Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ex-Bischof von Brügge

Papst entzieht Roger Vangheluwe den geistlichen Status

Ehemaliger Bischof von Brügge ist auch kein Priester mehr. Jahrelang hatte er seinen Neffen sexuell missbraucht.
Roger Vangheluwe ist auch kein Priester mehr
Foto: BENOIT DOPPAGNE (imago stock&people)

Der ehemalige Bischof von Brügge Roger Vangheluwe (87) hat seinen „geistlichen Status“ verloren. Das bedeutet, dass er kein Priester und Bischof mehr ist. Dies bestätigte die päpstliche Nuntiatur in Brüssel heute gegenüber belgischen Medien und der Tagespost. Vangheluwe war beliebter Bischof, bis 2010 bekannt wurde, dass er seinen Neffen jahrelang sexuell missbraucht hatte. Später hatte er ein Vergehen an einem weiteren Neffen eingestanden. Vangheluwe war daraufhin aus Belgien in ein französisches Kloster verbannt worden, wo er seitdem im Verborgenen lebt (Die Tagespost berichtete).

Lesen Sie auch:

Nach dem Geständnis Vangheluwes, den Missbrauch an seinen Neffen begangen zu haben, beschloss die Nuntiatur Anfang März, den Vorschlag der Katholischen Kirche Belgiens, ihn aus dem Klerikerstand zu entlassen, an den Vatikan weiterzuleiten. Am 11. März gab Papst Franziskus dem Antrag statt und ordnete die Verhängung der vorgeschlagenen Strafe an. Vangheluwe selbst wurde gestern über die Maßnahme informiert. Er bat darum, „an einem Ort der Besinnung bleiben zu dürfen, um zu beten und Buße zu tun, ohne weiteren Kontakt mit der Außenwelt“.

Premierminister: "Die richtige Entscheidung"

„Das ist die richtige Entscheidung“, sagte der belgische Premierminister Alexander De Croo in einer ersten Stellungnahme zum heute bekanntgewordenen Urteil aus Rom. „Es kommt spät, ist aber ein notwendiger Schritt für die Opfer auf ihrer Suche nach Gerechtigkeit.“ De Croo, ein flämischer Liberaler, verwies darauf, dass er bereits vor einigen Wochen den päpstlichen Nuntius aufgefordert habe, im Fall von Bischof Roger Vangheluwe schnell zu handeln.

Der Papst brachte in diesem Zusammenhang auch „sein Mitgefühl mit den Missbrauchsopfern“ zum Ausdruck. Der Apostolische Nuntius für Belgien, Franco Coppola, äußerte, dass der Papst entschlossen sei, „die Plage des Missbrauchs aus der Kirche auszurotten“.

Aufgrund seiner Laisierung kann Roger Vangheluwe nun grundsätzlich gehen, wohin er will, bestätigt die belgische Bischofskonferenz. Mit der französischen Abtei, in der er sich derzeit aufhält, wurde vereinbart, dass er dort weiterhin in Abgeschiedenheit leben darf. Von nun an ist Vangheluwe weder Priester noch Bischof. Er geriet 2010 in Kontroversen, als klar wurde, dass er seinen Neffen jahrelang missbraucht hatte. Die Schlagzeilen waren ein Schock für die Diözese Brügge, denn Vangheluwe war ein beliebter Bischof.

Er trat daraufhin zurück und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück, zunächst in die Abtei Westvleteren in Westflandern, zog aber bald weiter in eine Abtei in der Loire-Region in Frankreich. Dort lebt er im Verborgenen. So darf er nicht mehr in der Öffentlichkeit auftreten und auch Eucharistiefeiern nicht mehr leiten.

Vangheluwe: "Es war so etwas wie eine Beziehung"

In einem Interview mit dem flämischen Fernsehen hatte Vangheluwe die Taten an zwei Neffen zugestanden, diese gleichzeitig jedoch auch zu relativieren versucht: „Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass ich ein Pädophiler bin“, sagte er. „Es war so etwas wie eine Beziehung. Ich hatte nicht den Eindruck, dass mein Neffe dagegen war, im Gegenteil.“

Auch hatte er sich stets geweigert, auf seine Titel zu verzichten. Dies änderte sich erst nach einer Fernseh-Dokumentationsserie über Kindesmissbrauch in der Kirche, die in Belgien für Aufruhr sorgte. Darin hatte sein Neffe Mark Vangheluwe darüber berichtet, wie er zum Opfer seines Onkels wurde.  DT/tpr

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Bischofskonferenzen Bischöfe Die Tagespost Papst Franziskus Päpste

Weitere Artikel

Kirche

Über den Teufel wird in Kirchenkreisen nur ungern gesprochen. Doch wo der christliche Glaube schwindet, wächst das Grauen.
13.04.2024, 11 Uhr
Regina Einig