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Schönborn: Bewusst Brückenbauer des Friedens sein

In seiner ORF-Silvesteransprache erinnert der Wiener Kardinal an den österreichischen Psychotherapeuten Viktor Frankl und dessen Lehre, im Leiden Sinn zu finden.
Christoph Kardinal Schönborn sprach von einem „Jahresübergang mit viel Unsicherheit“
Foto: Erzdiözese Wien/ Stephan Schönlaub | Erkennt einen "außergewöhnlichen" Jahresübergang: Christoph Kardinal Schönborn.

Von einem außergewöhnlichen „Jahresübergang mit viel Unsicherheit“ sprach der scheidende Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am letzten Abend des Jahres 2024 in seiner ORF-Silvesteransprache. Ob es in der Ukraine zu einem gerechten, haltbaren Frieden und im Nahen Osten zu einer Friedenslösung komme, oder ob es im eigenen Land gelinge, den Schuldenberg abzubauen, führe zu Ungewissheit und Sorge. „Der Jahresübergang kann in ein gutes Jahr führen oder auch in ein schlimmes bis hin zu einem Atomkrieg. Deshalb geht auch so viel Angst in der Welt um“, so Kardinal Schönborn wörtlich.

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Dieser Angst müsse man Vertrauen entgegensetzen. Er persönlich sehe mit Zuversicht und Vertrauen in das kommende Jahr, so Schönborn, der an den berühmten Wiener Arzt und Psychotherapeuten Viktor Frankl erinnerte: „Er hat das KZ überlebt und trotz dieser schrecklichen Erfahrung als Leitwort 'Trotzdem Ja sagen zum Leben' gehabt. Diese Haltung des Vertrauens bemüht sich vor allem darum, in allen Dingen immer auch das Gute zu finden. Und das ist möglich.“ Viktor Frankl habe gelehrt: „Im Leben einen Sinn finden heißt, auch im Leiden einen Sinn finden. Dazu braucht es eine ganz bestimmte positive Haltung.“ 

Gegen den Strom des Pessimismus

Viktor Frankl war laut Kardinal Schönborn davon überzeugt, dass es eine Fähigkeit des Menschen gibt, die ihn vertrauensfähig und vertrauensstark macht. „Leiden gehört zum Leben. Es gibt kein Leben ohne Leiden. Aber wir alle haben die Fähigkeit des Mitleidens, des Mitgefühls“, so der Wiener Kardinal. Es sei unmenschlich, wenn ein Mensch kein Mitgefühl erkennen kann.

Vertrauen sei keine selbstverständliche Haltung, sondern „gegen den Strom, gegen den Pessimismus“. Aber Vertrauen lasse sich pflegen durch Mitgefühl. Wer Mitgefühl hat, könne sich hineindenken in die Situation anderer Menschen. „Aus diesem Mitgefühl und Nachfühlen-Können entsteht eine solidarische Gemeinschaft. Wir können uns bewusst entscheiden dafür, Mitgefühl zu leben und zu praktizieren.“ Man könne sich ganz bewusst dafür entscheiden, „ein Brückenbauer des Friedens zu sein“. (DT/sba)

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