Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Interview mit Bischof Timmerevers

Ostdeutsche Kirche braucht „einschneidende“ Maßnahmen

Gegen Spaltung, für Synodalen Rat. Der Bischof von Dresden- Meißen beschreibt die Situation der Kirche im Osten und freut sich auf die Vollversammlung in seinem Bistum.
Heinrich Timmerevers,  Bischof des Bistums Dresden-Meissen
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Der Bischof des Bistums Dresden-Meissen, Heinrich Timmerevers, freut sich auf die Vollversammlung der deutschen Bischöfe im Osten der Republik.

In einem Interview mit dem Portal katholisch.de hat sich der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, über die prekäre Situation der Kirche in Ostdeutschland geäußert. Mit Blick auf die am Montag beginnende Frühjahrs-Vollversammlung der Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in Dresden adressierte er auch aktuelle Fragen um die Zukunft des Synodalen Rats.

Finanzielle Unterstützung notwendig

Als Gastgeber der Vollversammlung freue sich Timmerevers, dass alle Bischöfe „das kirchliche Leben hier einmal genauer“ kennenlernen können. „Die katholische Kirche war in Ostdeutschland immer schon eine kleine Minderheit, das hat sie geprägt. Diese Erfahrung werden viele westdeutsche Diözesen in den kommenden Jahren erst noch machen“, fügte er hinzu. Möglich sei das aber nur gewesen, wegen einem „kleinen, aber starken Kern engagierter Gläubiger, die der Kirche trotz aller Bedrängnisse immer treu geblieben sind.“

Mit Sorge sehe er, so der Bischöfe auf „die Frage des Strukturbeitrags“ für „alle ostdeutschen Bistümer“: Vor allem die Bistümer Görlitz und Magdeburg ließen im Moment erkennen, dass sie auch über 2025 hinaus finanzielle Unterstützung bräuchten. Dresden bekomme über den Strukturbeitrag in diesem Jahr noch zehn Millionen Euro. Die Sorge um „den baldigen Wegfall dieser Mittel sowie das absehbare Minus bei den Kirchensteuereinnahmen“ wolle man mit Einsparungen von insgesamt 17 Millionen Euro bis 2030 bekämpfen. „Das ist eine sehr einschneidende Maßnahme, da geht es wirklich ans Eingemachte“, so Timmerevers.

Ebenso erwarte er, dass „einzelne westdeutsche Diözesen finanziell unter Druck geraten“ werden, für die man dann „im Bedarfsfall schnell finanzielle Unterstützung leisten“ müsse. „Auch wir werden in Zukunft sicher nicht völlig ohne Finanzhilfen auskommen.“

Große Spannung um Reformen

Auf die Frage nach der Zukunft des Synodalen Wegs gab Bischof Timmerevers zur Antwort: „Der Synodale Weg mag formal zu Ende gehen – den Weg zu einer immer synodaleren Kirche müssen und werden wir aber weitergehen.“ Die Kirche stehe „in Sachen Synodalität“ noch „am Anfang, wir lernen noch.“ Der „synodale Geist“ sei aber bereits „endgültig aus der Flasche.“

Konflikte gebe es aber nach wie vor: Laut dem Bischöfe sehe er „derzeit zwei Gruppen, die sich recht unversöhnlich gegenüberstehen“: Reformbereite Gläubige auf der einen und Reformkritische auf der anderen Seite. Dazwischen spüre er „eine große Spannung“, in der es gelte, zusammenzubleiben und Ausgrenzungen zu verhindern oder „gar das Katholischsein“ abzusprechen. „Gerade als Bischöfe sehe ich es als meine Aufgabe an, die Einheit der Kirche zu bewahren – wobei ich hinzufügen möchte, dass Einheit eine gewisse Vielfalt natürlich nicht ausschließt“, merkte Timmerevers an.

Das Kirchenrecht nicht neu schreiben

Trotzdem sprach er sich für den Synodalen Rat aus, der bereits wiederholt aus Rom kritisiert wurde. „Allgemein gesprochen denke ich, dass es darauf ankommen wird, die Struktur und die Aufgaben des Synodalen Rats so auszugestalten, dass die Entscheidungsbefugnis der Bischöfe in ihren jeweiligen Bistümern sichergestellt bleibt“, erläuterte der Bischöfe von Dresden-Meißen. Denn der „Synodale Rat, wie auch immer er am Ende aussieht, wird das Kirchenrecht nicht neu schreiben.“

Meinungsverschiedenheiten darüber müssten intern im „Kreis der Bischöfe“ ausgetragen werden. Klar sei aber, dass nicht alle für den Brief aus dem Vatikan „Beifall geklatscht haben“. DT/jmo

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27.05.2024, 11 Uhr
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