Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX), Pater Davide Pagliarani, hat am Dienstag auf einen Appell von Papst Leo XIV. geantwortet. Der Papst hatte die FSSPX aufgefordert, die für Mittwoch geplanten Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat abzusagen. In einem am Montag veröffentlichten Brief an Pagliarani schreibt der Papst: „Der Herr erleuchte euer Gewissen und rüttle eure Herzen auf.“
In seinem Antwortschreiben bedankt sich Pagliarani für die „väterliche Fürsorge“ des Papstes, betont jedoch, die Priesterbruderschaft wolle sich nicht von der Kirche trennen. „Fern liegt uns der Gedanke, uns von der Römischen Kirche zu trennen“, schreibt der Generalobere der FSSPX. Die Bruderschaft wolle der Kirche „mit außergewöhnlichen Mitteln dienen, gleich einer Mutter in Bedrängnis, die einer besonderen, nicht von allen verstandenen Hilfe bedarf“.
Weiter bittet der Generalobere Leo XIV., die „Lauterkeit“ der Absichten der FSSPX zu würdigen und vor einer Entscheidung über die Gemeinschaft weitere Zeit für eine Prüfung zu nehmen. Er erinnert den Papst daran, dass die Priesterbruderschaft im Jahr 1988 unter vergleichbaren Umständen für „schismatisch erklärt“ worden sei. Damals hatte der Gründer der FSSPX, Erzbischof Marcel Lefebvre, vier Priester ohne päpstliches Mandat zu Bischöfen geweiht.
In seinem Antwortschreiben verweist Pagliarani außerdem darauf, dass Papst Leo XIV. und er „nach so vielen Jahren miteinander wie ein Vater zu seinem Sohn“ sprächen und der Papst ihn väterlich ermahne, „ein Schisma zu vermeiden, das – theoretisch – bereits stattgefunden hat“. In dieser Haltung des Papstes sieht der Generalobere einen Beweis dafür, dass die FSSPX weder schismatisch noch der Kirche feindlich gesinnt ist.
Zudem erinnert Pagliarani daran, dass der Heilige Stuhl den inzwischen verstorbenen Bischof Vitus Huonder sowie Weihbischof Athanasius Schneider damit betraut habe, Gespräche mit der FSSPX zu führen. Beide hätten den „zutiefst katholischen Geist“ der Priesterbruderschaft „festgestellt und öffentlich bezeugt“.
In seinem vorangegangenen Appell richtet sich Papst Leo XIV. nicht nur an Pagliarani, sondern auch an die Bischöfe, Priester, Seminaristen und Gläubigen der Piusbrüder. Der Papst betont, er fühle sich „verpflichtet“, die FSSPX dazu aufzufordern, von ihrem „Vorhaben Abstand zu nehmen“. Zur Begründung verweist Leo XIV. auf das geistliche Wohl der Gläubigen. Der „schismatische Akt“ einer unerlaubten Bischofsweihe würde die mit der Priesterbruderschaft verbundenen Gläubigen „des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben“.
In seiner Antwort betont Pagliarani, dass er sich „im Namen von Tausenden von Seelen“ an den Papst wendet. Dank des Apostolats der FSSPX hätten diese den katholischen Glauben sowie die religiöse Praxis wiedergefunden. Die Gläubigen hätten lediglich den Wunsch, „sich durch dieses Werkzeug zu retten, welches die Vorsehung ihnen zur Verfügung gestellt hat“.
Papst Leo XIV. verweist in seinem Schreiben darauf, dass die Kirche „die Liebe zur Liturgie, den Einsatz in der Priesterausbildung, den apostolischen Eifer und das Streben nach Treue zur Tradition“ der mit der FSSPX verbundenen Menschen und Gemeinschaften anerkenne. Dies sei der Grund für die „aufmerksame und wohlwollende Haltung“, die seine Vorgänger der Priesterbruderschaft entgegengebracht hätten. Der Papst betont, die Kirche stehe „einem Weg des Dialogs und der Verständigung aufgeschlossen gegenüber“. „Ich bete für euch, weil das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi eine äußerst schwere Sünde ist“, schreibt der Papst.
Pagliarani antwortet: „Es erscheint uns – so paradox es klingen mag – in der gegenwärtigen Lage als unsere ausdrückliche Pflicht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Gewand Christi wieder zusammenzufügen, welches von Kräften und Strömungen zerrissen wird, die mit einem wahrhaft katholischen Geist unvereinbar sind.“
In seinem Schreiben zeigt sich der Generalobere zudem zuversichtlich, dass sich eines Tages „alle Schwierigkeiten zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bruderschaft lösen“ werden. Ein „Gestus des Verständnisses“ seitens des Papstes sei „weit davon entfernt, der Einheit zu schaden“. Ein solcher Gestus offenbare vielmehr die „Sorge um die Einheit“ und „väterliche Güte“ des Papstes. In der „Wahl eines augustinischen Papstes“ habe er ein „Zeichen der Hoffnung erblickt.“ DT/jna
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