Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Woelki weist Kritik an Weihnachtspredigten zurück

Die Predigten sind in diesem Jahr nicht politischer ausgefallen als sonst, behauptet der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Er wehrt sich damit auch gegen die Kritik der CDU-Vizevorsitzenden Julia Klöckner.
Kardinal Woelki wehrt sich gegen Kritik an den Weihnachtspredigten
Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) | Wehrt sich gegen Kritik an den Weihnachtspredigten: der Kölner Kardinal Woelki.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelkihat jüngster Kritik an den kirchlichen Weihnachtspredigten widersprochen. Es sei ein falscher Eindruck, dass die Predigten in diesem Jahr politischer ausgefallen seien als sonst, sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Die Bischöfe versuchten stets, das Evangelium in die heutige Zeit zu übersetzen und auf die aktuelle Situation der Menschen zu beziehen. Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner hatte sich zuvor kritisch zu tagespolitischen Stellungnahmen der Kirchen geäußert. Es sei wichtig, „dass Kirchen nicht parteipolitische Programme übernehmen“, hatte sie der „Bild“-Zeitung gesagt. Für Debatten hatte zudem ein Tweet von „Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt gesorgt: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in einer Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“, schrieb Poschardt auf dem Kurznachrichtendienst.

Der Vorwurf einer zu großen Parteinähe sei „Unfug“, betonte Woelki. Die Kirchen orientierten sich am Evangelium. Dessen Botschaft selbst habe Konsequenzen. Wenn es etwa um den Erhalt der Schöpfung oder die Würde des Menschen gehe, wirke sich das auf den Umgang mit der Umwelt oder auf Migrationsfragen aus. „Wir können nicht von Gott sprechen, ohne vom Menschen zu sprechen“, so Woelki.

Ähnlich wie Woelki äußerte sich auch der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Es sei die Aufgabe von Christen, sich für die sozial Versehrten einzusetzen. „Man müsste die Bibel verbrennen, wenn sich die Kirche da heraushalten sollte“, sagte Zulehner am Donnerstag im Gespräch mit der Zeitung „Kurier“. Parteipolitisch müsse sich die Kirche herausnehmen. „Geht es aber um Politik generell - um die Würde des Menschen, um Gerechtigkeit, um die Unversehrtheit des Lebens - ist die Kirche verpflichtet, sich einzumischen", so Zulehner.

DT/KNA

 

 

 

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Bischof Julia Klöckner Jungsozialisten Kardinäle Rainer Maria Woelki Ulf Poschardt Weihnachtsmessen

Weitere Artikel

Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke
Eine Tageszeitung wird 80. „Die Welt“ ist aber auch das publizistische Flaggschiff von Springer. Und dort denkt man verlegerisch schon lange über Deutschland hinaus.
09.04.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Gefährliches Spiel: Mit einem Antrag, der vorgibt, Pro Familia Fördergelder entziehen zu wollen, sollen Lebensrechtler umarmt und der Union Stammwähler entzogen werden.
11.07.2026, 14 Uhr
Stefan Rehder
Das Gleichnis vom Sämann zeigt: das Evangelium ist vor allem dann fruchtbar, wenn der Mensch es nicht nur hört, sondern auch danach lebt.
11.07.2026, 21 Uhr
Ludger Schwienhorst-Schönberger 
Unerlaubte Bischofsweihen und Exkommunikation: Weit weg von Rom, in Écône, spürt man die Last eines historischen Moments jenseits der roten Linie.
09.07.2026, 09 Uhr
Alexander von Schönburg