Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Reaktionen auf "Fiducia supplicans"

US-Bischöfe: Vatikan-Erklärung ändert kirchliche Ehelehre nicht

Da das Glaubensdikasterium zwischen liturgischem und pastoralem Segen unterscheide, ändere sich nichts an der Lehre der Kirche, so die US-Bischöfe.
Regenbogenflagge auf dem Petersplatz im Vatikan.
Foto: IMAGO/Antoine Mekary / Godong (www.imago-images.de) | Insgesamt fielen die Reaktionen auf die Erklärung unter amerikanischen Katholiken gemischt aus. Im Bild: Regenbogenflagge auf dem Petersplatz im Vatikan.

Die am Montag veröffentlichte Erklärung des vatikanischen Glaubensdikasteriums, die unter gewissen Umständen die Segnung von homosexuellen und unverheirateten Paaren erlaubt, stellt nach Ansicht der US-Bischofskonferenz keine Änderung der kirchlichen Lehre zur Ehe dar.

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Ein Sprecher der amerikanischen katholischen Bischöfe betonte in einer Stellungnahme, das Dokument des Vatikans mit dem Titel „Fiducia supplicans“ nehme eine Unterscheidung zwischen einem „liturgischen (sakramentalen) Segen und einem pastoralen Segen“ vor, der Personen gespendet werden könne, „die sich nach Gottes liebender Gnade in ihrem Leben sehnen“.

Kein Segen im Rahmen eines Gottesdienstes

Wörtlich heißt es in der knappen Stellungnahme der US-Bischöfe: „Die Lehre der Kirche zur Ehe hat sich nicht geändert, und diese Erklärung bestätigt dies, während sie gleichzeitig versucht, Menschen durch das Spenden pastoralen Segens zu begleiten, da jeder Gottes heilende Liebe und Gnade in seinem Leben braucht.“

In der Grundsatzerklärung des Vatikans, unterzeichnet vom Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Victor Fernandez, und gebilligt von Papst Franziskus, heißt es, dass der Segen keine Elemente enthalten dürfe, die auch nur im Entferntesten einem Hochzeitsritus ähnelten. Zudem dürfen Geistliche den Segen nicht im Rahmen eines Gottesdienstes spenden.

Fernandez betont, dass das „klassische Verständnis“ der Segnung „erweitert und bereichert“ werden solle durch eine „theologische Reflexion, die sich auf die pastorale Vision von Papst Franziskus stützt“. Dies komme einer „Weiterentwicklung über das hinaus“ gleich, „was vom Lehramt und in den offiziellen Texten der Kirche über die Segnungen gesagt wurde“. Nun bestehe auch die Möglichkeit, „Paare in irregulären Situationen und gleichgeschlechtliche Paare segnen zu können, ohne deren Status offiziell zu konvalidieren oder die beständige Lehre der Kirche über die Ehe in irgendeiner Weise zu verändern“.

Gemischte Reaktionen unter US-Katholiken

Insgesamt fielen die Reaktionen auf die Erklärung unter amerikanischen Katholiken gemischt aus. Der bekannte Jesuitenpater James Martin, der sich schon lange für eine Öffnung der Kirche gegenüber Homosexuellen einsetzt, begrüßte das Dokument ausdrücklich. Auf dem Kurzmitteilungsdienst „X“ schrieb er, dass der Vatikan die Tür für Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare öffne, sei zuvor „für Bischöfe, Priester und Diakone tabu“ gewesen. „Wie viele andere Priester auch werde ich nun mit Freuden meine Freunde in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften segnen.“

Der Politologe Stephen White, der an der „Catholic University of America“ in Washington die von Laien und Klerikern gemeinsam gegründete Initiative „The Catholic Project” zur Aufarbeitung der Missbrauchskrise leitet, rückte gegenüber der „Catholic News Agency“ einen anderen Aspekt in den Vordergrund: Mit seiner Erklärung habe der Vatikan noch einmal unterstrichen, dass „Gott die Sünde nicht segnet und dies auch nicht kann“. Jedoch könne er Sünder segnen und tue dies auch oft, „insbesondere, wenn sie ihn um seine Gnade bitten, um in ihrer Heiligkeit zu wachsen“.  DT/mlu

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