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Religionsvertreter fordern Respekt vor religiösen Ritualen

Der Generalsekretär der EU-Bischofskommission COMECE bezeichnet das geplante Beschneidungsverbot in Island als Gefahr für die Grundrechte. Dort will man Beschneidungen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Jahren sanktionieren.
Beschneidungsbesteck auf einem jüdischen Gebetbuch
Foto: David Ebener (dpa) | ARCHIV - Beschneidungsbesteck, ein Messer und ein Vorhautschutz, liegen am Donnerstag (26.07.2012) in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde in Hof (Oberfranken) auf einem jüdischen Gebetbuch.

Vertreter von Glaubensgemeinschaften haben Respekt vor religiösen Ritualen in Europa gefordert. Anlass ist ein mögliches Beschneidungsverbot in Island. Die Beschneidung sei ein "wichtiges Element" des Judentums, betonte der Direktor des Europäischen Jüdischen Gemeinschaftszentrums (EJCC), Avi Tawil, am Dienstag im EU-Parlament. Ihr Verbot komme einem Verbot jüdischer Tradition gleich.

Der Generalsekretär der EU-Bischofskommission COMECE, Olivier Poquillon, sagte, das geplante Beschneidungsverbot in Island sei eine "Gefahr" für die Grundrechte. Auch der deutsche Kardinal Reinhard Marx hatte das geplante Beschneidungsverbot im Februar kritisiert. Der Gesetzesentwurf sei "ein gefährlicher Angriff auf die Religionsfreiheit", so Marx.

Der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe der Christdemokraten im EU-Parlament für interkulturelle Aktivitäten und religiösen Dialog, Jan Olbrycht, betonte, die Freiheit eigene Rituale zu haben, sei Teil der Religionen.

Isländische Abgeordnete aus fünf verschiedenen Parteien hatten Anfang des Jahres einen Gesetzesentwurf für ein Beschneidungsverbot von Jungen vorgelegt. Er sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Jahren für Personen vor, die einem Kind körperlichen Schaden oder eine sonstige gesundheitliche Beeinträchtigung durch "das ganzheitliche oder teilweise Entfernen von Sexualorganen" zufügen. Das Parlament muss den Gesetzesentwurf noch verabschieden. Island wäre das erste Land in Europa, in dem die Beschneidung von Buben verboten wäre, wenn das Gesetz angenommen wird.

DT/KAP/KNA

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