Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kirche

Kardinal Stella: "Wir müssen darüber nachdenken, ob die 'viri probati' eine Möglichkeit sind."

Der Leiter der Kleruskongregation, Beniamino Kardinal Stella, macht in einem Interviewbuch einen Vorstoß für die Weihe von "viri probati".
Kardinal Beniamino Stella
Foto: Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Ein führender Kardinal der römischen Kurie hält es für sinnvoll, über die Priesterweihe für ältere verheiratete Männer nachzudenken. Die sogenannten "viri probati" seien eine Hypothese, die "aufmerksam zu bewerten ist, durchaus offen und ohne Engstirnigkeit", sagt der Leiter der Kleruskongregation, Kardinal Beniamino Stella in einem Interviewbuch, das jetzt in Italien erschienen ist. Dass sich der Leiter der für Priester zuständigen Vatikanbehörde dazu äußert, ist bemerkenswert.

Die "viri probati" seien ein immer wiederkehrendes Thema, so Kardinal Stella. Es laufe aber Gefahr, ideologisch instrumentalisiert zu werden. Der Papst selber habe gesagt: "Wir müssen darüber nachdenken, ob die 'viri probati' eine Möglichkeit sind." In dem Interview, in dem Franziskus sich dazu äußere, so Stella, ermahne er die Kirche "den richtigen Moment zu erkennen, in dem der Geist ihr so etwas empfiehlt".

Als "viri probati" werden in der kirchlichen Debatte Männer bezeichnet, die sich in Ehe und Gemeinde bewährt haben sollen. Das Thema ist in der katholischen Kirche umstritten, wird aber seit geraumer Zeit breiter diskutiert. Jüngster Anlass ist eine Synode im Jahr 2019 für die Kirche im Amazonasgebiet, wo wegen der großen Entfernungen starker Priestermangel herrscht.

Auch Kräutler für "viri probati"-Weihe

Der frühere Bischof von Xingu, Brasilien, Erwin Kräutler, hat mehrfach den Vorschlag der "viri probati" gemacht. Auch andere Kardinäle wie Walter Kasper, Reinhard Marx und Karl Lehmann haben sich für eine Diskussion darüber stark gemacht.

Grundsätzlich hält die römisch-katholische am Zölibat als verpflichtender Lebensform für Priester fest. Verheiratete Priester gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen - etwa, wenn ein Geistlicher einer anderen Konfession zum Katholizismus übertritt.

Das Buch "Tutti gli uomini di Francesco" (Alle Männer von Franziskus) des italienischen Vatikanjournalisten Fabio Marchese Ragona besteht aus Interviews mit jenen Kirchenmännern, die Franziskus zu Kardinälen ernannt hat.

KAP / jbj

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Bischof Kardinäle Karl Lehmann Priesterweihe Päpste Reinhard Marx Römisch-katholische Kirche Zölibat

Weitere Artikel

Der Briefwechsel von Josef Pieper und Hans Urs von Balthasar wirft ein helles Licht auf die nachkonziliare Ära und die Rolle des jungen Theologen Joseph Ratzinger.
11.07.2025, 17 Uhr
Berthold Wald
Wolfgang F. Rothe ist Deutschlands bekanntester LGBTQ-Aktivist mit Kollar. Auch seine eigene Münchner WG machte der Priester zum Medienhappening. Doch das Experiment scheiterte.
14.05.2026, 17 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Das neue Vatikanpapier zum Papstamt belebt die ökumenische Debatte. Doch beim Katholikentag wurde deutlich: Der Weg zu einer gemeinsamen christlichen Stimme bleibt weit.
16.05.2026, 16 Uhr
Heinrich Wullhorst
Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke
Der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer verweist auf „Dynamiken“ bei der Prüfung der Satzung in den römischen Dikasterien.
16.05.2026, 12 Uhr
Meldung
Nikola Eterović ist Ende April als Nuntius ausgeschieden. Er hat sich auch grundsätzlich mit den Möglichkeiten der päpstlichen Diplomatie auseinandergesetzt.
16.05.2026, 19 Uhr
Michael Feldkamp