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Oster über Benedikt: „Einer der gelehrtesten Menschen seiner Zeit“

Der Passauer Oberhirte Stefan Oster SDB würdigt Papst Benedikt XVI. als geistlichen und geistigen Vater.
Bischof Oster und Papst Benedikt XVI.
Foto: --- (Bistum Passau) | Der bayerische Papst sei einer der gelehrtesten Menschen seiner Zeit gewesen - mit intellektueller Brillanz und Deutungskraft, so der Passauer Bischof Oster.

Der Passauer Bischof Stefan Oster SDB hat den emeritierten Papst Benedikt XVI. als „einen geistlichen und geistigen Vater, der prägend gewirkt hat für viele“ gewürdigt. Der Heimgang sei eine tröstliche Nachricht, denn aus mehreren Begegnungen wisse er, dass sich der Papst danach gesehnt habe.

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Der Oberhirte des Heimatbistums des in Marktl am Inn geborenen verstorbenen Papstes unterstrich das intellektuelle Format Benedikts: „Wir verlieren einen, der uns das Denken und das Glauben gelehrt hat, der uns das Sehen gelehrt hat – mit den Augen des Glaubens. Wir verlieren einen, der uns geholfen hat, viele Zeichen der Zeit recht zu deuten. Wir verlieren einen großen Sohn unserer Heimat und unseres Bistums, einen Freund der bayerischen Lebensart und Kultur, einen Denker mit dem Herzen. Wir verlieren einen der größten und wichtigsten Theologen des 20. und 21. Jahrhunderts, einen Zeitzeugen der Geschichte der Kirche der letzten Jahrzehnte, vor allem einen der letzten Zeitzeugen des II. Vatikanischen Konzils, das er entscheidend mitgeprägt hat.“

Respektiert für Tiefe, Weisheit, Klarheit

Benedikt XVI. sei von vielen respektiert worden für seine Tiefe, Weisheit, Klarheit und Lauterkeit. Oster erinnerte an den Gegenwind, den der Papst „vielleicht gerade deshalb“ zu spüren bekam: Benedikt sei von nicht wenigen auch angefeindet worden.

Ausdrücklich würdigte der Passauer Oberhirte die kommunikativen Fähigkeiten Benedikts: Der erste deutsche Papst seit einem halben Jahrtausend habe eine Sprache sprechen können, die wie die Musik gewesen sei, die er so liebte. „Aber auch einen, der doch leise und schüchtern war, nicht aufdringlich in der Begegnung; einen, der wunderbar zuhören konnte – und dann Antworten geben konnte, die so unmittelbar das Gegenwärtige trafen und doch so sehr angefüllt waren mit Weisheit aus dem großen Schatz der Überlieferung.“

Der bayerische Papst sei einer der gelehrtesten Menschen seiner Zeit gewesen - mit intellektueller Brillanz und Deutungskraft, „die aber bei ihm wundersam geeint waren mit dem so demütig und vertrauensvoll gewordenen Glauben eines Kindes.“ Bischof Oster erinnerte an Benedikts Lieblingsort in Bayern – Altötting – und seine innere Verbundenheit mit den einfachen Pilgern. Für Benedikt sei Jesus Christus das Herz der Welt gewesen. Christus habe ihm buchstäblich alles bedeutet. Seine Jesus-Bücher seien ein bleibendes Andenken und leuchtende Erinnerung an diese Mitte von allem. Benedikt sei ein großer Diener der Kirche gewesen, der als Papst auch immer wieder Überraschungen beschert habe.

Gabe der brillanten freien Rede

Als Beispiele dafür verwies Bischof Oster auf die Enzykliken, Joseph Ratzingers Gabe der brillanten freien Rede in so vielen Situationen, mit seinem Umgang mit eigenen Fehlern oder Fehleinschätzungen und den Wunden der Kirche. Ausdrücklich würdigte der Passauer Oberhirte in diesem Zusammenhang Benedikts „Fähigkeit zum echten Dialog, seine Forderung nach weniger Abhängigkeit von der Welt, damit wir als Kirche freier und liebender und wirklich dienend in sie hinein gehen können“ und erwähnte auch seinen Rücktritt, der gezeigt habe, wie wenig er an der Macht hänge und wie sehr ihm am guten Fortkommen der Kirche gelegen war.  DT/reg

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