfarrei Mettmann-Wülfrath dennoch einen weiteren Segnungsgottesdienst.
Ein Ballon in Regenbogenfarben neben dem Kölner Dom
Foto: IMAGO/Christoph Hardt (www.imago-images.de) | Die Auseinandersetzungen im Bistum Köln über Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare gehen in die nächste Runde. Im Bild der Kölner Dom und ein Luftballon auf dem Christopher Street Day Köln 2023.

Im Bistum Köln hat es erneut einen Segnungsgottesdienst für homo- und heterosexuelle Paare gegeben. Wie die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) berichtet, nahmen rund 130 Menschen an der Veranstaltung im „Pastoralen Sendungsraum“ Mettmann-Wülfrath teil. Etwa 25 Paare ließen sich segnen, darunter zwei homosexuelle Paare und mehrere wiederverheiratet Geschiedene. Dies bestätigte die Gemeindereferentin Ulrike Platzhoff, die die Veranstaltung am Sonntag zusammen mit dem Diakon Michael Anhut leitete, gegenüber der „Tagespost“.

Ullman bei Empfang nach der Feier

Bereits im März hatte Monsignore Herbert Ullmann, leitender Pfarrer der Pfarreien Mettmann und Wülfrath einen „Segnungsgottesdienst für alle sich liebenden Paare“ gefeiert. Daraufhin war Ullmann aus dem Generalvikariat des Bistums Köln mit gemaßregelt worden. Kardinal Woelki hatte zur Begründung darauf verwiesen, dass erst auf weltkirchlicher Ebene geklärt werden müsse, ob derartige Feiern möglich seien. Nach geltender Lehre ist dies bislang nicht der Fall. Ullmann war damals die Wiederholung einer derartigen Veranstaltung untersagt worden. Das Bekanntwerden der Vorgänge in Mettmann hatte Ende Juli bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

An dem nun gefeierten Segnungsgottesdienst nahm Ullmann nicht teil, auch fand die Veranstaltung nicht in einer katholischen Kirche statt, sondern in der evangelischen „Kulturkirche“ in Wülfrath. Wie die KNA berichtet, erschien Ullmann aber zum Empfang nach der Feier. Gegenüber der „Tagespost“ sagte Platzhoff zum Umgang mit dem Verbot aus Köln wörtlich: „Wir wissen, dass wir mündige Christinnen und Christen haben in den Gemeinden, und haben deshalb sehr schnell die Lösung gefunden, da evangelische Gastfreundschaft zu kriegen.“ Die verantwortlichen Gremien, darunter der Pfarrgemeinderat, stünden „voll dahinter“.

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Rückenstärkung für deutsche Bischöfe

Die Initiative zur Veranstaltung der Segnungsfeiern gehen zurück auf die „Arbeitsgemeinschaft Regenbogenkirche für alle“, die sich, wie es auf der Website der Pfarrgemeinde Wülfrath heißt, im Frühjahr 2022 aus sieben „interessierten und engagierten, christlich orientierten Menschen“ mit dem Ziel gegründet hatte, sich gegen Ausgrenzung wegen „sexueller & gefühlsmäßiger Orientierung“, sowie des Geschlechts, einzusetzen.

Der Segnungsgottesdienst im März war wenige Tage nach der Entscheidung des Synodalen Weges erfolgt, für Segnungsfeiern für homosexuelle Paare und wiederverheiratet Geschiedene geeignete liturgische Formate zu entwickeln. Auch 81 Prozent der Bischöfe hatten damals für die Einführung gestimmt. Gegenüber der „Tagespost“ sagte Platzhoff, bei der erneuten Feier sei es auch darum gegangen, diesen Bischöfen gerade jetzt vor der Weltsynode in Rom, die im Oktober beginnt, „den Rücken zu stärken“. Woelki hatte sich bei der entsprechenden Abstimmung beim Synodalen Weg enthalten. (jra)

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