Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Regensburg/Vatikanstadt

Scharfe Kritik an Kardinal Müller

Auch Bischöfe und Kardinäle sollten dem Beispiel des Papstes folgen und sich impfen lassen, so der bayerische Ministerpräsident. Andere Politiker nennen Müllers Äußerungen zur Pandemie „schockierend“.
Kardinal Gerhard Ludwig Müller im Vatikan bei der Generalaudienz
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Bereits gestern hatte sich der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) von Müllers Äußerungen distanziert.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat nach Angaben des Donaukurier die jüngsten Äußerungen des emeritierten Kurienkardinals Gerhard Müller kritisiert. Müller hatte gegenüber dem St. Bonifatius-Institut in Österreich geäußert, die Corona-Pandemie werde dafür genutzt, um „die Menschen jetzt gleichzuschalten“ und einer „totalen Kontrolle“ zu unterziehen. Söder erklärte, dass „soweit ich das gelesen habe“ - auch Papst Franziskus gegen Corona geimpft sei. Auch seine Bischöfe und Kardinäle sollten dem Beispiel folgen.

Kopp: Müller spricht als Privatperson

Bereits gestern hatte sich der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) von Müllers Äußerungen distanziert. „Man wundert sich sehr über diese Theorien!“, zitierte die DBK-Sprecher Matthias Kopp am Montag auf Twitter. „Kardinal Müller spricht hier – davon gehe ich aus – als Privatperson.“

Lesen Sie auch:

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hatte Müller die Echtheit des Videos bestätigt und zugleich die Logik zurückgewiesen, dass „wenn jemand die Finanzelite kritisiert, er automatisch auf der falschen Seite ist“. Er sprach erneut von einer „nicht legitimierten Einflussnahme der superreichen Eliten in verschiedenen Ländern“.

Weitere Politiker kritisieren Müller

Auch vier ostbayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisierten den früheren Regensburger Bischof scharf für dessen Äußerungen zur Corona-Pandemie. Die Äußerungen seien „schockierend“, schrieben die Abgeordneten in einem offenen Brief an Müller und dessen Nachfolger in Regensburg, Bischof Rudolf Voderholzer. „Gerade bei einem ranghohen und prominenten Diener der katholischen Kirche hätten wir es nicht für möglich gehalten, dass dermaßen krude und demokratiefeindliche Verschwörungstheorien ganz offen und ungehemmt zu Tage treten.“ Müller bediene sich auch „brandgefährlicher antisemitischer Chiffren“.

Weiter schrieben die Politiker: „Sie vergessen oder schlimmer ignorieren dabei, dass es Menschen gibt, die den Aussagen eines Kardinals eine hohe Glaubwürdigkeit schenken. Der damit einhergehenden Verantwortung werden Sie leider nicht gerecht. Das ist schwer erträglich.“  DT/reg

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischof Deutsche Bischofskonferenz Kurienkardinal Markus Söder Papst Franziskus Päpste Rudolf Voderholzer

Weitere Artikel

Was der argentinische Papst predigte, veranschaulicht die argentinische Netflix-Serie „Eternauta“: In Krisenzeiten bedeutet Gemeinschaft nicht Rückzug, sondern Hoffnung.
02.09.2025, 07 Uhr
José García

Kirche

Die Piusbrüder haben eine unerlaubte Bischofsweihe angekündigt. Der Vatikan teilte mit, dass der Dialog mit der Bruderschaft fortgesetzt werden soll. Der Kölner Offizial Peter Fabritz ordnet ein.
05.02.2026, 15 Uhr
Regina Einig
Seine Katechese über die Texte des Zweiten Vatikanums hat Papst Leo mit dem Konzilsdokument über die Offenbarung begonnen, das heißt mit dem Eintritt Gottes in die Menschheitsgeschichte.
05.02.2026, 13 Uhr
Guido Horst
Vor der Vollversammlung der Bischöfe hat die römische Kurie das Heft in der Hand. Der synodale Irrweg braucht eine klare Korrektur.
05.02.2026, 17 Uhr
Regina Einig
Der deutsche Sonderweg kollidiert mit dem weltkirchlichen Verständnis von Synodalität: Der Kirchenrechtler Heribert Hallermann wirft den Blick voraus Richtung Synodalkonferenz.
05.02.2026, 07 Uhr
Franziska Harter