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Kohlgraf: Kirche hat sich ihrer Verantwortung nicht gestellt

Die Erkenntnisse der Mainzer Missbrauchsstudie sorgen im Bistum für Betroffenheit. Bischof Kohlgraf äußert sich kritisch zum Handeln kirchlicher Verantwortungsträger.
Studie zu sexuellem Missbrauch im Bistum Mainz
Foto: Arne Dedert (dpa) | Er finde es „unaussprechlich widerwärtig, wenn derartige Verbrechen von Tätern religiös begründet würden”, so der Mainzer Bischof.

Nach Lektüre der jüngst veröffentlichten Missbrauchsstudie im Bistum Mainz hat sich der Mainzer Bischöfe Peter Kohlgraf kritisch zum Handeln kirchlicher Verantwortungsträger geäußert. Die Kirche habe sich abgegrenzt und ihrer Verantwortung nicht gestellt, erklärte Kohlgraf am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Dabei habe schon Jesus Christus das Auseinanderfallen von Botschaft und Lebensweise beim Namen genannt. „Ein ernst gemeinter Blick auf das Evangelium hätte genügt, um das eigene Handeln in Frage zu stellen.“

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Im Hinblick auf Kardinal Lehmann, der in der Studie schwer belastet wird, erschrecke ihn, dass ein Bischöfe, der immer wieder ein menschenfreundliches Gesicht gezeigt habe, im Umgang mit den Betroffenen eine solche Härte an den Tag gelegt habe.

Verharmlosung der Taten im Mittelpunkt

Kohlgraf kritisierte auch das Verhalten in vielen Gemeinden und Familien, in denen die Verharmlosung der Taten im Mittelpunkt gestanden habe und die Opfer nicht im Blick gewesen seien. Vieles sei dort auf ein Priesterbild zurückzuführen, das die Kleriker als unangreifbare Persönlichkeiten dargestellt habe. So seien unvorstellbare Taten geschehen, auch durch den Missbrauch geistlicher Autorität. Er finde es „unaussprechlich widerwärtig, wenn derartige Verbrechen von Tätern religiös begründet würden”, so der Mainzer Bischöfe.

Der Abschlussbericht, den der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber am vergangenen Freitag in seiner Diözese vorgestellt hatte, sei nicht das Ende der Aufarbeitung, betonte der Bischöfe. Er forderte eine zukunftsweisende Erinnerungskultur, in der man auch von den dunklen Seiten lerne. Deshalb sei es ihm wichtig, auf die Themen Machtausübung, Sexualmoral und männerbündische Netzwerke zu schauen. Hier sehe er eine Chance im Synodalen Weg der Kirche, auch um die systemischen Ursachen des Missbrauchs zu bewältigen.  

"Gefährlich fahrlässiges Handeln"

Der Mainzer Generalvikar, Weihbischof Udo Bentz, unter Kardinal Lehmann als Bischofssekretär und später als Regens im Priesterseminar tätig, beklagte das „gefährlich fahrlässige Handeln“ früherer Bistumsleitungen. Der „tiefe Graben zwischen öffentlicher Rede und internem Handeln habe ihn erschüttert, weil er das im Gutachten geschilderte Ausmaß nicht für möglich gehalten habe.

Er selbst sei nicht so sehr in das System eingebunden gewesen, so Bentz, um zum damaligen Zeitpunkt einen Einblick in den Umgang mit dem Missbrauch zu erhalten. Solche Themen seien eher in exklusiven Zirkeln behandelt worden. Die Zusammenschau aus Akten und Gesprächen in dem Gutachten sei die neue Realität, mit der man jetzt umgehen müsse. Hoffnung gebe ihm, dass er wahrnehme, dass viele Menschen das Bistum eine bessere Zukunft führen wollen. Er selbst wolle dazu beitragen, Vertrauen in die Kirche wiederherzustellen.  DT/whu

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