Vatikan und China unterzeichnen „vorläufiges Abkommen“

Der Vatikan erkennt acht regierungstreue chinesische Bischöfe an, im Gegenzug akzeptiert Peking Papst Franziskus als Oberhaupt der chinesischen Katholiken. Deutliche Kritik äußert der Hongkonger Kardinal Zen.
Historisches Abkommen zwischen Vatikan und China
Foto: Mark Schiefelbein (AP) | Gläubige tragen Kerzen bei einer Messe in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis. Der Vatikan hat nach jahrzehntelangem Streit mit China ein historisches Abkommen zur Ernennung von Bischöfen geschlossen.

Im Streit zwischen dem Vatikan und China ist es zu einer ersten Einigung gekommen. Am Wochenende unterzeichneten der Heilige Stuhl und die kommunistisch regierte Volksrepublik ein „vorläufiges Abkommen“ über Bischofsernennungen. Dies gab der Vatikan bekannt.

Vatikan erkennt regierungstreue chinesische Bischöfe an

Ein Vertreter des vatikanischen Staatssekretariats, Antoine Camilleri, war demnach nach Peking gereist, um das Abkommen zusammen mit Wang Chao, einem Vertreter der chinesischen Regierung, zu unterzeichnen. Mit dem Abkommen erkennt Papst Franziskus acht regierungstreue chinesische Bischöfe an, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren. Im Gegenzug akzeptiert Peking Franziskus als Oberhaupt der chinesischen Katholiken.

Bislang hat der Vatikan den vollen Wortlaut des Abkommens noch nicht veröffentlicht. Es soll jedoch den Grundstein für eine zukünftig bessere bilaterale Zusammenarbeit legen, wie das päpstliche Presseamt mitteilte. „Wir teilen die Hoffnung, dass dieses Abkommen einen erfolgreichen und nach vorne gerichteten Prozess des institutionellen Dialogs fördert und in positivem Sinne zum Leben der katholischen Kirche in China beitragen wird, sowie insgesamt zum Guten des chinesischen Volkes und zum Frieden auf der Welt“, hieß es aus dem Vatikan.

Kardinal Zen spricht von "Ausverkauf" der katholischen Kirche in China

Vatikansprecher Greg Burke fügte hinzu, das Abkommen ermögliche es chinesischen Katholiken, „Bischöfe zu haben, die von Rom anerkannt sind, aber gleichzeitig auch von den chinesischen Behörden“. Zudem sei die Einigung nicht das Ende, sondern lediglich der Beginn eines Prozesses.

Deutliche Kritik an dem Abkommen äußerte Hongkongs Kardinal Joseph Zen Ze-kiun. Der 86-Jährige sprach von einem „unglaublichen Verrat“. Dem Vatikan warf der Bischof Naivität vor und warnte gleichzeitig vor einem „Ausverkauf“ der katholischen Kirche in China. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin forderte er auf, zurückzutreten. Parolin verrate den katholischen Glauben und liefere seine Herde „den Wölfen zum Fraß“, so Zen.

DT/mlu

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