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Essener Generalvikar wirbt für ein Ende des Zölibats

Immer weniger Menschen seien bereit, das Priesteramt unter diesen Bedingungen in Erwägung ziehen, sagte Klaus Pfeffer in einem Interview.
Generalvikar Klaus Pfeffer
Foto: IMAGO/ (www.imago-images.de) | Generalvikar Klaus Pfeffer ist seit über 30 Jahren katholischer Priester. Er gilt als moderner Vertreter seines Berufsstandes.

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer plädiert für die Abschaffung des priesterlichen Zölibats, um dem Priestermangel zu begegnen. Wie er in einem Interview mit der Rheinischen Post am Donnerstag erklärte, würden sich immer weniger Menschen „auf diese Lebensform in Verbindung mit dem Priesterberuf einzulassen“. Der Priesterberuf sterbe „derzeit geradezu aus". 

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Pfeffer, der auch Verwaltungschef des Ruhrbistums ist, ist der Überzeugung, dass das Priestertum an Relevanz gewinnen würde, gäbe es das Zölibat nicht. Viele Priester litten darunter, keine Ehe und Familie zu haben. Das führe im Alter zudem, zu Vereinsamung, so Pfeffer.

Weitere Reformen gewünscht

Auch andere Reformen hält der Generalvikar für angemessen: Das Weiheamt für Frauen etwa sei „eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit, die es notwendig macht, dass in unserer Kirche Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten haben, verantwortungsvolle Ämter - und damit auch die Weiheämter - auszuüben", findet er. Dies sei der nächste Schritt, den die Kirche gehen müsse.

Als weiteres Novum wünscht sich Pfeffer, dass Homosexuelle heiraten dürften. Da hinke die kirchliche Sexualmoral den Einsichten aus Humanwissenschaften, moderner Theologie und menschlicher Erfahrung hinterher. Sowohl in Rom als auch bei vielen Bischöfen fehle es an Bereitschaft und Einsicht, „dass es sehr unterschiedliche sexuelle Orientierungen und Identitäten gibt, die auch von Gott geschaffen und gewollt sind".

Weltweite Einigung ist schwer zu finden

Zwar habe der Papst mit „Fiducia Supplicans“ die Segnung homosexueller Paare zugelassen, in der weltweiten communio aber habe es Entrüstung darüber gegeben — etwa in Teilen Afrikas und Lateinamerikas sowie in Mittel- und Osteuropa. Dies zeige, wie schwierig es sei, in zu einer einheitlichen Lösung zu kommen. Er selbst befürworte die Segenserlaubnis.

Laut dem am 18. Dezember verffentlichten Dokument „Fiducia Supplicans“ dürfen Geistliche Paare nicht in einem Gottesdienst segnen, damit es nicht zu einer Verwechslung mit einer kirchlichen Trauung kommt. ausgeschlossen werden.  DT/dsc

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