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Kardinal Turkson vertritt Vatikan in Davos

Wenn sich Regierungs- und Wirtschaftschefs beim World Economic Forum (WEF) treffen, ist auch die Kirche dabei. Kardinal Peter Turkson soll Franziskus' Botschaft überbringen.
Kardinal Turkson in Davos
| Kardinal Peter Turkson vertritt die katholische Kirche in Davos.

Heute Abend beginnt das Weltwirtschaftstreffen (WEF) in Davos. Mit dabei ist zum fünften mal Kurienkardinal Peter Turkson aus Ghana — als Vertreter des Vatikan. Wie die Schweizer Internetplattform „Kath.ch“ berichtete, werde der Kardinal am WEF die offizielle Botschaft von Papst Franziskus verlesen. Auf dem offiziellen Programm des WEF wird er allerdings nicht aufgeführt.

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Darüber hinaus wird der Kardinal, der seit April 2022 Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften ist, am Mittwochmorgen für die WEF-Teilnehmer die Frühmesse in der Marienkirche in Davos-Platz feiern. Anschließend ist eine Begegnung mit der vatikanischen Delegation bei einem Frühstück anberaumt. Am Donnerstag feiert Turkson außerdem um 18 Uhr das Pontifikalamt mit eucharistischer Anbetung in der Davoser Marienkirche Davos, das der katholische Fernsehsender „k-TV“ live überträgt.

Angebot der christlichen Kirchen

Daneben bietet der Verbund der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Davos (AKID) während des WEF weiteres geistliches Programm an. Wie auf der Internetseite der Katholischen Pfarrei Davos zu lesen ist, findet zu Beginn des WEF, am heutigen Montag, eine Liturgische Feier zum Thema „Pathways for Peace" mit anschließendem Apéro statt. 

Begleitet wird das WEF darüber hinaus täglich mit stillem Gebet: Unter dem Motto „Schweigen & Beten“ in der Kirche Sankt Johann am Davos Platz wollen sich die Christen auf ihre Art für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung einsetzen. Das seien „sind Anliegen, für die sich die Kirche seit ihren Anfängen einsetzt“, heißt es in der Einladung. 

Der Mensch als Mitte der Wirtschaft

Das Zweite Vatikanische Konzil ruft unter anderem dazu auf, nicht nur die Herrschaft über die Schöpfung immer weiter zu verstärken, sondern „eine politische, soziale und wirtschaftliche Ordnung zu schaffen, die immer besser im Dienst des Menschen steht und die dem Einzelnen wie den Gruppen dazu hilft, die ihnen eigene Würde zu behaupten und zu entfalten“ (Gaudium et Spes 9). Der Schöpfungsplan kann nicht vom Erlösungsplan getrennt werden, lehrt die Kirche. Das Ziel, Unrecht zu bekämpfen und Gerechtigkeit wiederherzustellen, müsse immer mit der (Neu-)Ausrichtung des Menschen auf Gott einhergehen.

Papst Johannes Paul II. erklärte beispielsweise, dass die Wirtschaft menschenwürdig sei, wenn der Mensch die Mitte der Wirtschaft statt das Objekt der Wirtschaft sei. In seiner ersten Enzyklika „Redemptor hominis" kritisierte er: „Der Mensch scheint oft keine andere Bedeutung seiner natürlichen Umwelt wahrzunehmen, als allein jene, die den Zwecken eines unmittelbaren Gebrauchs und Verbrauchs dient“ und rief zur ökologischen Umkehr sowie zu einer Humanökologie auf. Echte menschliche Entwicklung achte nicht nur auf „die Welt der Natur“, sondern setze die „vollkommene Achtung gegenüber der menschlichen Person voraus“.

Das 1971 von Klaus Schwab gegründete Weltwirtschaftsforum, das nach eigenen Angaben „den Zustand der Welt verbessern“ will, versammelt jährlich zahlreiche Regierungschefs und hochrangige Wirtschaftsführer im Schweizer Skiort Davos. Das Thema des diesjährigen Treffens lautet „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter“. Kritiker witterten hinter den Treffen in der Vergangenheit undemokratische Einflussnahme auf das Weltgeschehen; insbesondere im Rahmen der Corona-Pandemie befeuerte Schwabs Idee eines „Great Reset“, zu deutsch „großer Neustart“ Verschwörungstheorien. Die katholische Kirche schickt regelmäßig Abgesandte zu dem Spitzentreffen. Schon in den vergangenen Jahren war es Kardinal Turkson, der die Botschaften des durchaus Kapitalismus-skeptischen Franziskus an die Wirtschaftseliten überbrachte. (DT/dsc)

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