Es war ein bewegender Moment: Nach dem 7:1-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Curaçao beteten Felix Nmecha und Jonathan Tah gemeinsam mit mehreren Spielern der gegnerischen Mannschaft auf dem Rasen. In einem Kreis versammelt, dankten sie Gott für das Spiel. In einem Interview mit der ARD erklärte Nmecha dazu: Während des Spiels seien sie Gegner, danach jedoch Christen und Brüder. Aus Dankbarkeit für den Sieg seien sie „zusammengekommen und haben gebetet“, weil sie glaubten, „dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird“.
Diese Szene löste in den sozialen Medien zahlreiche Reaktionen aus. Die Kommentare reichten von großer Zustimmung bis hin zu kritischen Nachfragen. Während manche sich fragten, ob die Spieler die Weltmeisterschaft zur Missionierung nutzten, sahen andere gerade in dem gemeinsamen Gebet ein positives Zeichen. So schrieb ein Nutzer: „Ich bin fundamentaler Atheist, aber das ist doch etwas Schönes, wenn der Glaube verbindet und Menschen zusammenbringt.“
Ausdruck gelebter christlicher Brüderlichkeit
Die überwiegende Mehrheit der Reaktionen fiel positiv aus. Viele zeigten sich beeindruckt: „Höre und sehe ich zum ersten Mal im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen“, kommentierte ein Zuschauer. Ein anderer schrieb: „Genauso soll es sein! Jesus is King.“
Die ablehnenden Meinungen erinnern an die Worte Jesu selbst, der deutlich machte, dass sein Kommen nicht nur Zustimmung und Harmonie hervorrufen, sondern Menschen auch vor Entscheidungen stellen würde, die zu Spannungen und Trennungen bis in Familien hineinführen könnten (vgl. Mt 10,34–39). Seit den Anfängen des Christentums gehört dieser Widerspruch zur Geschichte des Glaubens.
Gleichzeitig wurde in dem Gebetsmoment etwas sichtbar, das über nationale Zugehörigkeiten, kulturelle Unterschiede und sportliche Rivalitäten hinausweist. Es war ein Ausdruck gelebter christlicher Brüderlichkeit, die nicht das Spielergebnis in den Mittelpunkt stellt und nicht Neid oder Enttäuschung den Vorrang gibt, sondern Dankbarkeit gegenüber Gott und der gemeinsamen Identität im Glauben.
Die Karibikinsel ist stark christlich geprägt
Curaçao ist stark christlich geprägt. Nach Angaben des „CIA World Factbook“ bekannten sich zuletzt rund 73 Prozent der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche. Auch die Volkszählung von 2023 weist die Katholiken mit über 68 Prozent weiterhin als mit Abstand größte Religionsgemeinschaft aus. Die christliche Tradition prägt Kultur und Alltagsleben Curaçaos. Vor diesem Hintergrund dürfte das Gebet auf dem Rasen für viele Menschen auf Curaçao weit weniger ungewöhnlich gewesen sein als für manche Zuschauer in einem zunehmend säkular geprägten Deutschland.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.










