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Marketing-Experte: „Kirche verliert Gläubige, weil sie zu zeitgemäß ist"

Statt Menschen zu gewinnen, würde die Kirche Politiker-Kirchentage veranstalten und Klimawandel-Papiere produzieren, kritisiert Veit Etzold.
Veit Etzold
Foto: Copyright: xmwissmannx via imago (www.imago-images.de) | Veit Etzold erklärte zu den Kirchenaustritten: „Jeder Vertriebschef, der derart desaströse Zahlen zu verantworten hat, wäre in der Wirtschaft schon dreimal gefeuert worden.“

Der zwölffache Spiegel-Bestsellerautor Veit Etzold wirft der Kirche vor, durch Politisierung den eigenen Mitgliederverlust zu beschleunigen. Dass wieder fast eine halbe Million Menschen aus den deutschen Kirchen ausgetreten sind, liege „nicht daran, dass die Kirche nicht zeitgemäß genug ist. Im Gegenteil: Die Kirche versucht, sich dem linksgrünen Mainstream bis zur Selbstaufgabe anzubiedern“, schreibt der Professor für Marketing und Vertrieb in einem am Dienstag bei „Focus Online" erschienenen Gastbeitrag. Wäre Jesus Christus nicht auferstanden, würde er sich „heute sicherlich im Grabe umdrehen“.

Etzold erklärte, dass der Auftrag Jesu an Petrus als Menschenfischer gewesen sei, „möglichst viele Menschen zu begeistern“. Heute würde die Kirche „statt Neumitglieder zu gewinnen“ schon froh sein, „wenn die Geschwindigkeit der Austritte etwas sinken“ würde. Die Kirche mache „jeden Marketingfehler, den man nur machen kann“.

Kirche hat ihre ursprüngliche Mission aus den Augen verloren

Dazu gehöre, dass sie laut Etzold „ihre ursprüngliche Mission und ihren Markenkern komplett aus den Augen verloren“ habe und „bockig und trotzig einen Politiker-Kirchentag und ein Klimawandel-Papier nach dem nächsten“ produziere. Etzold nennt dies eine „fatalistische Bunker-Mentalität“ und kritisiert, dass „von Seelsorge und Spiritualität keine Spur“ mehr sei.

Kirchentage würden „zu rot-grünen Politiker-Events“. Die Kirche wolle attraktiv für Menschen sein, „die für Religion und Kirche nur Verachtung übrig haben und auch niemals in die Kirche gehen“ — womit sich die Kirche an eine Zielgruppe richte, „die gar nicht existiert“. Zugleich vergraule sie die „Stammkunden", so Etzold, der auch Konzerne zu Strategie und Storytelling berät.

Er stellt fest, dass die „klare Vertriebsaufgabe an Vertriebsvorstand Petrus“, nämlich Menschenfischer zu sein, heute für die Kirchen bedeute, „möglichst viele Menschen zu ,vertreiben‘“. Unter einer halbe Million „Kundenverlust“ im Jahr würde man den Job nicht machen. Etzold wörtlich: „Jeder Vertriebschef, der derart desaströse Zahlen zu verantworten hat, wäre in der Wirtschaft schon dreimal gefeuert worden.“  DT/dsc

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